Formel 1 Legenden

Bildband über den mondänen Charme des Motorrennsports

Formel 1 Legenden(flk). Die 1960er und 70er Jahre werden als die goldene Ära des Rennsports bezeichnet. Im Gegensatz zu der kühlen Professionalität und den Materialschlachten der Autokonzerne heutiger Tage, waren es damals Glücksritter und Abenteurer, die das Bild der Veranstaltung prägten – der Bildband „Formel 1 Legenden“ ist ein grandioses Porträt dieser Epoche, der den Leser auf eine Rundfahrt von den Anfängen des professionellen Motorsports bis zum Beginn seiner völligen Kommerzialisierung mitnimmt.

„30 Minuten vor dem Start“ und „drei Minuten vor dem Start“ – so leiten die ersten beiden Kapitel in das Thema ein. Autor und Fotograf Werner Eisele, selbst seit frühester Jugend passionierter Motorsportanhänger, zeigt hier Fotos von der trügerischen Ruhe und der Anspannung vor dem Schwenken der Startflagge. Fahrer wie der Brite James Hunt verraten ihre Nervosität beim hastigen Ziehen an einer letzten Zigarette, gedankenverloren wartet der Franzose François Cevert auf seinen Einsatz. Die meisten der zahllosen Bilder sind in Schwarzweiß gehalten. Sie nähern sich den Menschen in ihren engen Cockpits an, fokussieren ihre Gesichter und suggerieren dem Leser das Gefühl, darin die Gedanken der Fahrer lesen zu können.

In dem Moment, in dem die Flagge fällt, steigt der Lärm ins infernalische, das Feld setzt sich in Bewegung. Werner Eisele hat diese Momente mit spektakulären, teilweise doppelseitigen Bildern eingefangen: qualmende Reifen, Kopf-an-Kopf-Duelle, der Sprint vorbei an den Menschenmassen im Startbereich. Auf der Strecke, während sie ihre Runden drehen, kämpfen die Fahrer nur für sich alleine. Tunneleinfahrt beim Grand Prix 1972 in Monaco: Boliden im Kampf um Sekunden, die mittels Teleobjektiv atemberaubend nah herangeholt werden.

Rennsport in diesen Zeiten war ein ständiges Ringen mit dem Tod, so dass der Bildband „Formel 1 Legenden“ auch dieses dunkle Kapitel thematisiert: Geplatzte Reifen und ausgebrannte Autowracks sowie das völlig zerfetzte Cockpit vom Wagen des tödlich verunglückten Briten Jim Clark zeigen in schonungsloser Offenheit die Risiken dieses Fahrens am Limit.

Was aber wäre die ganze Veranstaltung Formel 1 ohne ihr Spektakel drum herum? Die Fotos von Werner Eisele zeigen die Fahrerfrauen, die ihren Männern die Daumen drücken, die mitfiebernden Zuschauer, die grazilen Mannequins der Sponsoren, deren Laufsteg die Boxengasse ist. Der internationale Jetset traf sich damals wie heute auf den in der Bucht von Monaco ankernden Yachten der Reichen und Superreichen, die Fahrer selbst waren noch Individualisten und Originale wie der Brite Graham Hill, der mit seinem Schnauzbart und dem stets akkurat gezogenen Seitenscheitel perfekt dem Bild des Gentleman der alten Schule entsprach.

Der ehemalige Rennfahrer Jacky Ickx zieht in seinem Vorwort ein abschließendes Resümee dieser legendären Zeit. Wie die „Epoche einer aristokratischen Ritterschaft“ erscheine sie ihm im Nachhinein, die Zwänge, denen die heutigen Piloten ausgesetzt sind, seien ihnen damals fremd gewesen. Dies ist auch der Grundtenor des gesamten Bildbandes „Formel 1 Legenden“: Die Lässigkeit und Verwegenheit der Akteure von damals ist einer profanen und nüchternen Professionalität gewichen. Früher, so erinnert sich Werner Eisele, hätten die Fahrer wirkliche Emotionen gezeigt, hätten mit den Mechanikern gescherzt und gelacht. Dafür ist heute keine Zeit mehr. Die Aufnahmen aus dieser Zeit sind „Porträts, die es so heute nicht mehr geben kann.

Das Werk klingt aus mit Portraits von 22 Fahrern, die diese lange Übergangsepoche der späten 1960er, 70er und 80er Jahre maßgeblich mitgeprägt haben, beginnend beim legendären Jim Clark und endend bei der brasilianischen Rennfahrerlegende Ayrton Senna. Michael Schumacher und Mika Häkkinen werden ihnen lediglich als Vertreter einer neuen Epoche kurz gegenübergestellt. Sahnehäubchen zum Schluss ist ein mehrseitiges ausführliches Bildregister, in dem sämtliche Abbildungen des Werkes kurz erläutert werden.

Der Bildband „Formel 1 Legenden“ ist eine packende Hommage an eine längst vergangene Epoche des Motorsports. Die rund 200 Fotos, die hier zum ersten Mal veröffentlicht werden, erzählen Geschichten und wecken Erinnerungen. Sie zeigen Menschen und Maschinen, sind mal intim, wie beim Blick in die Gesichter, mal weit entrückt, wenn sie das Renngeschehen aus der weiten Distanz heraus zeigen. Mit den sagenhaften Aufnahmen beschwört der Bildband „Formel 1 Legenden“ den Mythos Rennsport – selten war Schwelgen in einer bewegten Vergangenheit schöner!

Fotografenportrait:
Werner Eisele, in Stuttgart geboren und aufgewachsen, mogelte sich schon als jugendlicher Autofan mit seiner kleinen Boxkamera am Pförtner des „Porsche“-Werkes vorbei: „...dem Onkel Vesper bringen!“ Da sieht der Junge sein Traumauto, den „Typ 356“, und macht Klick! Als Ayrton Senna in Sao Paulo geboren wird, fotografiert Werner Eisele beim Stuttgarter Solitude-Rennen seine ersten Formel 1-Boliden. Über 30 Jahre reist der Fotograf zu zahlreichen Grand-Prix-Rennen. Seine künstlerischen und dokumentarischen Fotografien werden in Büchern und Magazinen veröffentlicht. Es folgen Kunstkalender für „Porsche“ und „Lufthansa“, Ausstellungen sowie internationale Auszeichnungen. Mit seinem Porsche 356 Coupé beteiligt er sich zusammen mit seiner Frau und Sohn Dino am klassischen Oldtimer-Sport.

Formel 1 Legenden

Werner Eisele
Formel 1 Legenden
Collection Rolf Heyne, München
ISBN 3-89910-256-8
Originalausgabe, 1. Auflage 2005, 304 Seiten, mit 192 teils farbigen Fotos, Hardcover gebunden mit Schutzumschlag, Format 22,8 x 30,5 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 58.- (D) / € 59,70 (A) / sFr 94.-

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