Göttliches Design oder Die Rivalen von Rom
Bernini und Borromini im Kampf um die Architektur in der Ewigen Stadt
(mag).
Das barocke Rom, das im 17. Jahrhundert entstand, ist im Wesentlichen das Werk
der beiden italienischen Künstler Gian Lorenzo Bernini und Francesco Borromini.
Zu Beginn ihrer Arbeit haben die beiden zusammen am Petersdom gearbeitet. Der
berühmte Baldachin über dem Altar im Petersdom ist ihr gemeinsames
Werk. Nach dieser Arbeit trennen sich die Wege der beiden, und sie werden immer
mehr zu Rivalen, die um Aufträge konkurrieren.
Autor Jake Morrissey zeichnet in seinem Sachbuch „Göttliches Design“
den Werdegang der beiden Künstler nach. Er beschreibt sehr detailliert
und kenntnisreich die Werke, die die beiden geschaffen haben. Besonders interessant
an der Gegenüberstellung der beiden Lebensläufe ist, dass beide Männer
sehr verschieden waren. Bernini ist der geschäftstüchtigere von den
beiden, er bringt es zu Wohlstand und Ansehen. Er ist eher ein begnadeter Bildhauer
als Architekt. Während der introvertierte Borromini ein schwieriger Mensch
war, der sich nicht um die Meinungen der anderen scherte und durch sein aufbrausendes
Temperament die Auftraggeber eher verschreckte. Borromini, dem die heimliche
Sympathie des Autors gehört, ist der Architekt mit der grundlegenderen
Ausbildung, aber der schlechtere Geschäftsmann. Jake Morrissey zeigt in
seinem Buch „Göttliches Design“ wie abhängig die beiden
Künstler von den jeweiligen Päpsten sind und wie unterschiedlich geschickt
sie mit der Situation umgehen. Der Autor hat zwei spannende Lebensläufe
interessanter Männer geschrieben. Der Leser taucht tief in die Gedankenwelt
des Barock ein und versteht, was die beiden Architekten mit ihren Werken ausdrücken
wollten.
Michael Haupt hat das informationsreiche, gut lesbare Buch „Göttliches
Design“ aus dem Englischen übersetzt. Das interessante Buch enthält
16 Schwarzweiß-Abbildungen und Grundrisse. Das ist leider sehr wenig.
Auch wenn die einzelnen Werke der beiden Künstler sehr gut und detailliert
beschrieben sind, kann der Leser bei aller Phantasie sich die Fassaden, Statuen
und Kirchen nicht wirklich vorstellen. Die Beschreibung der Fassade, die Borromini
wie einen menschlichen Oberkörper mit ausgebreiteten Armen gestaltet hat,
ist wirklich detailliert, aber der neugierig gewordene Leser möchte diese
Fassade dann auch gerne sehen. Eine ausführlichere Bebilderung mit den
Werken der beiden Architekten wäre eine gute Ergänzung gewesen. Trotzdem
ist das Buch auch ein guter Begleiter auf einer Reise durch Rom, da es die Augen
öffnet für die Ideen der beiden hervorragenden Künstler.
Sehr gelungen ist auch das Layout des Buches. Auf jeder Seite befindet sich
eine kleine Innenansicht der Kuppel des Petersdoms, und am unteren Rand steht
jeweils die Kapitelüberschrift. Das angenehme Schriftbild macht das Lesen
des Sachbuches „Göttliches Design“ nicht nur inhaltlich zu
einem Vergnügen. In Anhang des Buches befindet sich ein umfangreicher Anmerkungsteil.
Diese begeistern den interessierten Leser. Jake Morrissey hat die Anmerkungen
unter die jeweilige Kapitelüberschrift gesetzt, so dass man sich schnell
orientieren kann. Zu jeder Anmerkung hat er ein paar Worte aus dem Text zitiert,
so dass der Leser den Anmerkungsteil auch ohne den Haupttext lesen kann und
so die weiterführenden Informationen leicht findet. Eine sehr gute Idee,
der man viele Nachahmer wünscht. Des Weiteren enthält der Anhang noch
eine Literaturliste, die der Übersetzter Michael Haupt um zwei Bücher,
die ihn bei der Arbeit unterstützt haben, ergänzt hat.
„Göttliches Design“ ist ein wunderbares Buch über zwei
große Künstler, die unterschiedlicher nicht sein können und
die der Nachwelt beeindruckende Werke hinterlassen haben!
Autorenportrait:
Jake Morrissey studierte Architektur und schreibt seit 20 Jahren über Baukunst.
Er arbeit als Herausgeber, Schriftsteller und Journalist – unter anderem
für die „Washington Post“, die „Chicago Tribune“
und den „San Francisco Chronicle“. Er ist Autor zahlreicher Bücher.
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