Das Bibelrätsel
Geheimnisse der Heiligen Schrift
(tos).
„Und die Bibel hat doch Recht“ – so heißt der Bestseller
von Werner Keller, der eine Auflagenhöhe von über vier Millionen Exemplaren
erreichte und in siebzehn Sprachen übersetzt wurde. So voreingenommen wie
Werner Keller wollte Herausgeber Hans-Christian Huf, seines Zeichens Redakteur
beim „ZDF“, sich der Sache nicht annehmen. „Das Bibelrätsel“
heißt sein Begleitbuch zur gleichnamigen „ZDF“-Serie. Freilich
ein irritierender Titel, der wohl einer erwünschten höheren Auflagenzahl
geschuldet ist, denn um eine weitere obskure Bibeltheorie wie es etwa „Bibelcode“
ist, handelt es sich mitnichten. Nein, das eine „Bibelrätsel“
gibt es so nicht, allenfalls gibt es „Geheimnisse der Heiligen Schrift“
– Rätsel der Bibel, das heißt offene Fragen, Widersprüche
und Unklarheiten.
Ihnen widmet sich Hans-Christian Huf zusammen mit Richard Andrews, Georg Graffe
und Günther Klein. In elf Kapiteln, von Adam und Eva bis zu Paulus, stellen
sie dar, wie die Theologie selbst die biblischen Texte kritisch beleuchtet und
wie archäologische Funde die Texte der Bibel sowohl bestätigen als
auch widerlegen können. Die großen Gestalten der Bibel stehen dabei
im Vordergrund: Adam und Eva, Noah, Mose, David, Salomo, Judas Makkabäus,
Jesus Christus, Johannes der Täufer, Paulus und – allen voran –
Gott selbst, Jahwe. Nur das Kapitel zum babylonischen Exil muss ohne eine prominente
biblische Figur auskommen. Und das, wo gerade das Exil maßgeblich dazu
beigetragen hat, dass die biblischen Texte niedergeschrieben wurden! Wer die
Texte gesammelt und bearbeitet hat, wer also den Ruhm einstecken könnte,
Redaktor der Bibel gewesen zu sein, wird wohl ein Geheimnis bleiben.
Nach welchen Kriterien die thematische Auswahl für den Band erfolgte, bleibt
leider unklar. So dürfte Abraham, der nur am Rande erwähnt wird, in
Christentum, Judentum und Islam eine größere Bedeutung haben als
Noah. Und ob Salomo und der Tempelbau so ausführlich gewürdigt werden
musste, darf man zumindest in Frage stellen. Dagegen ist das Neue Testament
eher dünn besetzt, gerade einmal drei Kapitel sind ihm zugestanden. Zumindest
die apokalyptischen Texte hätten hier noch berücksichtigt werden können.
Auch was die Qualität der Texte angeht, ist das Neue Testament im Hintertreffen,
die Texte über Jesus und Paulus kratzen doch sehr an der Oberfläche,
während etwa die Kapitel zu Jahwe, wie Gott vorwiegend im Alten Testament
genannt wird, und zum babylonischen Exil die aktuellen Forschungsansätze
und -diskussionen deutlich widerspiegeln und dennoch auch für den Laien
gut verständlich und leicht lesbar sind. Ein Spagat, der den Autoren durchweg
gut gelingt.
Hat man Hans-Christian Hufs Buch gelesen, so hat man nicht nur einen Einblick
in die aktuellen Ergebnisse biblischer Forschung erhalten, sondern ebenso einen
ersten (wenn auch nicht vollständigen) Überblick über das, wovon
das Buch der Bücher berichtet. Für Theologen selbst mag das Buch etwas
zu viel an „Infotainment“ und etwas zu wenig an Forschungsdiskussion
an sich haben; für diejenigen aber, die ein gut lesbares und leicht verständliches
Sachbuch zur Bibel haben wollen, das auf den aktuellen Stand der Forschung Bezug
nimmt, ist dieses Buch zweifellos zu empfehlen.
Die Mischung aus Nacherzählungen biblischer Geschichten, kritischen Anfragen,
Expertenmeinungen, archäologischen Fundgeschichten, Exkursen, Gegenwartsbezügen
und nicht zuletzt die zahlreichen Abbildungen sorgen zudem dafür, dass
der Leser an keiner Stelle den Eindruck hat, es mit einer trockenen Materie
zu tun zu haben. Im Gegenteil!
Herausgeberportrait:
Hans-Christian Huf ist verantwortlich für zahlreiche Prime-Time-Reihen
beim „ZDF“, die Begleitbücher zu seinen Serien sind Bestseller.
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