Bernina Express + Heidi Express
Über die höchste Bahn-Transversale der Alpen
(flk).
Die schönsten Bahnstrecken der Welt, so heißt es oft, finden sich
in der Schweiz. Eisenbahnfreunde und „Trainspotter“ aus aller Welt
zieht es in das kleine Land, um den Zügen dabei zuzusehen, wie sie über
steile Viadukte die Berge erklimmen oder mit Hilfe filigraner Stein- und Stahlbrücken
selbst tiefste Schluchten überqueren. Autor und Fotograf Klaus Fader hat
sich nun in seinem Bildband „Bernina Express + Heidi Express“ den
landschaftlichen, architektonischen und technischen Glanzlichtern dieser Strecke
angenommen.
Die Züge dieser erst 1969 eingerichteten Verbindung verkehren zwischen
Chur in Graubünden und Tirano in Tessin, was bedeutet, dass die Passagiere
während der Fahrt eine der imposantesten Hochgebirgskulissen der Alpen
passieren. Klaus Fader gelingt es, dieses reizvolle Wechselspiel zwischen Natur
und Technik in atemberaubenden Bildern festzuhalten. Die roten Züge des
„Bernina Express“ und des „Heidi Express“ halten auf
ihrer Fahrt an kleinen idyllisch verträumten Bahnstationen, wie zum Beispiel
in Preda oder Spinas. Wandertouristen und Einheimische steigen zu, Almkühe
beobachten das seltsame Schauspiel aus der sicheren Distanz. In St. Moritz passiert
der Zug die langgestreckte Seenplatte, bevor er in den Hauptbahnhof einfährt,
und im malerischen Poschiavo verläuft die Strecke in unmittelbarer Nähe
zu den herrschaftlichen Stadtvillen der Zuckerbäcker des Ortes.
Es sind aber vor allem die Aufnahmen in der freien Natur, die an dem Bildband
„Bernina Express + Heidi Express“ so begeistern: Die kleinen Regionalzüge,
wie sie an reißenden Gebirgsbächen entlang zuckeln, oder die modernen
Panoramawagen, die durch Täler zur nächsten Station eilen, während
im Hintergrund majestätisch die schneebedeckten Gipfel der Alpen die Landschaft
beherrschen. Besonders imponierend sind natürlich die Aufnahmen, die die
zahllosen Brücken und Viadukte der Strecke fokussieren. Klaus Fader gelingt
es hier meisterhaft, die gemauerten Rundbögen des Wiesener Viadukts oder
des weltberühmten, 65 Meter hohen Landwasser Viadukts in Szene zu setzen,
auf denen die Triebzüge ob ihrer Größe wie Spielzeugmodelle
erscheinen.
Auch neben der Strecke bieten sich genug Motive, die es lohnt in Augenschein
zu nehmen: Die romantische Turmruine der Kirche des „San Gian“ bei
Celerina oder eine verrostete Lore am Bahndamm, die einst bei Gleisbauarbeiten
eingesetzt worden war. Weitere Abwechslung entsteht durch den Wechsel der Jahreszeiten,
dessen Auswirkungen im Hochgebirge natürlich wesentlich prägender
sind als im Flachland. Für besonders schneereiche Winter hält die
Bahnverwaltung deshalb schwere dampfgetriebene Schneeschleudern bereit, die
sich im Falle des Falles wie feuerspeiende Ungeheuer durch die weiße Pracht
wühlen. Es sind denn auch die Abbildungen aus der kalten Jahreszeit, die
zu den schönsten und eindrucksvollsten des gesamten Bildbandes „Bernina
Express + Heidi Express“ zählen. Ein einziges Wintermärchen
und mittendrin die kleinen, tiefverschneiten Züge auf ihrem Weg ins Tal.
Viele informative Erläuterungen zu den Bildern und den darauf abgebildeten
Fahrzeugen sowie eine Karte der Region runden den Bildband gelungen ab. Vermisst
wird allerdings ein Inhaltsverzeichnis und ein Ortsregister, die die Orientierung
in diesem ansonsten sehr überzeugenden Buch doch wesentlich erleichtern
würden.
„Bernina Express + Heidi Express“ ist ein wunderschöner Bildband,
der mit seinen fantastischen Aufnahmen von den beiden imposantesten Eisenbahnlinien
im Schweizer Hochgebirge sowohl kleine als auch große Jungs begeistern
wird!
Autorenportrait:
Klaus Fader befasst sich schon seit langem mit der Eisenbahn-Fotografie. Dabei
versteht er es meisterhaft, auch die Landschaft um die Eisenbahn ins rechte
Licht zu rücken.
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