Die Frauen von Andros

Geheimnisse, Erinnerungen und Sehnsüchte auf einer Kykladeninsel

Die Frauen von Andros(ini). Die griechische Insel Andros ist seit Jahrhunderten ein Frauenuniversum. Die Männer fahren zur See und kommen nur alle zwei Jahre für ein, zwei Monate nach Hause, um ihre Familien zu sehen. Ihre „ewige Liebe zum Meer“ zieht sie immer wieder hinaus, ein Leben an Land können sie sich nicht vorstellen. Die Frauen dagegen verbringen meist ihr ganzes Leben auf Andros. Die Außenwelt dringt nur über die Geschichten der Männer in ihr Leben ein. Die Verantwortung für Alltag, Haushalt und Familie müssen sie alleine tragen, in der Abwesenheit der Männer neben ihrer traditionellen Rolle auch die des Hausherren übernehmen.

Ihr „wirkliches“ Leben findet jedoch in ihren Träumen, Sehnsüchten und Erinnerungen statt. Jede der geschilderten Frauen geht mit ihrem besonderen Schicksal anders um. Nana, die ehemalige Lehrerin, sammelt Postkarten und träumt von der weiten Welt, Morena vertreibt sich und ihren Freundinnen die Zeit mit Geschichten, und Katharina lehnt alles ab, was sie an das Meer erinnert.

Auch Orsa, die Hauptfigur des Romans „Die Frauen von Andros“ von Autorin Ioanna Karystiani, lebt in ihren Träumen: Seit ihrer Kindheit liebt sie Spiros, den Mann ihrer Schwester. Im wirklichen Leben ist sie jedoch mit Nikos verheiratet, so wie es die Familientradition verlangt. Ihre große Liebe wird für sie immer unerreichbar bleiben. Doch auch die Männer führen ein Doppelleben, viele haben in der Fremde eine zweite Familie gegründet, von der ihre Frauen nichts ahnen. So geht es auch Orsas Vater, der eine Parallelfamilie in Argentinien hat; ein Geheimnis, das er mit keinem Menschen teilen kann.

Die verkrusteten Strukturen werden jäh aufgebrochen, als der Zweite Weltkrieg ausbricht und viele Männer nicht mehr nach Hause zurückkehren. Besonders der Tod von Spiros verändert das Leben von Orsa und ihrer Schwester Moska radikal. Während Moska beginnt, sich über die Geschehnisse außerhalb der Insel zu informieren und BBC-Nachrichten hört, zieht sich Orsa mehr und mehr in sich zurück.

„Die Frauen von Andros“ ist ein Buch für Leser, die in fremde Welten und Epochen eintauchen möchten. Ioanna Karystiani erzählt die Lebensgeschichte starker Frauen, mal aus der Innen-, mal aus der Außensicht. Die Geheimnisse und Träume der Frauen verraten dabei oft viel mehr über die Personen als ihr reales Leben. Ioanna Karystiani gelingt es, den außergewöhnlichen Alltag der kleinen Insel und ihrer Bewohner lebendig werden zu lassen. Wie in Griechenland üblich, sind die Verwandtschaftsbeziehungen kompliziert und das Personeninventar dementsprechend reich – hier ist aufmerksames Lesen gefragt. Es ist nicht immer einfach, der Handlung zu folgen, denn die Autorin arbeitet mit ineinander geschnittenen Szenen und parallel ablaufenden Ereignissen, doch die poetische Sprache und die flüssige Übersetzung aus dem Neugriechischen von Norbert Hauser lassen Personen und Schauplatz lebendig werden.

Der Roman „Die Frauen von Andros“ ist ein nicht immer leichter, aber besonderer Lesegenuss!

Autorenportrait:
Ioanna Karystiani, 1952 auf Kreta geboren, machte sich nach dem Jurastudium als Cartoonistin und Drehbuchautorin einen Namen. „Die Frauen von Andros“ ist ihr erster Roman und war sofort ein großer Erfolg; er stand monatelang auf der griechischen Bestellerliste und wurde mit dem griechischen Staatspreis für Literatur und dem Preis der griechischen Akademie ausgezeichnet.

Die Frauen von Andros

Ioanna Karystiani
Die Frauen von Andros
Aus dem Neugriechischen von Norbert Hauser
Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-518-39964-0
3. Auflage, 294 Seiten, Broschur.
Unverbindliche Preisangabe: € 10.- (D) / € 10,30 (A) / sFr 18,50

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Die Frauen von Andros

Ioanna Karystiani
Die Frauen von Andros
Aus dem Neugriechischen von Norbert Hauser
Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-518-41229-9
4. Auflage, 294 Seiten, Hardcover gebunden.
Unverbindliche Preisangabe: € 20,80 (D) / € 21,40 (A) / sFr 37,50

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