Harry Potter und der Halbblutprinz

Harry dringt in Voldemorts Vergangenheit ein – Der sechste Band

Harry Potter und der Halbblutprinz(mkb). Autorin Joanne K. Rowling hat in „Harry Potter und der Halbblutprinz“ schwelende Terrorangst aufgegriffen, den daraus resultierenden Überwachungsstaat auf die Zauberwelt übertragen. Betreten dieses Jahr die Schüler die Eingangspforte Hogwarts’, werden sie mit magischem Hightech auf den Besitz gefährlicher Magie überprüft. Die Angst vor „Du-weißt-schon-wer“ hat die Grenzen gesprengt und mit Harry, dem Auserwählten in ihrer Mitte, steht die Zauberschule mehr denn je im Fokus des Bösen.

Bei den Weysleys geht’s rund: Fleur Delacour, die Schönheit aus Band fünf „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ mit exquisitem französischem Akzent, hat sich mit Bill verlobt, Ginny verdreht der Männerwelt die Köpfe, die Zwillinge George und Fred leiten einen Witz-Laden mit obskuren Zaubereiartikeln, und Harry ist zum Kapitän des Quidditch-Teams aufgestiegen. Auch die Liebe hält bei den unterdessen 16-Jährigen Einzug, zieht wirre Kreise um die spannungsgeladene Geschichte; Ginny schmust mit Dean, Ron mit Lavender, Harry liebt Ginny und Hermine Ron – aber wenn Voldemort und die Todesser das Plateau betreten, rutscht der Liebeskummer an die letzte Stelle. Malfoy bleibt seiner zwielichtigen Rolle treu, und die Schatten, mit denen Snape spielt, stehen im Kontrast zum unerschütterlichen Vertrauen Dumbledores in den Professor – und dann taucht mit einem geliehenen Schulbuch der Halbblutprinz auf, stürzt Harry vollends in die Verwirrung.

Harry zeigt sich unausgegoren und zuweilen launisch, was ihm Dauernachsitzen einbringt. Aber nicht nur Snape beschert ihm Extrastunden, auch Dumbledore holt den Schüler zu sich, betritt gemeinsam mit ihm die düstere Vergangenheit Voldemorts, von seiner Empfängnis bis hin zum bitteren Ende, welches kein Ende nehmen will. Leise bereitet er Harry auf einen Kampf vor, den nur einer lebend verlassen wird – und wieder muss Harry von einem Menschen Abschied nehmen, der seine neu gefundene Familie geworden war… .

Die Wellen um Harry Potters jüngstes und angeblich vorletztes Abenteuer „Harry Potter und der Halbblutprinz“ schlagen hoch, die Kritiken sind verhalten bis vornehmlich negativ, verunsichert und enttäuscht. Dies ist durchaus nachvollziehbar: Der Rhythmus, den die Autorin bislang vorgegeben hatte, scheint gestört. Schmerzlich vermisst man die Hauselfen, Hippogreifs, Riesenspinnen und Gespenster, die stets für spritzigen Humor gesorgt hatten und jetzt, wenn überhaupt, nur blitzlichtartig auftauchen. Joanne K. Rowling widmet „Harry Potter und der Halbblutprinz“ ihrer Anfang des Jahres 2005 geborenen Tochter Mackenzie, erklärt, dass ihre Emotionen während der Schwangerschaft in den neuen Bandes eingeflossen sind. Tatsächlich: Trotz aller Härte, der Harry ausgesetzt ist, ist diesmal weibliche Intuition mehr denn je spürbar. Es wird deutlich, dass die Autorin sich geistig weiterentwickelt hat und mit einer Entwicklung verändert sich bekanntlich auch der Schreibstil.

Nicht ganz nahtlos schließt „Harry Potter und der Halbblutprinz“ an die vergangenen Bände an, was den Lesegenuss allerdings in keiner Weise beeinträchtigt: Über 600 Seiten ansteigender Spannungspegel, der schließlich in einem Showdown explodiert, aus dem Englischen von Klaus Fritz übersetzt. „Harry Potter und der Halbblutprinz“ ist ein fesselndes, flüssig und schön geschriebenes Werk von Joanne K. Rowling, das man jedoch möglichst erwartungsfrei angehen sollte, dem Zauberlehrling und seinen Freunden die Veränderung zugestehen sollte.

Steigen Sie ein in den Hogwarts-Express, und lassen Sie sich in die Welt der Hexen und Zauberer entführen: Es lohnt sich!

Autorenportrait:

Joanne Kathleen Rowling, geboren 1965, hat ihr erstes Buch im Alter von sechs Jahren geschrieben – eine Geschichte über einen Hasen genannt Hase. Sie studierte Französisch und Klassik in der „Exeter University“, zog nach London und arbeitete für Amnesty International, bevor sie in Portugal Englisch unterrichtete. Die Idee zu „Harry Potter“ kam ihr auf einer Zugfahrt von Manchester nach London, und beim Ende der Zugfahrt hatten die Charaktere und die Geschichte bereits Form angenommen. In den nächsten fünf Jahren schrieb sie das erste Buch der Serie „Harry Potter und der Stein der Weisen“, welches 1997 den Büchermarkt stürmte. Es folgten „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“, „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, „Harry Potter und der Feuerkelch“ und „Harry Potter und der Orden des Phoenix“, die alle in den Bestsellerlisten zu finden waren.

Harry Potter und der Halbblutprinz

Joanne K. Rowling
Harry Potter und der Halbblutprinz
Aus dem Englischen von Klaus Fritz
Carlsen Verlag, Hamburg
ISBN 3-551-56666-6
1. Auflage 2005, 656 Seiten, Hardcover gebunden.
Unverbindliche Preisangabe: € 22,50 (D) / € k. A. (A) / sFr 39,50

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