Die Türme von Venedig
Ansichten – Aussichten
(sl).
Wer nach den Türmen von Venedig gefragt wird, dem fällt spontan sicherlich
nur einer ein: der Campanile von San Marco. Doch weit gefehlt! Venedig wurde
einst, im Jahre 1500, von 103 Türmen überragt. Immerhin noch 66 Glockentürme
sind bestehen geblieben, die Autorin Tudy Sammartini alle in ihrem Bildband
„Die Türme von Venedig“ vorstellt. Da staunt sogar der Venedigkenner.
Und schnell wird klar, warum man diese Türme gar nicht so stark wahrnimmt:
Aus den engen Gassen der Stadt sind sie kaum sichtbar. Nur wer sich die Mühe
macht, einen der Türme zu besteigen, sieht, dass in Venedig noch viele
kleinere Türme, die überwiegend im Mittelalter und der Renaissance
entstanden sind, stehen.
Die Autorin stellt die 18 bekanntesten Türme, beginnend mit dem Campanile
San Marco, auf einer Seite vor, die jeweils gleich aufgebaut ist: Stadtteil,
Höhe und welche Art von Glocken der Turm beherbergt, sind neben einer Schwarzweißzeichnung
von einem unbekannten Illustrator, die den Turm in seiner jetzigen Ansicht darstellt,
aufgeführt.
In ihren kurzweiligen Texten, aus dem Italienischen von Anja Brug übersetzt,
erzählt Tudy Sammartini kenntnisreich von der wechselvollen Baugeschichte
der Türme und weiß von Ereignissen zu berichten, die in keinem Reiseführer
zu finden sind. So stürzte der Turm von San Giorgio Maggiore gleich zwei
Mal ein; einmal während eines Sturms 1442, das zweite Mal 1774. Erst vor
kurzem wiederfuhr dem Turm ein weiterer Schicksalsschlag: 1994 wurde der Engel
auf der Turmspitze während eines heftigen Gewitters vom Blitz getroffen,
sein Holzkorpus fing Feuer. Heute ist das verbeulte Original vor dem Eingang
zur Sakristei aufgestellt, ein neuer Engel schmückt die Turmspitze.
Augenschmaus des Bildbandes „Die Türme von Venedig“ sind aber
zweifelsohne die Fotografien von Daniele Resini. Er hat Ansichten und vor allem
Aussichten eingefangen, die so kaum woanders zu sehen sind. Viele der Seiten
sind ausklappbar und verstärken so den Panoramablick von den Türmen.
Dem Betrachter eröffnen sich vielfältige Blickwinkel, die sogar Venedigkenner
staunen lassen.
Im Anhang ist eine Karte von Venedig zu sehen, in die alle Türme eingetragen
sind, auch die zerstörten. Besonders sind die Türme gekennzeichnet,
von denen aus fotografiert wurde. Leider fehlt auf der Karte die Bezeichnung
der Stadtteile, die im Text erwähnt werden. Im Anschluss daran stellt Tudy
Sammartini weitere 95 zum Teil heute zerstörte Türme aus Venedig in
Kurzporträts vor, die meisten mit einer Schwarzweißabbildung illustriert.
Ein ausgefallenes Werk nicht nur für Architekturinteressierte: „Die
Türme von Venedig“ ist ein Bildband der besonderen Art, bewegt er
sich doch wegen seines speziellen Themas abseits von allen anderen gängigen
Venedig-Büchern!
Autorenportrait:
Tudy Sammartini ist Autorin zahlreicher Bücher über Venedig und Mitarbeiterin
international renommierter Zeitschriften wie „Architectural Design“,
„Architectural Review“, „Architettura Moderna“. Ihr
Hauptinteresse gilt Vendigs Geschichte, Kunst, Architektur und seinen Gärten.
Außerdem plant sie selbst Gärten und lehrt an der New York University
Landschaftsgestaltung.
Fotografenportrait:
Daniele Resini lebt und arbeitet seit 1982 in Venedig. Seine Themen reichen
von der Bildreportage bis hin zu Architekturdokumentationen. Hiervon zeugen
zahlreiche Ausstellungen sowie die Publikation seiner Aufnahmen in Zeitschriften
und Bildbänden.
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