Das Buch, in dem die Welt verschwand
Autorenlesung über die Macht der Gedanken
(asp).
In Nürnberg um 1780, weniger als ein Jahrzehnt vor der Französischen
Revolution, beginnt der Roman „Das Buch, in dem die Welt verschwand“
von Wolfram Fleischhauer. Es ist eine Zeit der Veränderungen: Revolutionäre
Gedanken spuken durch die deutschen Lande und mystische Zirkel sowie Geheimbünde
sprießen geradezu aus dem Boden. Der junge Arzt Nicolai Röschlaub
besitzt einen messerscharfen Verstand, der ihm bereits einige Schwierigkeiten
eingebracht hat. Als er sich gerade in Nürnberg niedergelassen hat, soll
er im Auftrag des Reichgerichtes eine Reihe mysteriöse Todesfälle
aufdecken, die weitreichende Verstrickungen aufweisen. Merkwürdige Überfälle
auf Postkutschen scheinen mit den vermeintlichen Mordfällen in Verbindung
zu stehen, und alle Toten weisen das gleiche seltsame Leiden auf. Gibt es eine
Verschwörung? Ist ein unbekanntes Gift für die krankhaften Beschwerden
der Opfer verantwortlich? Nicolai Röschlaub gerät immer tiefer in
die Geschehnisse und löst schließlich das Geheimnis des mysteriösen
Gifts... .
Wolfram Fleischhauer ist mit „Das Buch, in dem die Welt verschwand“
ein spannender Roman über eine bedeutende Zeitenwende gelungen, in dessen
Mittelpunkt Immanuel Kants umstürzlerische Philosophie steht. Er beschreibt
einen Zeitpunkt, an dem „Welterkenntnis und Gotteserkenntnis auseinander
dividiert wurden, Philosophie und Religion beschlossen, getrennte Wege zu gehen“.
Etwas unglücklich ist, dass sich der Sinn des Titels erst auf der letzten
CD des Hörbuchs erschließt und damit schnell Gefahr läuft, falsche
Erwartungen zu wecken.
Protagonist Nicolai Röschlaub ist mittendrin zwischen rätselhaften
religiösen Sekten und forschendem Aufklärergeist. Große Ideen
lösen eine Flut von Ereignissen aus, deren Tragweite Nicolai nur ahnen
kann. Die unvorstellbare Macht der Gedanken erschreckt und bestätigt doch
nur, was uns die Geschichte jahrhundertlang lehrte – es gibt einen scheinbar
nicht enden wollenden Kampf zwischen „radikaler Aufklärung und
religiösem Fundamentalismus“, der sich als Krieg zwischen „Gentechnik
und Gotteskriegern“ heute aktueller denn je präsentiert.
Wolfram Fleischhauer ist die Lesung seines Romans „Das Buch, in dem Welt
verschwand“ recht gut gelungen, die verschiedenen Charaktere sind ohne
weiteres auseinander zuhalten. Angesichts der Länge des Hörbuchs –
immerhin acht CDs – langweilt seine, bei einer Dauer von 556 Minuten schnell
monoton werdende Stimme den Zuhörer leider ab und an. Vielleicht wäre
es bei einem so umfangreichen Roman sinnvoll gewesen, ihn von einem erprobten
Schauspieler lesen zu lassen, dessen Stimmvolumen wahrscheinlich etwas mehr
Abwechslung geboten hätte. Nichtsdestotrotz bietet „Das Buch, in
dem die Welt verschwand“ auch als Hörbuch fesselnde Unterhaltung,
und ein wenig Konzentration beim Zuhören lohnt sich angesichts der spannenden
Handlung.
Das 12-seitige Booklet zum Hörbuch versammelt interessantes Zusatzmaterial,
das verschiedene Aspekte des Romans aufgreift. Der Autor berichtet von der Entstehung
des Romans, und eine vierseitige Historie führt vermischte Meldungen aus
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf. Besonders spannend sind zwei
Seiten mit Auszügen aus „Der sympathetische Arzt“, die Einblick
in die Medizin des 18. Jahrhunderts geben. Ein Text über Immanuel Kant
informiert kurz und knapp über seine philosophischen Leistungen.
Wolfram Fleischhauer entspinnt in „Das Buch, in dem die Welt verschwand“
eine fesselnde historische Geschichte im revolutionären ausgehenden 18.
Jahrhundert, die in ihrer Kernaussage hochaktuell ist!
Autorenportrait:
Wolfram Fleischhauer studierte Literatur in Deutschland, Frankreich, Spanien
und den USA und arbeitete neun Jahre als Konferenzdolmetscher in Brüssel.
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