Die Kunst des Kochens
Reprint mit Rezepten und Bildern von Henri de Toulouse-Lautrec
(gjk).
Als Künstler ist Henri de Toulouse-Lautrec weltbekannt, doch von seinem
kreativen Schaffen mit Kochtopf, Pfefferstreuer und Tranchiermesser würde
wohl kaum jemand etwas wissen. Wäre da nicht Maurice Joyant, einer der
besten Freunde des Schöpfergeistes, der all seine Kreationen sorgfältig
sammelte und aufbewahrte. „Die Kunst des Kochens“ ist ein Reprint
der erstmals 1967 in deutscher Sprache erschienenen Ausgabe und präsentiert
200 Rezepte von Toulouse-Lautrec mit einer Einführung und Übertragung
aus dem Französischen von Horst Scharfenberg.
Das heimliche Kochgenie ließ sich schon von Kindesbeinen an von dem Geschehen
in der Küche inspirieren und stellte sich gern in dessen Mittelpunkt: „Als
er noch kaum über den Herdrand schauen konnte, bestand der kleine Lautrec
schon darauf, die Saucen abzuschmecken – und er tat es mit Kennermiene
und erstaunlichem Geschmack.“ Dieser hervorragende Geschmackssinn
verband nicht nur seine drei Leidenschaften – Frauen, Trinken und Essen
–, sondern fand auch in seiner Alltagseinstellung Ausdruck. So wird überliefert,
dass Henri de Toulouse-Lautrec Verachtung gegenüber anderen mit folgendem
Satz anzudeuten pflegte: „Er ist nicht wert, Tauben mit Oliven zu
essen, er wird nie welche bekommen und niemals diesen Genuss kennenlernen!“
Das Feingefühl, dem er die besondere Raffinesse seiner Gerichte verdankt,
wird in jedem der 200 Rezepte deutlich. Diese können mit Hilfe der „Kunst
des Kochens“ von Liebhabern vorzüglicher Cuisine auf dem eigenen
Herd in vollendeter Form zubereitet werden. Das Rezeptverzeichnis im Anhang
des Buches ist sehr übersichtlich sortiert, sodass es sowohl zum genüsslichen
Stöbern im Repertoire des Kochkünstlers einlädt als auch das
Wiederfinden bestimmter Kochanweisungen erleichtert. Im Kapitel „Einige
Menüs“ finden sich darüber hinaus noch ein paar Empfehlungen
für gelungene Menü-Zusammenstellungen. „Einige kulinarische
Notizen“ erklären besondere Begriffe des Kochens für die noch
nicht so Fortgeschrittenen unter den Hobbyköchen. Besonders gelungen ist,
dass Rezepte, für die man heutzutage nicht mehr alle Zutaten finden wird,
nicht aus dem Buch gestrichen wurden.
Ob einfacher Fisch-Topf, Artischocken mit Öl und Knoblauch oder etwas ganz
Feines für den Nachtisch wie Apfel-Tartouillat, seiner Fantasie setzte
Henri de Toulouse-Lautrec beim Kochen genauso wenig Grenzen wie beim Malen.
Während ihm dort oftmals schlechter Geschmack vorgeworfen wurde, blieben
ihm derartige Kritiken in der „Kunst des Kochens“ erspart. Sehr
viele seiner Bilder, darunter auch die etwas frivoleren Zeichnungen, illustrieren
die Rezepte. Aber auch in diesen findet der aufmerksame Leser schnell den typisch
neckenden Pinselstrich des Künstlers, bis hin zu sehr überraschenden
Kapriolen, die seinen Charakter gänzlich offenbaren: „Versuchen
Sie, sich durch Vermittlung des Vatikans einen wirklichen Heiligen zu besorgen.“
Dieser wird beim Grillen, „wenn er ein richtiger Heiliger ist, selbst
verlangen, umgedreht zu werden, damit er auf beiden Seiten gut geröstet
ist.“
„Die Kunst des Kochens“ von Henri de Toulouse-Lautrec und Maurice
Joyant ist ein Augenschmaus, aber in erster Linie ein wahres Festmahl für
passionierte Köche!
© Copyright by: Public Dialog Hamburg