Gespräche um Leben und Tod
Grenzerfahrungen, Ängste, Wünsche und Hoffnungen
(mag).
Der amerikanische Autor Studs Terkel beginnt sein außerordentliches Buch
„Gespräche um Leben und Tod“ mit einer behutsamen Einleitung,
die den Leser langsam an das Thema Tod und Sterben heranführt. Er erzählt
von seinen eigenen Erfahrungen und vermittelt so, dass es selbstverständlich
ist, über den Tod zu sprechen, und dass jeder dazu etwas sagen kann. Ein
Thema, das alle angeht, über das aber nur selten gesprochen wird. „Doch
wie ist das mit einer Erfahrung, die keiner von uns je gemacht hat, die aber
allen bevorsteht: der Tod?“
Der über 90-jährige Radiojournalist Studs Terkel hat über viele
Jahre mit unterschiedlichen Menschen aus den USA über das Thema Tod und
Sterben gesprochen. Die Gesprächspartner haben ihm ihre sehr persönlichen
Erfahrungen und Gedanken mitgeteilt. Der Band „Gespräche um Leben
und Tod“ enthält fast 50 Interviews. Wobei einige Berichte die Fragen,
die Studs Terkel an seinen Gesprächspartner gestellt hat, enthalten, der
überwiegende Teil der Texte jedoch Monologe sind. Dadurch sind die Erfahrungsberichte
gut lesbar und der Leser fühlt sich direkt angesprochen.
Das Bemerkenswerte an diesem Buch ist die gelungene Zusammenstellung der verschiedenen
Menschen. Die einzelnen Geschichten sind so unterschiedlich wie die Menschen,
die zu Wort kommen: Der Sohn, der den Tod des Vaters als Erlösung erlebt
hat; der Jugendliche, der beinahe bei einer Schießerei stirbt; die Krankenschwester,
die jeden Tag mit dem Tod zu tun hat. Studs Terkel spricht mit Feuerwehrmännern
und Atheisten, Soldaten und ihren Müttern sowie mit Vertretern verschiedener
Religionen. Jeder hat eine andere Geschichte, andere Gedanken und Erfahrungen
mit dem Tod. So fallen auch die Berichte unterschiedlich aus, manche sind anrührend,
andere erschütternd aber auch tröstlich, Wenn ein Priester darüber
nachdenkt, ob seine erste und seine zweite Frau sich im Himmel wohl vertragen
werden, dann hat das Buch durchaus auch humorvolle Momente.
So kommen in diesem Buch „Gespräche um Leben und Tod“ die unterschiedlichsten
Facetten des Themas Tod vor, es geht um den natürlichen und den gewaltsamen
Tod, das plötzliche und das lang ersehnte Sterben, das Leben nach dem Tod,
die Religion und immer wieder um die Hoffnung, die Verstorbenen wiederzusehen.
Auch Themen wie Aids, Sterbehilfe und eigene Todeserfahrungen von Koma-Patienten
sind in der Sammlung enthalten. Ein wirklich ergreifendes Buch, das aber nicht
sentimental den Tod verklärt. Es ist interessant, was diese Menschen über
den Tod zu sagen haben und unweigerlich setzt sich auch der Leser wie selbstverständlich
mit diesem Thema auseinander.
Das Buch „Gespräche um Leben und Tod“ ist eine gekürzte
Ausgabe des amerikanischen Textes und wurde von Inge Leipold aus dem Englischen
übersetzt. Das Buch ist in vier unterschiedlich große Kapitel eingeteilt,
in denen Studs Terkel die Berichte inhaltlich geordnet hat. Er hat jeweils bis
zu vier Texte unter Überschriften wie „Notaufnahme“, „Aus
der anderen Welt“, „Die Seuche“ und „Der Komödiant“
zusammengefasst. In dem Buch „Gespräche um Leben und Tod“ sprechen
die Menschen alle vom Tod, aber das eigentliche Thema des Buches ist das Leben
selbst. Studs Terkel formuliert es so: „Und davon handelt dieses Buch
hoffentlich: vom Tod, versteht sich, doch nur in dem Sinne, dass man vorher
das lange Vorspiel dazu, das Leben gelebt hat.“
„Gespräche um Leben und Tod“ ist eine beeindruckende Sammlung
sehr persönlicher Berichte über den Tod und das Sterben, die dazu
auffordert, dieses Thema nicht zu verdrängen!
Autorenportrait:
Studs Terkel wurde 1912 geboren, in dem Jahr, wie er gern sagt, in dem die „Titanic“
unterging. Er ist der Autor von zehn Büchern, die aus Amerikas „oral
history“ nicht wegzudenken sind. Für „The Good War“ hat
er den Pulitzer-Preis erhalten. Seine tägliche Radiosendung von 1954-1998
hat ihn über seine Heimatstadt Chicago hinaus gerühmt gemacht. Er
ist Mitglied der „Academy of Arts and Letters“ und mit mehreren
Preisen ausgezeichnet worden.
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