Hexen, Teufel und Gespenster

Satanische Geschichten von Walpurgisnacht bis Halloween

Hexen, Teufel und Gespenster(jaf). Eines ist klar: Irgendwie kann es bei „Hexen, Teufel und Gespenster“ nicht mit rechten Dingen zugehen. Aber: Das ist von Herausgeberin Sabine Prilop auch durchaus bezweckt. Denn in dem Buch mit dem vielversprechenden Untertitel „Satanische Geschichten von Walpurgisnacht bis Halloween“ rufen große Geister von Goethe über Heine bis Tucholsky all jene mysteriösen Phänomene zwischen Himmel und Erde an, die dem Leser schaurig-schön das Blut in den Adern gefrieren lassen.

In sechs Kapitel ist der literarische Horror-Trip eingeteilt, „Halloween. Das Fest der Lebenden und Toten“ ist ebenso dabei wie ein Ausflug zur Walpurgisnacht, auf den „Tanzplatz der Hexen“ es gibt „Zaubersprüche und Séancen“, „Gespenstische Begegnungen“ mit der Weißen Frau, „Geisterhafte Bräute“ in dunklen Liebesnächten und dabei jede Menge „Höllenangst“ in „Satans Krallen“. Die honorige Garde der großen Schriftsteller-Meister – und mit ihnen lobenswerter Weise auch die fantastischen Zeichner Gustave Doré (1832-1883) und Johann Heinrich Füssli (1741-1825) – bürgen dabei für die Qualität des Grauens: Kein abgeschmackter Grusel-Klamauk wird hier aufgefahren, keine durchschaubare Effekthascherei, sondern feinste Gänsehaut-Literatur von unheilvollen Gedichten bis zu atmosphärisch dichten Kurzerzählungen sowie zwei kurze, inhaltliche Erläuterungen Sabine Prilops zur Geschichte Halloweens und der Walpurgisnacht.

Heinrich Heine lädt ein zu einer geheimnisvollen Reise auf den Brocken, unheilvolle Träume begegnen dem Leser in Friedrich Hebbels „Nacht im Jägerhaus“ und beklemmend ist Edgar Allen Poe eindringlich-stimmungsvolle Erzählung vom „Roten Tod“: „Er war gekommen wie ein Dieb in der Nacht. Und einer nach dem anderen sanken die Gäste in ihren blutüberströmten Festgewändern zu Boden und verschieden in der verzweiflungsvollen Stellung, in der sie verschieden waren. Das Ticken der Ebenholzuhr aber verstummt, als der letzte Seufzer der Sterbenden verklungen war. Die Flammen der Dreifüße erloschen, und Dunkelheit und Verwesung breiteten sich über dem ganzen Schloss aus, in dem der Rote Tod nun unumstritten sein Zepter schwang“.

Angesichts diesen ehrwürdigen Horrors ist für eines getrost die Hand ins Höllenfeuer zu legen: „Hexen, Teufel und Gespenster“ ist ein echter Geheimtipp und schauderhafter Spaß für Gänsehaut-Fanatiker!

Herausgeberportrait:
Sabine Prilop, Jahrgang 1960, lebt in Göttingen. Das Spektrum der vielseitigen Autorin reicht von Lyrik- und Essaybänden über satirische Texte bis zum literarischen Krimi. Sie hat bei „Artemis & Winkler“ zahlreiche erfolgreiche Sammlungen mit Erzählungen der Weltliteratur herausgegeben.

Hexen, Teufel und Gespenster

Sabine Prilop (Hrsg.)
Hexen, Teufel und Gespenster
Satanische Geschichten von Walpurgisnacht bis Halloween
Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf
ISBN 3-538-06925-5
Sonderausgabe, 199 Seiten, mit 13 farbigen Abbildungen, Hardcover gebunden mit Lesebändchen.
Unverbindliche Preisangabe: € 7,95 (D) / € 8,20 (A) / sFr 14,70

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