Die drei ??? und der Geisterzug
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben
(flk).
So hatte sich das die Crew um Justus Jonas nicht gerade vorgestellt: Im Auftrag
von Justus’ Onkel Titus waren sie ins Hinterland Kaliforniens gereist,
um dem familiären Schrottplatz bei der anstehenden Versteigerung einer
Museumseisenbahn einige Filetstücke zu sichern. Doch es kommt immer alles
anders... . Prompt finden sich die Jungs in eine üble Geschichte verwickelt,
deren Hintergründe in sehr weiter Vergangenheit zu liegen scheinen. Die
zum Verkauf ausgeschriebene Bahnanlage entpuppt sich nämlich schnell als
rostige Defileemeile allerlei obskurer Gestalten, deren geschmacklose Scherze
nicht nur unserem allzeit tapferen zweiten Detektiv Peter Shaw manches mal den
Angstschweiß auf die Stirn treiben. Während die drei Fragezeichen
noch fieberhaft nach einer rationalen Erklärung für niedergeschlagene
Bordkellner und rätselhafte Drohungen auf Transparenten entlang der Trasse
suchen, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Ein Unbekannter
verübt einen Anschlag auf die Bahngebäude, ein wächserner Kupferbaron
verschwindet, und Männer aus Fernost tauchen an Orten auf, an denen man
sie am allerwenigsten erwartet hätte.
Der Band „Die drei ??? und der Geisterzug“ für Kinder ab zehn
Jahren ist eine schöne Rückbesinnung auf die Tradition, die diese
Serie einst groß gemacht und ihr so viele treue Fans beschert hat. Der
Autorin Astrid Vollenbruch gelingt es mit einem charmanten Augenzwinkern, die
Leichtigkeit vieler alten Folgen wiederaufleben zu lassen und den in letzter
Zeit ein wenig verloren gegangenen Esprit von seiner Staubschicht zu befreien.
Einen nicht unbedeutenden Anteil daran hat sicherlich auch die thematische Rückbesinnung
auf mysteriöse Geschehnisse, deren historischer Ursprung im Band „Die
drei ??? und der Geisterzug“ hervorragend mit der rauen Wirklichkeit der
Gegenwart zu harmonisieren weiß. Ist es nun tatsächlich der Geist
der beim Bau der Eisenbahnlinie verschütteten chinesischen Wanderarbeiter,
der hier sein Unwesen treibt? Oder ist es doch eher der schnöde Mammon,
der einfache Kleinkriminelle zu perfid-kreativen Höchstleistungen anstachelt?
Was aber soll es schon zu holen geben in einer alten, zum Fleddern freigegebenen
Museumseisenbahn?
Es sind diese Momente, in denen die drei Detektive über die staubigen Hügel
der Sierra Nevada kraxeln, in dunklen Tunneln Geheimnissen auf den Grund gehen
oder einfach nur wie der erste Detektiv Justus Jonas in seiner unnachahmlichen
Art seine berüchtigten prosaischen Stilblüten zum Besten gibt. Für
Leser, die mit der Lektüre der drei Fragezeichen groß geworden sind,
öffnen sich hier Türen zu ihrer eigenen Kindheit. Neumodischer Schnickschnack
in Form von Handy, Computer und Internet, der in den letzten Jahren ein wenig
zu exzessiv Eingang in die Geschichten gefunden hatte, bleibt in „Die
drei ??? und der Geisterzug“ weitgehend außen vor. Es sind einfach
nur drei Jungs aus dem verträumten Rocky Beach in Kalifornien, die dem
Lockruf des Abenteuers erlegen sind und sich in jeder Folge aufs Neue beweisen
müssen im Wettstreit gegen das Böse in der Welt. Nicht mehr, aber
auch nicht weniger.
„Die drei ??? und der Geisterzug“ ist ein Muss für Einsteiger
in die vielleicht beste aller Jugendkrimireihen, und auch für alte Hasen
unbedingt zu empfehlen!
Autorenportrait:
Astrid Vollenbruch ist großer Krimi- und Fantasyfan. „Die drei ???
und der Geisterzug“ ist ihr Debüt in der Reihe.
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