Hengstparade

Humorvolle Autorenlesung über Sex und Tod auf dem Reiterhof

Hengstparade(asp). Eigentlich zieht Hella so gar nichts auf einen idyllischen, niedersächsischen Reiterhof. Doch das ändert sich, als ihre Tochter Karin sie um etwas bittet: Karins neuer Lover Harry hat sich für eine Woche zum Reiturlaub verabschiedet, und Karin befürchtet das Schlimmste. Also schmeißt Hella ihre Einwände über Bord und macht sich auf, den schwarzgelockten Charmeur im Auge zu behalten.

Zwischen herrlichen Pferden und „steigenden Hengsten“ – einer alkoholischen Spezialität des Hauses – fühlt sich Hella schnell wohl und genießt ihren Aufenthalt in vollen Zügen. Fürs leibliche Wohl der ganz besonderen Art sorgt bereits nach wenigen Tagen Kurt. Während Hella und er sich zum ersten Mal näher kommen, geschieht ein tragischer Unfall. Neugierig beginnt Hella den merkwürdigen Vorkommnissen auf den Grund zu gehen und macht spektakuläre Entdeckungen... .

Gaby Hauptmann entführt ihre Hörer in „Hengstparade“ mit viel Humor in ein ungewöhnliches Ferienidyll. Witzig beschreibt sie die Geschehnisse des Romans, die zwischen Krimi und Komödie anzusiedeln sind, und unterstützt den Humor des Buches durch souveränes Vorlesen. Ihre warme, angenehme Stimme passt hervorragend zur Protagonistin Hella und der Hörer hat die resolute reife Dame regelrecht vor Augen. Zudem gelingt es ihr, die verschiedenen Charaktere des Romans durch wechselnde Stimmlagen für den Hörer unterscheidbar zu machen und nicht in einen monotonen Trott zu verfallen.

Die gelungene Lesung der Autorin kann allerdings nicht über manche inhaltlichen Schwächen des Romans hinwegtäuschen: Viele Charaktere bleiben etwas blass und manche Szenen können nicht anders als absolut weltfremd bezeichnet werden. Wenn beispielsweise vier Personen beim Auffinden einer Leiche minutenlang darüber diskutieren, ob die Leiche nun im Kofferraum des einen oder doch lieber ins Haus des andern gebracht werden soll, dann fragt sich der bodenständige Hörer schon, warum nicht eine der anwesenden Personen auf die Idee kommt, die Polizei oder einen Arzt zu holen. Eine okkulte Verschwörung auf dem Reiterhof, die zunehmend mehr Personen in ihren Bann zieht, kann dem einen oder anderen ebenfalls etwas an den Haaren herbeigezogen erscheinen. Auch die Protagonistin Hella erscheint in vielen Situationen etwas unglaubwürdig, geht man nicht davon aus, dass eine Frau zwischen 50 und 60 Jahren dauerhaft nur an Sex und geheimnisvollen Todesfällen interessiert ist.

Nichtsdestotrotz ist „Hengstparade“ spannend und ausgesprochen unterhaltsam. Es macht Spaß, den Abenteuern der liebestollen Hella zu folgen. Wer sich einfach nur etwas berieseln lassen will, dabei das eine oder andere mal herzhaft lachen möchte und keine tiefsinnige Literatur erwartet, dem garantiert das Hörbuch kurzweiligen Hörgenuss. Viele Romane sollte man ungedingt lesen, manche hören und lesen – „Hengstparade“ sollte man hören, denn Gaby Hauptmann holt an Humor und Spannung alles aus dem Roman, was er zu bieten hat!

Autorenportrait:
Gaby Hauptmann, geboren am 14. Mai 1957, wuchs in Trossingen auf. Nach ihrer Ausbildung zur Journalistin beim „Südkurier“ in Konstanz, baute sie sich das Pressebüro „seepress“ in Lindau auf und half dem Privatradio „seefunk radio bodensee“ als Chefredakteurin beim Start. Später arbeitete sie für Hörfunk und Fernsehen. 1991 kam dann ihre Tochter Valeska zur Welt. 1995 erschien ihr Roman „Suche impotenten Mann fürs Leben“, der sie innerhalb kürzester Zeit in die Bestsellerlisten hineinkatapultierte. Seitdem hat sie acht weitere Bücher veröffentlicht, allesamt Bestseller. Sie lebt als freie Journalistin, Filmemacherin und Autorin in Allensbach am Bodensee.

Hengstparade

Gaby Hauptmann
Hengstparade
Gelesen von Gaby Hauptmann
Hörbuch Hamburg Verlag, Hamburg
ISBN 3-89903-146-6
Gekürzte Autorenlesung, 4 CDs, Laufzeit 292 Minuten, mit 4-seitigen Booklet.
Unverbindliche Preisangabe: € 24,90 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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