Die Lichtfänger
Ein historischer Roman über die Hexenverfolgung und deren Erforschung
(mag).
Der historische Roman „Die Lichtfänger“ von Elmar Bereuter
beginnt mit einer Schiffspassage über den Atlantik: Der Historiker George
Lincoln Burr ist auf dem Weg nach Europa und schreibt Briefe mit seinem Füller,
einer ganz neuen Erfindung. Im folgenden Kapitel tritt der Weihbischof von Trier
Peter Binsfeld auf: Er ist ein Befürworter der Hexenprozesse und verfasst
gerade ein Buch über das Hexenwesen. – Der Beginn des Roman ist etwas
verwirrend, während die Schiffspassage im 19. Jahrhundert stattgefunden
hat, lebte Peter Binsfeld im 16. Jahrhundert, was der Leser jedoch beides erst
später erfährt. Ort und Zeit der Handlung wechseln von einem Kapitel
zum anderen, was zunächst irritierend ist, da der Leser zu Beginn jedes
Abschnittes herausfinden muss, in welcher Zeit er sich befindet und aus wessen
Perspektive erzählt wird. Nach einigen Kapiteln wird dies jedoch immer
einfacher.
„Die Lichtfänger“ spielt auf zwei Zeitebenen. Die eine ist
das Mittelalter in Deutschland. In exemplarischen Szenen, die alle auf authentischen
Berichten von Zeitgenossen beruhen, werden die Befürworter, Jäger,
Richter, Beichtväter und Opfer vorgestellt. Durch die leicht lesbare Romanhandlung
wird das Leben zu dieser Zeit lebendig. Der ganze Schrecken der Hexenverfolgung
wird deutlich, ohne dass der Autor besonders drastische Schilderungen benötigt.
Der Horror besteht in der Ausweglosigkeit der Menschen, die unter Verdacht der
Hexerei festgenommen werden. Für die Beschuldigten gibt es keinen Ausweg:
Entweder sie gestehen und werden verbrannt, oder sie werden solange gefoltert,
bis sie ihre Schuld gestehen und dann ebenfalls verbrannt werden. Die Wechselwirkung
von sozialen Krisen, Sündenböcken und Gewalt sowie Bereicherung und
willfähriger Justiz zeigt der spannende Roman sehr gut auf. Elmar Bereuter
gelingt es, die alten Quellen zum Sprechen zu bringen. Durch die Verbindung
von realen Personen und fiktiven Handlungen erzählt er eine packende Geschichte.
Die zweite Zeitebene des Romans „Die Lichtfänger“ ist das 19.-20.
Jahrhundert. Erzählt wird die Lebensgeschichte des amerikanischen Historikers
und Bibliothekars George Lincoln Burr, der die bedeutende Bibliothek der Universität
Cornell über das Hexenwesen mit aufgebaut hat. George Lincoln Burr ist
ein sympathischer Sonderling, der sich sehr gut über die Hexenprozesse
auskennt. Auf seinem Weg durch Europa gelingt es ihm, wertvolle Akten und seltene
Bücher aufzustöbern und dadurch für die Nachwelt zu erhalten.
Elmar Bereuter erzählt eindrucksvoll, wie aufregend die Arbeit eines Forschers
sein kann und wie wichtig es ist, dass der fleißige Wissenschaftler auch
ein bisschen Glück hat. Dass dem Historiker jedoch bei jedem spektakulären
Fund in einem Antiquariat der Atem stockt oder das Herz rast, wirkt etwas übertrieben.
Die Kapitel über Georg Lincoln Burr korrespondieren mit den eingeschobenen
Kapiteln, die im Mittelalter spielen. Während in den Szenen, die zurzeit
der Hexenverfolgung spielen, die Beteiligten zu Wort kommen, tauchen in den
Abschnitten über Georg Lincoln Burr die entsprechenden Akten oder Bücher
wieder auf. Dadurch werden die Zusammenhänge deutlich, und der Leser erhält
ein umfassendes Bild der Hexenverfolgung und deren Erforschung.
Dem Buch „Die Lichtfänger“ ist ein sehr nützliches Lesezeichen
beigegeben. Auf dem schön gestalteten Blatt sind die historischen Persönlichkeiten
des Romans mit Lebensdaten und Beruf verzeichnet. Das kleine Verzeichnis erleichtert
die Lektüre, da man die Namen der Personen gut zuordnen kann und sich so
ein umfassenderes Bild der Geschehnisse machen kann. Eine Hilfestellung, die
bei diesem Roman nicht unbedingt nötig ist, da er sehr anschaulich geschrieben
ist, die den Leser aber erfreut.
„Die Lichtfänger“ ist ein engagiertes Buch über die Hexenprozesse,
vor allem aber ein spannender historischer Roman!
Autorenportrait:
Elmar Bereuter, geboren 1948 in Bregenzerwald. Kindheit zwischen Dorfleben,
Alpwirtschaft und Internat in Graz. War viele Jahre PR-Manager einer Outdoor-Firma.
Seit 1991 Inhaber einer Werbeagentur. Lebt mit seiner Familie in der Nähe
des Bodensees. Sein erstes Buch „Die Schwabenkinder“ wurde zum Bestseller
und war Grundlage des Filmes, der für den Deutschen Filmpreis eine Nominierung
erhielt. 2003 erschien sein Roman „Hexenhammer“ über die kaum
bekannten Anfänge der Hexenverfolgung.
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