Ein Mann zum Stehlen
Agententhriller trifft auf Romanze mit Tiefgang
(flk).
Eine Mesalliance ist – so die Definition – eine Verbindung, der
keine Zukunft beschieden ist, die gewissermaßen zu ihrem Beginn bereits
den Keim des Verderbens und Verfalls in sich trägt. Eine ähnliche
Entwicklung ist auch den kurzen amourösen Intermezzi von Paul vorgegeben.
Dieser ist nämlich der Protagonist in Daniel Bielensteins Liebeskomödie
„Ein Mann zum Stehlen“ und in dieser Rolle gleichzeitig ein Juwelendieb
der Extraklasse. Sein Problem dabei ist, – wir lassen einmal die ständige
berufsbedingte Gefahr einer Verhaftung und damit eines längeren Zwangsaufenthaltes
auf Staatskosten außen vor – dass er erst wieder eine Beziehung
eingehen will, wenn er seinen letzten großen Coup gelandet hat und damit
eine solide materielle Basis für eine tragfähige Beziehung gesichert
ist. Dumm nur, dass ihm ausgerechnet kurz vor der Vollendung seines Meisterstückes
die ebenso attraktive wie auch charismatische Lilly über den Weg läuft.
Wie es der Zufall – oder in diesem Fall der Autor – will, so sind
beide sofort füreinander entflammt, würden der zarten Liebe ersten
Kuss gerne auf der Stelle weitere feurige Schmatzer unter der Bettdecke folgen
lassen. Doch ach, das Gelöbnis: Paul blockt ab, und Lilly, die sonst Männer
vernascht wie unsereins Schokopralinen, ist erst mal vor den Kopf gestoßen.
War es das jetzt schon? Natürlich nicht, denn jetzt geht die Geschichte
in „Ein Mann zum Stehlen“ ja erst richtig los: Denn während
Paul weiter an seiner großen Nummer feilt und dabei gleichzeitig bemüht
ist, die Beziehung zu Lilly auf kleiner Flamme weiter köcheln zu lassen,
zieht sich das Netz um ihn immer enger. Denn neben den Freunden und Helfern
der Polizei, die in Gestalt der Kommissare Torsten und Silvia selbst noch ihre
eigene Beziehungskiste miteinander ausfechten müssen, hat auch ein abgehalfterter
Klatschreporter Witterung aufgenommen. Schlussendlich kommt es zum großen
Showdown, an dessen Ende manch einer mit mehr dasteht, als er zu hoffen gewagt
hätte.
Die romantische Liebeskomödie „Ein Mann zum Stehlen“ ist Lesevergnügen
auf höchstem Niveau, das nicht nur eingefleischte Fans der Herz-Schmerz-Literaturgattung
überzeugen wird. Der Grund dafür ist die Verquickung zweier doch eigentlich
so unterschiedlicher Genres: Agententhriller trifft auf Romanze mit Tiefgang,
frecher Wortwitz und flotte Schreibe des Autors bringen als weitere Zutaten
erst die richtige Würze in diese mélange à six. Denn eigentlich
ist es ja nicht die Geschichte eines Liebespärchens am Rande der Legalität,
die in „Ein Mann zum Stehlen“ erzählt wird, vielmehr tauchen
derer ja gleich drei auf: Neben den beiden Protagonisten und dem sich belauernden
Ermittlerduo ist es vor allem der alte Alkoholiker Rolf, dessen Zeit in der
Society-Redaktion eines großen Boulevardblattes ein unrühmliches
Ende zu nehmen scheint. Job weg und die Freundin durchgebrannt mit einem schwulen
Filmstar – da verheißt selbst die prall gefüllte Minibar keinen
Trost mehr. Eine Story muss her, die ihn zurückkatapultiert auf die Titelseite
der großen bunten Zeitungen der Republik. Überhaupt: Boulevard ist
das Stichwort, denn darum geht es hintergründig vor allem im Buch. Man
merkt es Daniel Bielenstein bei jeder Zeile förmlich an, das er ein Vertreter
der schreibenden Zunft ist. „Ein Mann zum Stehlen“ ist nämlich
gleichzeitig eine geistreiche Parodie auf des Autors Heimatstadt Hamburg und
dessen Medienszene, deren Vertreter als Journaille zu titulieren sicherlich
nicht ganz verkehrt ist. Da wird hinter den Kulissen getratscht und gemobbt,
ausgeteilt wie eingesteckt, Sternchen werden entdeckt, während andere gerade
im Verglühen begriffen sind. Daniel Bielenstein spart nicht an bissigen
Seitenhieben in diesen Jahrmarkt der Eitelkeiten: Auf der Bühne leiert
die letzte frisch gecastete „RTL“-Boygroup ihr Playbackrepertoire
herunter, während vor den Bildschirmen der Öffentlich-rechtlichen
der letzte Zuschauer unter 50 wegschaltet. Wer spricht da noch von München
und seiner Bussi-Gesellschaft?
„Ein Mann zum Stehlen“ ist „Oceans Eleven“ in gedruckter
Form, aber mit mindestens genauso viel Geist und Esprit wie sein cineastisches
Pendant!
Autorenportrait:
Daniel Bielenstein, geboren am 31. Juli 1967 in Bonn, studierte in Deutschland,
Japan und den USA Politik, Jura, Japanologie. Er war Redaktionsassistent der
japanischen Tageszeitung „Asahi Shimbun“, Lokalredakteur in einer
Kleinstadt in Schleswig-Holstein, Redaktionsleiter einer Wirtschaftszeitschrift
in Hamburg und baute ein chinesischsprachiges Magazins über europäische
Märkte in Shanghai auf. Seit 2002 lebt er als freier Journalist und Autor
in Hamburg. Für seine Kurzgeschichten ist er mehrfach ausgezeichnet worden.
2003 erschien sein Bestseller „Die
Frau fürs Leben“, ein Jahr später folgte der Roman
„Max und Isabelle“.
Zuletzt veröffentlichte er „Das
richtige Leben“.
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