Häuser, Stile, Interieurs
Innenarchitektur in England und Amerika – Anregungen und Muster
(law).
Der urtypische britische Ausspruch „My home is my castle“, mein
Haus ist meine Burg, trifft auch hierzulande auf viele Liebhaber der eigenen
vier Wände zu. Viele von ihnen schätzen den stilvollen britischen
und/oder amerikanischen Einrichtungsstil vergangener Jahrhunderte. Ganz gleich,
ob Sie selbst Eigentümer einer historischen Immobilie sind, noch davon
träumen oder als Innenarchitekt die Träume anderer verwirklichen:
Sie alle werden gleichermaßen beeindruckt sein von dem umfassenden und
hochinformativen Nachschlagewerk „Häuser, Stile Interieurs –
Innenarchitektur in England und Amerika“, den Herausgeber Stephen Calloway
zusammen mit einem zwölfköpfigen Expertenteam veröffentlicht
hat. 500 Jahre Architektur vom Tudorstil bis in die unmittelbare Gegenwart werden
auf knapp 600 Seiten mit der unglaublichen Menge von 1.400 Fotos und 3.000 Zeichnungen
präsentiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den historischen Wohnräumen
und der „guten mittleren Sorte Haus“ des 16.-19. Jahrhunderts,
wie sich der anerkannte Architekturprofi Stephen Calloway im Vorwort des Bandes
ausdrückt.
Die Kapitel des Buches sind chronologisch geordnet von „Tudorzeit und
Zeit James’ I. (1485-1625)“ bis „Gegenwart (1975 bis heute)“.
Die Texte jedes Kapitels, aus dem Englischen von Elisabeth Reschat übersetzt,
haben unterschiedliche Autoren verfasst – ausgewählt wurde jeweils
der größte Experte für eine bestimmte Epoche. Die Kapitel wirken
trotzdem wie aus einem Guss; zuerst werden die wichtigsten Merkmale der Epoche
zusammengefasst, dann folgen die unterschiedlichen Elemente der Häuser:
Türen, Fenster, Decken, Treppen, Wände, Fußböden, Beleuchtung,
Einbaumöbel, Kamine und vieles mehr. Genial ist, dass die wiederkehrenden
Elemente am Seitenrand farblich gekennzeichnet sind, so dass der Leser sich
beispielsweise durch die gelb markierten Seiten des Buches blättern kann,
um alle britisch-amerikanischen Fensterarten der letzten Jahrhunderte kennen
zu lernen.
Was leider fehlt, ist eine genaue Trennung zwischen England und den USA –
zwar ist jedes Kapitel für sich nur einem Land gewidmet, untereinander
springen sie jedoch wild zwischen den Kontinenten hin und her. Lediglich im
letzten Teil des Buches wird in längeren Artikeln getrennt auf „Britische
Volksbauweisen“ und „Amerikanische Volksbauweisen“ eingegangen.
Hier wäre etwas weniger transatlantische Verbundenheit wünschenswert
gewesen, weil doch viele Leser genau ein bestimmtes Land für ihr Zuhause
im Sinn haben werden.
Gestaltet ist der Band „Häuser, Stile und Interieurs – Innenarchitektur
in England und Amerika“ ganz im britischen Sinn: Nobel und unaufdringlich,
trotz der enormen Fülle an Fotos und Zeichnungen wirkt alles sehr lesbar
und übersichtlich. Durch die vielen Schwarzweiß-Zeichnungen sehen
die Seiten mitunter etwas farblos aus, sind jedoch höchst funktional, weil
man so Details viel besser erkennt. Besonders gelungen ist die Idee, manchmal
Foto und Zeichnung ineinander übergehen zu lassen und so Schönheit
und Struktur eines Einrichtungsgegenstandes gleichermaßen detailliert
darzustellen. Dennoch richtet sich das Buch an Liebhaber, die Wert auf Details
von einzelnen Objekten legen – wer nur auf der Suche nach schönen
Innenansichten von britischen und amerikanischen Häusern ist, wird zwar
auch dies finden, doch der Anteil an „Anregungen und Mustern“ überwiegt,
wie der Untertitel des Buches bereits angedeutet.
Interessante Zusatzinformationen finden sich im hinteren Teil des Buches. Falls
man einen im Buch erwähnten Architekten nicht kennen sollte, finden sich
dort Biografien der wichtigsten Personen, die an der Entwicklung der britisch-amerikanischen
Stile beteiligt waren. Außerdem gibt es Tipps für die „Restaurierung
und Werterhaltung“ einer historischen Immobilie. Der Leser erfährt
etwa, dass Fenster aus dem 18. Jahrhundert in einer bestimmten Art geblasen
wurden, die sich nur durch wenige Glasarten modern ersetzen lassen. Überaus
nützlich ist auch die Sammlung von Adressen der besten Lieferanten für
antike und moderne Einrichtungen in Großbritannien und Nordamerika. Wer
einen Baustil, Architekten, ein Bauelement, legendäres Bauwerk oder sonstiges
Stichwort noch einmal schnell nachschlagen möchte, findet es schnell im
Register. Im besonders umfangreichen Glossar werden die Fachbegriffe der Architektursprache
erklärt, die für die besprochenen Epochen wichtig sind, zum Beispiel
„Regency“ für den nach einem Prinzregenten benannten britisch-klassizistischen
Stil des 19. Jahrhunderts.
Das attraktive Nachschlagewerk „Häuser, Stile und Interieurs –
Innenarchitektur in England und Amerika“ ist auch für diejenigen
verständlich, die kein Architekturstudium absolvieren möchten, um
ihre Wohnung einzurichten, und lädt mit viel Liebe zum Detail versierte
Profis wie interessierte Neulinge gleichermaßen ein, in längst vergangene
Epochen der Baukunst voller Stil und Eleganz einzutauchen!
Herausgeberportrait:
Stephen Calloway, Herausgeber und Redakteur, war früher Kurator für
Gemälde am „Victoria and Albert Museum“ in London. Er ist hauptberuflich
als Autor, Dozent und Berater für Architektur, Innenarchitektur und Geschichte
des Geschmacks tätig.
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