Das große Bilderbuch von Michel aus Lönneberga
Vier Bilderbücher in einem Sammelband
(sl).
Was fällt Ihnen ein, wenn Sie Katthult hören? Na klar: Michel! „Michel
wohnte auf dem Bauernhof Katthult in dem Dorf Lönneberga.“ Das
liegt bekanntlich in Småland, und dort wohnt Michel mit seinen Eltern,
seiner kleinen Schwester Ida, dem Knecht Alfred und der Magd Lina. Achja, die
alte Krösa-Maja gehört natürlich auch dazu. Und schon ist man
mittendrin, in den von Astrid Lindgren ersonnenen Abenteuern von Michel, der
nichts als Flausen im Kopf hat und für jeden Unsinn zu haben ist.
Unvergessen und wohl die berühmteste Geschichte: Michel in der Suppenschüssel.
Der kleine Gierlappen will unbedingt die Reste der Fleischsuppe aus der Schüssel
lecken, als er in dieser fest stecken bleibt. Das ganze endet beim Doktor –
und das gleich zwei Mal… . Ebenso herrlich die Geschichte, in der Michel
versucht, Lina einen entzündeten Zahn zu ziehen, weil sie zu feige ist,
sich diesen bei „Zahn-Pelle“, dem Schmied, mit der großen
Zange entfernen zu lassen. Und witzig ist natürlich auch, wie Michel Klein-Ida
an der Fahnenstange hochzieht, damit sie sehen kann, wer alles zum Fest nach
Katthult kommt. Das konnte sie dann auch wunderbar – und Michel verbrachte
den Rest des Tages mal wieder im Schuppen, um beim Schnitzen von Holzmännchen
über seine Streiche nachzudenken… .
Aber auch einige nicht ganz so bekannte Streiche sind in „Das große
Bilderbuch von Michel aus Lönneberga“ nachzulesen: Zum Beispiel,
wie Michel vergorene Kirschen isst, anstatt diese unter dem Misthaufen zu verbuddeln,
oder wie Michel mit der Lupe den Hut von der Frau Pastor in Brand steckt, oder
wie er so mir nichts dir nichts die Lehrerin mitten auf den Mund küsst.
Gleich vier Bilderbücher – „Michel aus Lönneberga“,
„Mehr von Michel aus Lönneberga“, „Der Tag, an dem Michel
besonders nett sein wollte“ und „Als Michel den Kopf in die Suppenschüssel
steckte“ – sind in dem Sammelband „Das große Bilderbuch
von Michel aus Lönneberga“ enthalten, aus dem Schwedischen von Senta
Kapoun, Anna-Liese Kornitzky und Karl Kurt Peters übersetzt. Eigentlich
sind Sammelbände eine wunderbare Sache: Sie sind meistens – so wie
dieser – erheblich preisgünstiger als die Einzelausgaben und sparen
zudem noch Platz im Bücherschrank. Schade ist allerdings, wenn sich in
einem Sammelband gleich zwei Geschichten (die mit der Suppenschüssel und
die mit der Mausefalle) wiederholen, wenn auch in unterschiedlichen Längen
und mit verschiedenen Illustrationen.
Überhaupt sind die Illustrationen von Björn Berg ein zweischneidiges
Schwert: Man erkennt deutlich, dass diese aus zwei Schaffensphasen des Illustrators
stammen: die einen, aus den 1970er Jahren, sind deutlich dunkler in den Grundtönen
gehalten, die Figuren längst nicht so ausgefeilt und auf Bildhintergründe
wurde damals oft verzichtet. Ganz anders die anderen, „jüngeren“
Illustrationen, entstanden Anfang der 1990er Jahre: Viel farbenfroher und detailreicher
sind sie gehalten, aber leider erkennt man oft erst beim zweiten Hinsehen die
Unterschiede zwischen den Erwachsenen. Lina und Mama Svensson sehen aus wie
Schwestern und sind nur daran zu unterscheiden, dass Lina Holzschuhe an hat
und eine Schürze mit Latz, während Michels Mutter feste Schuhe trägt
und eine Schürze, die nur um die Hüfte gebunden wird. Ebenso ähnlich
Alfred und Michels Vater: Beide tragen blaugestreifte Hemden und sind genauso
nur am Schuhwerk und daran, dass Papa Svensson noch eine Weste über dem
Hemd und einen – nicht immer erkennbaren – Schnauzbart trägt,
zu unterscheiden. Trotzdem sind Björn Bergs Bilder natürlich gelungen
und untermalen Astrid Lindgrens Witz stimmig.
„Das große Bilderbuch von Michel aus Lönneberga“ ist
eine gute Gelegenheit, sich den Michel, der im schwedischen Original übrigens
Emil heißt, endlich in den eigenen Bücherschrank zu stellen, falls
er dort noch fehlen sollte!
Autorenportrait:
Astrid Lindgren, 1907 im schwedischen Småland geboren, wurde neben zahlreichen
Auszeichnungen unter anderem mit dem Alternativen Nobelpreis und dem Friedenspreis
des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Die wohl berühmteste Kinderbuchautorin
der Welt starb am 28. Januar 2002 in Stockholm.
Illustratorenportrait:
Björn Berg wurde 1923 als Kind schwedischer Einwanderer geboren. Er gehört
zu den bekanntesten Astrid-Lindgren-Illustratoren und erhielt 1971 für
seine Michel-Bilder den Elsa-Beskow-Preis.
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