Geschichte der deutschen Literatur
Von den Merseburger Zaubersprüchen bis zur Gegenwartsliteratur
(pr).
„Von Literatur kann man reden, wenn Sprache nicht einfach als alltägliches
Kommunikationsmittel verwendet, sondern künstlerisch gestaltet wird, um
Erdachtes und Erfundenes festzuhalten.“ Genau dieser Literatur widmet
sich Manfred Mai in seiner „Geschichte der deutschen Literatur“
und reflektiert darin fast 2.000 Jahre deutscher Literaturgeschichte. Er stellt
das Typische einer jeweiligen Epoche heraus, um einen Überblick über
die gesamte deutsche Literatur zu geben. Manfred Mai hält – so sein
Vorwort – die Beschäftigung mit der Entwicklung der Literatur für
wichtig, weil „keine Literatur ohne die vorausgegangene Literatur
so geworden wäre, wie sie geworden ist.“
Das Nachschlagewerk beginnt bereits um 800 nach Christus mit den „Merseburger
Zaubersprüchen“ und dem „Hildebrandlied“, die bedeutendsten
Überbleibsel der deutschen Literatur des frühen Mittelalters. Aus
beiden sind Zitate abgedruckt, die aus dem Altdeutschen übersetzt sind.
Manfred Mai beschreibt weiterhin die mittelhochdeutsche höfische Dichtung
sowie die Tradition der Minnesänger, deren berühmtester Vertreter
Walther von der Vogelweide war.
Das Buch enthält insgesamt viele Beispiele für die besprochenen Literaturepochen.
So findet sich darin auch die sogenannte „Ringparabel“ aus Gotthold
Ephraim Lessings „Nathan der Weise“, die versucht, den Bogen zwischen
den drei Religionen Judentum, Christentum und Islam zu schlagen. Darin erzählt
Nathan der Weise dem Sultan Saladin eine Geschichte von einem Vater, der einen
außergewöhnlichen Ring besaß, der in der Familie immer weitervererbt
wurde. Dieser Vater aber hatte drei Söhne, die er alle gleich gerne mochte,
und so ließ er Kopien anfertigen, die dem echten Ring praktisch gleich
waren. Genauso verhalte es sich – so Nathan – auch mit den Religionen.
Manfred Mai schreibt dazu: „Beeindruckender als in Lessings „Nathan
der Weise“ ist selten ausgedrückt worden, was Humanität und
Toleranz bedeuten.“
Natürlich dürfen auch die großen Dichter der Weimarer Klassik,
Goethe und Schiller, in der „Geschichte der deutschen Literatur“
nicht fehlen. Manfred Mai beschreibt die Werke der beiden, abgedruckt sind „Willkommen
und Abschied“, Auszüge aus „Faust“ von Goethe sowie aus
„Die Bürgschaft“ und „Wilhelm Tell“ von Schiller.
Über die Romantik führt die „Geschichte der deutschen Literatur“
weiter zu Heinrich Heine, der vor allem mit dem Gedicht „Loreley“
unsterblich wurde. Aber der Dichter versuchte auch in seinen Reiseberichten
soziale Missstände seiner Zeit, des 19. Jahrhunderts, aufzuzeigen. Unter
der Nazi-Herrschaft wurden seine Werke verboten.
Manfred Mai geht auch auf die Literatur der Jahrhundertwende vom 19. auf das
20. Jahrhundert ausführlich ein. Dazu zählen die Brüder Thomas
und Heinrich Mann. Thomas Mann schrieb bereits mit 25 Jahren sein berühmtestes
Werk „Buddenbrooks“, für das er später mit dem Literaturnobelpreis
ausgezeichnet wurde. Manfred Mai beschreibt den Schriftsteller folgendermaßen:
„Thomas Mann sah sich als Schriftsteller in der Tradition Goethes.
Ihm ging es darum, vollendete Texte zu komponieren, in denen – wie bei
großen Musikstücken – jeder Ton sitzt.“ Aber die
„Geschichte der deutschen Literatur“ beschränkt sich nicht
nur auf diese Klassiker der Literatur, sondern stellt auch moderne Schriftsteller
wie Zoë Jenny oder Benjamin von Stuckrad-Barre vor.
„Geschichte der deutschen Literatur“ liefert einen überaus
guten Überblick über die deutschsprachige Literatur bis heute. Dabei
fasst der Autor die Fülle von Informationen gut verständlich und überschaubar
zusammen. Es ist allerdings zu bemerken, dass das Nachschlagewerk wirklich nur
einen Überblick gibt und keine ausführliche Literaturgeschichte darstellt.
So richtet sich die „Geschichte der Deutschen Literatur“ auch an
jüngere Leser ab zwölf Jahren, die erste Eindrücke von der deutschsprachigen
Literatur bekommen möchten.
Das Buch erschien 2001 zum ersten Mal und liegt jetzt in einer erweiterten Neuausgabe
vor. Die Kapitel über neuere deutsche Autoren wie Robert Schneider und
Judith Hermann sind jetzt hinzugekommen. Manfred Mai äußert in seiner
Darstellung auch Kritik an den von ihm erwähnten Autoren und reflektiert
dabei die zeitgenössische Kritik, zum Beispiel zur Popliteratur, die zunächst
als neue Literaturgattung hochgelobt wurde, nun aber nur noch ein Abklatsch
ihrer selbst sei, weil sie sich immer wiederhole.
Das Nachschlagewerk ist nicht nur informativ, sondern auch nett gestaltet. Die
besprochenen Dichter und Schriftsteller sind in farbig ausgemalten Illustrationen
von Rotraut Susanne Berner dargestellt, die fast comichaft wirken. Alle Zitate
aus berühmten Werken sind in Blau abgedruckt, so dass man genau erkennen
kann, was zitiert ist und was von Manfred Mai selbst stammt. Im Anhang findet
sich ein Register der angesprochenen Autoren.
„Geschichte der deutschen Literatur“ ist anschaulich geschrieben
und gibt einen guten allgemeinen Überblick über die Entwicklung der
deutschsprachigen Literatur bis heute. So macht Literatur Spaß!
Autorenportrait:
Manfred Mai, geboren 1949, zählt zu den bekanntesten und vielseitigsten
deutschen Kinderbuchautoren. Er hat Geschichte und Deutsch studiert und unterrichtet,
bevor er vor mehr als 20 Jahren zu schreiben begann. Heute lebt er als freier
Schriftsteller auf der Schwäbischen Alb.
Illustratorenportrait:
Rotraut Susanne Berner, geboren 1948, studierte Grafik in München und arbeitet
freischaffend in Heidelberg. Sie wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter
anderem mit dem „Deutschen Jugendliteraturpreis“.
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