Die Verschwörung von London
Ein Shakespeare-Roman
(gjk).
Das Leben auf dem Lande unterscheidet sich stark von dem Großstadtbetrieb
Londons, aber der 14-jährige Richard Malory lässt den Kopf nicht hängen,
als er im Jahre 1597 dorthin aufbricht. Sein Hab und Gut beschränkt sich
auf das Nötigste, ein Zeugnis seines Lehrers und ein paar Erinnerungsstücke
an seine jüngst verstorbene Mutter. Tapfer schlägt sich der Held aus
Janie B. Cheaneys Jugendroman „Die Verschwörung von London“
durchs Leben, versucht es als Anwaltsgehilfe, Arbeiter am Dock und kommt schließlich
durch schicksalhafte Fügung zu einer Anstellung als Schauspieler bei einer
sehr beliebten Londoner Theatergruppe.
Ohne jegliches Vorwissen muss Richard zunächst noch sehr viel lernen: „Wie
ein Welpe, den man am Genick packt und die schäumenden Fluten der Themse
wirft – so ungefähr muss man sich mein Leben in den darauf folgenden
Wochen vorstellen.“ Seine Fähigkeit, mit klarer Stimme nahezu
alle Psalme zu rezitieren, ist ihm dabei auf jeden Fall behilflich, denn so
wird die kecke Starling auf ihn aufmerksam. Als Magd bei Master Henry Condell,
einem hoch angesehenen Mitglied der Theatergruppe „Lord Chamberlain’s
Men“, ebnet sie Richard den Weg zu seiner Anstellung. Nun spielt er Stücke
eines gewissen William Shakespeare. Ob „Der Kaufmann von Venedig“,
„Das Wintermärchen“ oder andere spannende Dramen, Richard schlüpft
jedes Mal in eine andere Rolle, für die er seinen Text lernen und ein passendes
Kostüm anlegen muss.
Jetzt braucht er sich zwar keine Sorgen mehr um sein täglich Brot zu machen,
aber sehr mysteriöse Begebenheiten in London halten ihn dafür umso
mehr auf Trab. Zusammen mit dem Abbild einer Medaille, das er sich als Andenken
an seine Mutter mitgenommen hat, scheint er viele Leute, die ihm nicht gerade
zugeneigt sind, auf sich aufmerksam gemacht zu haben. Seltsame Ereignisse häufen
sich, er wird von zwei Männern beobachtet, verfolgt und in einen Überfall
verwickelt, sodass er schließlich beginnt, sein Umfeld mit einem gewissen
Misstrauen und Scharfsinn zu begegnen: Der „Verschwörung von London“
muss der Garaus gemacht werden!
Schnell wird die aufgeweckte Starling zu seiner Komplizin, denn zwei Köpfe
sind besser als einer. Es dauert nicht lange und die beiden nähern sich
dem Kern der Dinge. Dabei geraten sie das eine oder andere Mal auch in ernsthafte
Gefahr… .
Mit ihrem historischen Roman für Jugendliche ab zwölf Jahren hat Janie
B. Cheaney nicht nur eine packende Geschichte geschrieben, sondern auch ein
lehrreiches Werk geschaffen, aus dem amerikanischen Englisch von Petra Koob-Pawis
übersetzt. Sehr lebendig beschreibt die Autorin das London des ausgehenden
16. Jahrhunderts, das auch auf einem vorangestellten Stadtplan abgebildet ist,
sodass man die Wege des jungen Helden durch die gesamte Lektüre verfolgen
kann. Neben der spannungsreichen Aufdeckung der „Verschwörung von
London“ können die jungen Leser auf diese Weise eine Menge darüber
erfahren, unter welchen Bedingungen eine Theatergruppe wie die „Lord Chamberlain’s
Men“ die Stücke Shakespeares aufgeführt hat.
„Die Verschwörung von London“ ist ein äußerst gelungener
Jugendroman!
Autorenportrait:
Janie B. Cheaney geriet in den Bann Shakespeares, als sie und ihre Schwester
eine Bearbeitung von „Julius Caesar“ schrieben und im Hinterhof
aufführten. Viele Jahre später war dieses Interesse an Literatur und
Theater die Triebkraft für ihren ersten Roman „The Playmaker“,
auf Deutsch „Die Verschwörung von London“. Sie lebt mit ihrer
Familie in Missouri/USA.
© Copyright by: Public Dialog Hamburg