Der Tod in den Weltkulturen und Weltreligionen
Über den verschiedenen Umgang mit dem Tod
(sgr).
Herausgeber Constantin von Barloewen macht es sich mit seinem Anliegen nicht
einfach: Auf gut 600 Seiten Aufsätze renommierter Wissenschaftler zu versammeln,
die dann die zahlreichen Spielarten unterschiedlicher Todesbilder aus den verschiedensten
Kulturen und Zeiten vergleichend behandeln, ist ein großes Vorhaben. Als
Resultat gelingt es dem Herausgeber beziehungsweise den Autoren jedoch, trotz
der enormen Vielfalt und Bandbreite ihrer Thematik, mit „Der Tod in den
Weltkulturen und Weltreligionen“ ein geschlossenes Buch zu präsentieren,
das an seinem groß angelegten Zugriff nicht scheitert. Altägyptische,
jüdische, islamische, afrikanische, japanische, chinesische, indische,
buddhistische oder lateinamerikanische Todesvorstellungen werden hier gleichberechtigt
behandelt und mit gelegentlichen Schwarzweiß-Abbildungen illustriert,
ohne dabei in fachspezifischen Detailanalysen zu versanden.
Die zentrale Bedeutung des Todes für jedwede menschliche Gesellschaft äußert
sich in vielfältigen ritualisierten Verfahren, die in kulturellen Vergleichen
untersucht werden können. Für das Sterben entwerfen Menschen Zeremonien,
die die herausragende Bedeutung des Ereignisses betonen, die den Umgang mit
dem Tod akzentuieren wie erleichtern sollen. Aus den Überresten dieser
Zeremonien und den Zeugnissen von ihnen können die verschiedenen Arten
des Umgangs mit dem Tod rekonstruiert werden. „Der Tod in den Weltkulturen
und Weltreligionen“ führt diese verschiedenen Arten dem Leser einführend
vor Augen und vermittelt so ein eindringliches Bild, das von der kulturellen
Vielfalt seiner Themen lebt und durch ein kurzes Literaturverzeichnis und Register
abgerundet wird.
Grundsätzlich ist Constantin von Barloewens Buch zwar eine Auseinandersetzung
mit den unterschiedlichsten Todesvorstellungen, keineswegs aber eine düstere
Abhandlung über das Sterben – vielmehr eine Hommage an das Leben.
Indem die verschiedenen Arten des Umgangs mit dem Tod thematisiert werden, liegt
der Fokus eher darauf, wie die Lebenden ihr Verhältnis zum Tod ritualisieren
und gestalten, um entgegen den Erfahrungen vom Sterben sinnerfüllt leben
zu können: „Jenseits kultureller Grenzen wird das Leben erst
transparent vor dem Hintergrund des Sterbens. Das Leben kann ohne den Tod nicht
existieren, der Tod nicht ohne das Leben. Der Tod kann folglich als Indikator
des Lebens betrachtet werden“. Jedem Menschen werden Erfahrungen
des Todes zukommen, jeder Mensch wird mit dem Sterben, in Form des Todes Anderer,
konfrontiert werden. Doch indem jeder Mensch nach diesen Erfahrungen sich wieder
dem Leben zuwenden muss, wird der Tod zu einem universalen Phänomen des
Lebens, das durch alle Kulturen und alle Zeiten eine enorme Prägekraft
gehabt hat. „Der Tod in den Weltkulturen und Weltreligionen“ ist
eine Rundschau, die grundlegend und von berufenen Autoren in diesen elementaren
Gegenstand eintaucht und im interkulturellen Vergleich behandelt.
Constantin von Barloewen gelingt eine vergleichende Analyse, deren roter Faden
sich der konstanten Bedeutung verdankt, die der Tod in der Kulturgeschichte
hat. Als kontinuierliches Faktum menschlicher Kultur hat das Sterben in maßgeblicher
Form die Gestaltung des Lebens geprägt und seine Spuren hinterlassen. Diesen
Spuren gilt es in „Der Tod in den Weltkulturen und Weltreligionen“
nachzugehen.
Herausgeberportrait:
Constantin von Barloewen, geboren 1952 in Buenos Aires, lehrte an den Universitäten
von Harvard, München, Karlsruhe und Paris, leitete internationale Forschungsprojekte,
die Stiftung Entwicklung und Frieden, die Schleyerstiftung und die Generaldirektion
der Europäischen Gemeinschaft. Derzeit lehrt er an der „Université
Européenne de la Recherche“ in Paris.
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