Fußball EM-Enzyklopädie
1960-2008
(hpe).
Man würde meinen, dass Hardy Grüne mit seinem überwältigenden
Nachschlagewerk über die Weltmeisterschaften „Fußball
WM-Enzyklopädie“ genug zu tun hatte. Doch der Autor
wäre nicht der Perfektionist, der er ist, wenn er sich nicht auch um das
zweitwichtigste Fußballturnier kümmern würde. Und so ließ
er diese „Fußball EM-Enzyklopädie“ folgen.
Vor 45 Jahren war man noch weit entfernt von Ausnahmezuständen in den Austragungsorten
und seitenlangen Huldigungen in den Sport-Gazetten. Als 1960 der „Europacup
der Nationen“ seinen Spielbetrieb aufnahm, blieb ein Großteil der
westlichen Elite erst einmal zu Hause. England, Italien und auch Deutschland
sahen in dem Ereignis nur noch einen weiteren, verzichtbaren Termin im ohnehin
schon vollgestopften Kalender. Nur der Ostblock erkannte die Chance, seine kommunistischen
Ideologien über den Breitensport in die Welt (oder zumindest nach Westeuropa)
zu transportieren.
Diese schwere Geburt schildert Hardy Grüne anschaulich in Vorwort und einer
kurzen Vorgeschichte. Doch auch in den Beschreibungen der einzelnen Turniere
– jedem von ihnen sind zwischen 15 und 40 Seiten gewidmet – kommt
im jeweiligen Kapitel „Vor dem Start“ immer wieder die Entwicklung
der Meisterschaft wie auch der europäischen Clubwettbewerbe zur Sprache.
Als besonders hilfreich erweist sich dabei ein Info-Ticker, der am Fußende
jeder Seite eine Kurzzusammenfassung der wichtigsten und kuriosesten Ereignisse
während und abseits der Spiele gibt.
Doch bei allen Spielberichten und offenbartem Hintergrundwissen besticht die
„Fußball EM-Enzyklopädie“ vor allem durch ihr Zahlenwerk.
Von der ersten Qualifikationspartie bis zum Abpfiff des Endspiels findet sich
jedes bedeutsame und weniger bedeutsame Ereignis in den knapp 400 Seiten wieder.
Ob gelbe Karten, Auswechslungen oder Zuschauerzahlen – alles da. Das Länderlexikon
(wesentlich ausführlicher als in der „Fußball
WM-Enzyklopädie“) und die Liste aller Endrundenspieler
komplettieren den Info-Overkill. Bei so vielen Namen und Daten verzeiht man
schon mal, dass Hardy Grüne Jugoslawien zum Endspielgegner Spaniens 1964
macht und nicht – wie eigentlich richtig – die Sowjetunion.
Bebildert ist der Band zwar reichlich, über 800 Abbildungen hat der Autor
gezählt, doch ist keines davon, wie es der Umschlag vermuten lässt,
in Farbe. Wer aber die doch eher überschaubaren Auflösungen des Vorgängers
in Erinnerung hat, der wird von ihrer Größe und Qualität in
der „Fußball EM-Enzyklopädie“ positiv überrascht
sein.
In der „Fußball EM-Enzyklopädie“ steht Information klar
im Vordergrund. Und die ist ja auch am Wichtigsten, gerade wenn es mal wieder
heißt: „Welcher deutsche Spieler hat denn noch gleich die meisten
EM-Tore geschossen?“ Die Antwort? Sie steht auf Seite 322 und 370.
Autorenportrait:
Hardy Grüne, 1962 geboren in Dortmund, seit 1975 wohnhaft in Göttingen
und seit fast drei Jahrzehnten Reisender und Forschender in Sachen Fußball.
Autor der „Fußball
WM-Enzyklopädie“. Darüber hinaus Verfasser diverser
Werke über die Geschichte des Fußballs in Deutschland und Europa.
Betrachtet Fußball nicht als reinen Sport, sondern als Interaktion zwischen
Spielern und Publikum sowie als gesellschaftliches Ereignis. Verpasste das legendäre
EM-Halbfinale von 1976 zwischen Deutschland und Jugoslawien wegen eines Wasserrohrbruches
in der elterlichen Wohnung und war 1984 erstmals live bei einem EM-Spiel dabei,
als sich Deutschland und Portugal in Straßburg vergeblich um ein Tor bemühten.
© Copyright by: Public Dialog Hamburg