Autoren, Autoren

Ein Bilderbuch

Autoren, Autoren(asp). Prominente Schauspieler und Musiker sind Teil des öffentlichen Lebens. Ihre Bilder füllen Zeitungen und Zeitschriften, Boulevardmagazine reißen sich um die Künstler, und auf der Straße werden sie auf Anhieb erkannt. Bei Schriftstellern ist das anders, denn der Zugang zu ihrem Schaffen erfolgt auf Umwegen. Sie erzählen Geschichten, sind Verfasser sogenannter schöner Literatur, und was wir an ihnen schätzen und lieben, ist nicht ihr Erscheinungsbild oder ihre Stimme, es sind ihre Bücher. In ihnen erahnen wir so manche Parallelität zum Leben des Dichters, doch sicher können wir nie sein. So bewahren sich viele Autoren das Geheimnis um ihr privates Leben, geben nicht preis, an welcher Stelle ihrer Bücher Erzähler und Autor eins werden, wo Protagonist und Dichter dasselbe denken oder fühlen. Kein Wunder also, dass sich die Vorstellung von Schriftstellern im Allgemeinen auf denkende oder lesende, am Schreibtisch sitzende Wesen bezieht. Dieses Bild von Autoren bestätigt, widerlegt, erweitert und verändert Isolde Ohlbaum in ihrem wunderbaren Fotobildband „Autoren, Autoren“.


Mit klassischen Autoren- und Künstlerporträts ist sie bekannt geworden und hat daneben jahrelang Schriftsteller bei Veranstaltungen, Preisverleihungen oder im Privaten mit der Kamera begleitet und abgelichtet. Dabei sind ihr wahrhaft außergewöhnliche Autorenbilder gelungen: Schnappschüsse aber auch Inszenierungen voller Komik, Spontaneität, Skurrilität. 20 Jahre Literaturgeschichte von Bella Achmadulin bis Carl Zuckmayer porträtiert „Autoren, Autoren“ in Schwarzweißaufnahmen, die an Sensibilität und Tiefsinn ihresgleichen suchen.


Viele Bilder zeigen die Dichter, wie wir sie uns vorstellen: allein, denkend oder lesend, am Schreibtisch, mit Stift und Papier, mit Schreibmaschine oder Computer. Doris Dörrie etwa präsentiert sich mit Kaffee und Bademantel vor ihrem Laptop ganz modern, Hermann Lenz hingegen mit Füllfederhalter und Papier zwischen Regalen voller Bücher eher altmodisch. Sie schreiben, lesen vor und signieren – die Dichter ganz in ihrem Metier. Viele Autoren rauchen und trinken, machen Späße, sind musikalisch. Sie, die über das Leben schreiben, scheinen es in vollen Zügen zu genießen.


Manch ungewöhnliche Perspektive verändert das Bild, das unsere Vorstellung von dem einen oder anderen Schriftsteller bisher prägte. Durs Grünbein und Uwe Timm beim ausgelassenen Fußballspiel, Peter Handke im Schwimmbad, Lars Gustafsson beim Joggen oder Michael Krüger beim Kopfstand – „Autoren, Autoren“ wagt auch einen Blick hinter die Klischees von schreibenden Intellektuellen, zeigt sie mitten im Leben. Elfriede Jelinek und Martin Walser lieben Hunde, Herbert Rosendorfer und Manfred Bieler Katzen.


Isolde Ohlbaum besitzt das Auge für den besonderen Moment und schafft es so, den Autoren in ihren Aufnahmen ein Stück Persönlichkeit zu entlocken. Gleichzeitig geben uns die Fotografien Rätsel auf, verleiten zu Vermutungen über das Reiseziel des am Bahnhof wartenden Bernhard Schlink, über die Schlinge am Ast über Thomas Hettche oder über die Gedanken, die Peter Rühmkorf beim Spaziergang am Strand begleiten.

Niemand war in diesem Moment ganz und gar er selbst. Und war es doch. Und alles andere steht in den Gedichten und Romanen“, schreibt Elke Heidenreich in dem von ihr verfassten Vorwort und plädiert damit nicht nur für das Lesen. Sie ruft dazu auf, die Geschichten hinter den Fotografien zu suchen und sich auf die außergewöhnliche Kunst Isolde Ohlbaums einzulassen. „Klischees werden nicht bedient – höchstens werden Muster sichtbar, Muster von einem Leben für das geschriebene Wort.


Wer Literatur liebt, wird dieses Buch lieben, denn „Autoren, Autoren“ hält die Menschen hinter den Geschichten und Gedichten fest, offenbart uns so manches ungeahnte Lächeln und so manche ungekannte Leidenschaft – faszinierend, witzig und spannend: einfach umwerfend!

Fotografenportrait:
Isolde Ohlbaum gilt als eine der herausragendsten deutschen Fotografinnen. Sie wurde in Moosburg/Oberbayern geboren und lebt seit ihrer Kindheit in München. Dort besuchte sie von 1970 bis 1972 die „Bayrische Staatslehranstalt für Fotografie“ und ist seither freiberuflich tätig. Sie hat mehrere Bildbände veröffentlicht, darunter „Zu Gast bei Gustav Klimt“ und „Aus Licht und Schatten“.

Autoren, Autoren

Isolde Ohlbaum
Autoren, Autoren
Ein Bilderbuch
Ars Vivendi Verlag, Cadolzburg
ISBN 3-89716-212-1
1. Auflage, 160 Seiten, mit über 270 s/w-Fotos, Klappenbroschur, Format 31 x 24 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 29,80 (D) / € k. A. (A) / sFr 52,50

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