Das Buch im Buch im Buch
Ein faszinierendes Bilderbucherlebnis über Illusion und Wirklichkeit
(sl).
Wer „Das Buch im Buch im Buch“ vor sich liegen hat, ist im ersten
Moment erbost, dass der Schutzumschlag eingerissen ist. Doch beim näheren
Betrachten sieht man, dass dieser so gehört – und schon ist man dabei,
sich auf ein Bilderbuch einzulassen, das ungewöhnlicher nicht sein kann.
Autor und Illustrator Jörg Müller nimmt den Betrachter mit auf den
Weg durch ein Bilderbuch. Grenzen und Räume verwischen und werden gleichzeitig
deutlich, wenn man durch die beigefügte 3D-Brille sieht. Das mag am Anfang
alles verwirrend sein, ist es aber nicht – man muss sich nur mit diesem
außergewöhnlichen Buch im Buch im Buch im Buch… beschäftigen.
Und genau hier liegt ein kleiner Knackpunkt: Die Altersempfehlung des Verlages
von fünf Jahren ist deutlich zu früh, vielmehr ist „Das Buch
im Buch im Buch“ für Kinder geeignet, die räumliches Denken
verstehen und sich auf eine andere Welt, nämlich die in einem Buch, einlassen
können. Sie sollten Büchererfahren sein, und dann sind sie eigentlich
schon wieder aus dem typischen Bilderbuchalter heraus. So ist „Das Buch
im Buch im Buch“ mal wieder eines der seltenen Bücher, die sich nicht
in eine Schublade stecken lassen, sprich für jedes Alter sind und vermutlich
sogar für eben jene Erwachsene am besten geeignet, die sich noch immer
für ausgefallene Kinderbücher begeistern können.
Jörg Müller erzählt von einem Kind, das namenlos ist und vom
Aussehen sowohl Junge als auch Mädchen sein könnte, was dazu führt,
dass sich auch durch die direkte Ansprache im Text das betrachtende Kind sofort
angesprochen fühlt. Das Kind in „Das Buch im Buch im Buch“
hält ein Buch in der Hand, auf dem ein Kind zu sehen ist, das genauso aussieht,
und das ein Buch in der Hand hält, auf dem ein Kind zu sehen ist, das ein
Buch in der Hand hält, auf dem… na, Sie wissen schon. Nur eines scheint
„falsch“ zu sein: Dem Kind auf dem Bild sieht ein Hase über
die Schulter, und genau diesen Hasen fängt das Kind an zu suchen –
in dem Bilderbuch. Es spaziert einfach hinein, nachdem es durch die „Zauberbrille“
gesehen hat und die ganze Tiefe des Bildes sehen konnte, und findet am Ende
der langen Reihe von Büchern den Bilderbuchmaler. Dieser ist etwas verzweifelt,
weil er das Umschlagbild angefangen hat und immer tiefer hineingeraten ist und
jetzt nicht mehr herausfindet. Doch das Kind hat eine Idee, und der Bilderbuchmaler
gibt ihm dafür ein Versprechen… .
Die Illustrationen in „Das Buch im Buch im Buch“ sind wunderbar,
jedes einzelne Haar im Fell des Hasen ist mit Sorgfalt gezeichnet, die räumliche
Tiefe der Bücher so real, dass man ins Buch hineingreifen will. Dazu trägt
auch das übergroße Bilderbuchformat bei. Überhaupt ist „Das
Buch im Buch im Buch“ sehr aufwändig gestaltet. Nur eine Frage bleibt
am Ende offen: Ob Jörg Müller wohl so aussieht wie der Bilderbuchmaler?
„Wer sich auf ein Buch einlässt, betritt eine andere Welt.“
– Lassen Sie sich unbedingt auf „Das Buch im Buch im Buch“
ein, Sie werden es nicht bereuen!
Autorenportrait:
Jörg Müller wurde am 11. Oktober 1942 in Lausanne geboren und lebt
heute in Biel und Frankreich. Er wuchs in Küsnacht bei Zürich auf
und arbeitete nach der Ausbildung an der Bieler Kunstgewerbeschule als Werbegrafiker
in Paris, Zürich und Bern. Seine erste Bildermappe „Alle Jahre wieder
saust der Presslufthammer nieder oder die Veränderung der Landschaft“
machte ihn auf Anhieb bekannt und brachte ihm den Deutschen Jugendliteraturpreis
ein. Viele andere erfolgreiche Bilderbücher folgten, einige wurden bereits
verfilmt. Die meisten seiner Werke, an denen er zum Teil über Jahre hinweg
arbeitet, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Schriftsteller Jörg
Steiner. 1994 erhielt Jörg Müller für sein Gesamtwerk die Hans-Christian-Andersen-Medaille,
die international bedeutendste Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur.
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