Golf
Aus der Reihe „Kleine Philosophie der Passionen“
(hpe). Passion übersetzt das Wörterbuch mit Leidenschaft. Der Titel der Reihe „Kleine Philosophie der Passionen“, zu der Stefan Maiwald „Golf“ beisteuert, dürfte seines Erachtens also wohl eigentlich etwas zu niedrig gegriffen sein. Denn für ihn ist der wohl langsamste Rasensport der Welt schlichtweg eins: eine Droge, „schlimmer als Crack“. Und der, gibt der Autor unumwunden zu, sei er vollkommen verfallen.
So ist es auch kein Wunder, wenn Stefan Maiwalds Aneinanderreihung von kleinen aber feinen Essays stark autobiographisch geprägt ist. Ob nun die Glücksgefühle, als einziger bei Regenschauern auf dem Fairway zu stehen, oder seine Neigung, von mehr als nur einem Golflehrer (im Golfdeutsch: „Pro“) Tipps anzunehmen – nach und nach erfährt der Leser mehr über den „Junkie“ Stefan Maiwald. Bei allem Selbstbezug vergisst er allerdings nie die Information, egal ob wichtig, kurios oder völlig unnütz. Es ist zwar eher Luxuswissen, dass die Bezeichnung „Flight“ für eine Gruppe von Golfspielern nur in Deutschland gebraucht wird, aber irgendwie schon lustig.
Und lustig wird es häufiger in „Golf“. Das liegt am guten Schreibstil und Einfallsreichtum seines Autors. Kostprobe gefällig? „Golf sei deshalb im Trend, weil der Tod der einzige gesundheitliche Grund sei, damit aufzuhören.“ Nicht zuletzt spielt auch die Erfahrung des langjährigen Sportjournalisten eine Rolle, wenn Stefan Maiwald über die Golf Nuts Society, eine Gesellschaft für Golfverrückte, oder einen Mann erzählt, der sich 2.100 Kilometer durch die Mongolei gegolft hat. Er hätte wohl sonst auch nie den Mann kennen gelernt, der sich sein Handicap auf die Visitenkarte gedruckt hat. Das sind auch für Nichtspieler interessante Geschichten. Zudem bietet ihnen ein Glossar im Anhang die Möglichkeit, sich die spärlich eingesetzten Fachausdrücke erklären zu lassen.
So ist „Golf“ aus der Reihe „Kleine Philosophie der Passionen“ nicht nur etwas für die „Pros“, wie es Autor Stefan Maiwald ausdrücken würde, sondern für jeden, der sich mit intelligent geschriebenen und gut recherchierten Zeilen die Zeit vertreiben möchte!
Autorenportrait:
Stefan Maiwald, geboren 1971, schreibt unter anderem für „GQ“, „Freundin“, das „SZ-Magazin“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Jeden Mittag, wenn vernünftige Menschen ihre Siesta halten, steht er auf der Driving Range seines Golfclubs und feilt an seinem Schwung. Das brachte ihm bislang Augenringe und Handicap 6 ein.
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