Friedrich Schiller
Biographie
(sgr).
Klassische Literatur ist klassisch, weil sie stets neue Zugriffe anbietet, weil
sie zu jeder Zeit neu entdeckt, neu gelesen, neu gedeutet werden will. Das Werk
Friedrich Schillers rechtfertigt diese fortwährende Beschäftigung
vielleicht in besonderem Maße. In seinen Dramen türmen sich Grundfragen
des Menschen auf, seine Dichtung spricht an, seine philosophischen Betrachtungen
können gerade in unserer Zeit zur kritischen Betrachtung anregen. Schiller
als Idealist, als Moralist? Vielmehr scheint für Friedrich Schiller das
Etikett als Kritiker zu überzeugen – wenn man denn eines suchen möchte.
Allerdings müssen seine Begriffe und Urteile vorsichtig geprüft werden,
sie sind nicht ohne weiteres für unsere Gegenwart zu adaptieren. Grundlegend
muss dazu eine Annäherung erfolgen, eine Näherung an Zeit, Mensch
und Werk. Ein solcher Anschluss kann über biographische und werkbezogene
Literatur erfolgen.
Eine Biographie über einen Schriftsteller zu schreiben, verlangt intensive
Kenntnis des Werkes wie der Person. Jörg Aufenanger ist sich dessen bewusst
– und er weiß, was das im Falle Friedrich Schillers bedeutet: Die
umfassende Lektüre des Schillerschen Werkes ist harte Arbeit, impulsive
Sprachstürme der Jugendzeit stehen neben idealistischer Philosophie, emphatische
Jugendlyrik neben klassizistischen Dramen. Und das Leben Schillers vermittelt
sich im ausufernden Briefwechsel zu Freunden, Gönnern und Kritikern. Die
Biographie „Friedrich Schiller“ gebührt der große Verdienst,
in die vielfältigen Facetten eines eindrucksvollen Werkes einzuleiten,
das Leben Schillers umfassend darzustellen, ohne das künstlerische Wirken
zu vernachlässigen. Jörg Aufenanger gelingt es, im leichten, jedoch
niemals oberflächlichen Ton, chronologisch den Lebensweg Schillers nachzuzeichnen,
seinen steten Kampf mit angegriffener Gesundheit und maroden Finanzen. Und,
das bleibt der größte Vorzug der Biographie „Friedrich Schiller“,
er fügt die Werke Schillers harmonisch in die Beschreibung ein.
Nicht selten leiden Biographien von Schriftstellern oder Philosophen darunter,
dass sie die Kunst, die ja erst die Entstehung der Biographie rechtfertigt,
zugunsten schlichter Lebensschilderungen vernachlässigen. Über die
leichte und elegante Einreihung der Werke Schillers in den biographischen Zusammenhang
gelingt es Jörg Aufenanger jedoch, den schmalen Grat erfolgreich zu beschreiten,
somit eine Einführung in Leben und Werk anzubieten. Zahlreiche
Schwarzweiß-Illustrationen von Friedrich Schiller und seinen Zeitgenossen
sowie Fotos historischer Orte und ein Personenregister runden das Buch ab.
So bleibt „Friedrich Schiller“ als umfassende Eröffnung zu
empfehlen, die zum Eindringen in die Schillersche Welt auffordert. Die Werke
Schillers zu ergründen, bleibt dem Interessierten angeraten. Das bedeutet
Arbeit und erfordert Ausdauer. Jörg Aufenangers Verdienst jedoch ist es,
Appetit auf mehr zu machen – ein Appell, dem nachzukommen sich lohnt!
Autorenportrait:
Jörg Aufenanger, Jahrgang 1945, lebt in Berlin. Der Schriftsteller und
Regisseur ist durch seine viel gelesenen Bücher und Essays u.a. über
Goethe bekannt.
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