Auf der Suche nach Amerika

19 Storys von den besten Erzählern einer neuen Generation

Auf der Suche nach Amerika(mkb). Man nennt sie die „Neue Generation“, ihr Markenzeichen ist ein freier Geist, der mit Schwermut und Traurigkeit einherzugehen scheint. Sie prägen das Bild des neuen Amerikas, das die Herausgeber Marco Cassini und Martina Testa mit der Hilfe von 19 Autoren aufgespürt und in Form der Anthologie „Auf der Suche nach Amerika“ festgehalten hat.

„Auf der Suche nach Amerika“ zeichnet in 19 Kurzgeschichten ein surreales, skurriles, kritisches und humorvolles Bild einer Wohlstandsgesellschaft, die inmitten materiellen Überflusses zu ersticken droht. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, steht vor dem Scheideweg; während die Autoren ihre Kanäle öffnen, fließt die vielgepriesene Grenzenlosigkeit in einer traurigen, melancholischen Stimmung in die Geschichten ein. Es ist, wie der amerikanische Autor David Foster Wallace antwortet, als er gefragt wird, wie es denn so sei, in Amerika zu leben: „Es hat etwas besonders trauriges an sich. (…) Sie manifestieren sich als eine Art Gefühl von Verlorenheit.“ – und so wirken die Texte: Traurig, verloren und doch mit einer beeindruckenden Leichtigkeit gelebt.

„Flush“ von Judy Budnitz gibt diese Verlorenheit an eine Mutter weiter, deren Angst vor Krebs sich schließlich in ihrer Tochter manifestiert. George Saunders beleuchtet mit „I CAN SPEAK“ den fragwürdigen Trend, auf Kosten der Kindheit kleine Einsteins zu produzieren. In dem Brief eines Sachbearbeiters an eine unzufriedene Kundin stellt er das Sprachgerät „I CAN SPEAK“ vor, das aus brabbelnden Babys kleine Intellektuelle zaubert – in Zeiten von Klon und Viagra ist ein solches Gerät nicht mehr alleine das Produkt dichterischer Freiheit sondern eine durchaus vorstellbare Realität.


Amanda Davis greift das Problem der Fettleibigkeit und ihre psychischen Folgen in der Betrachtung einer ehemals pummeligen Schülerin auf, die ihr Bild vom dicken Mädchen trotz einer erfolgreichen Abmagerungskur nicht mehr los wird, schließlich am sozialen Druck zugrunde geht. In A. M. Homes „’Ne echte Puppe“ verliebt sich ein Teenager in die Barbie-Puppe seiner Schwester, und in Julia Slavins „Dentaphillie“ wachsen einer jungen Frau Zähne am gesamten Körper.


„Auf der Suche nach Amerika“, übersetzt von Kristian Lutze und Stefan Lux, spielt weit weg von Bushs Politik und den Dogmen einer Weltmacht, zeichnet ein ungewohntes Bild des so oberflächlich gescholtenen Amerikaners. Im Anhang sind die Portraits der Autoren nachzulesen.


Zadie Smith wirbt in ihrem Vorwort – das tatsächlich besser erst nach Genuss aller Kurzgeschichten gelesen werden sollte – für die Autoren und ihre Generation, beleuchtet die Hintergründe der Schwermut mit Kennerblick.

Die Anthologie „Auf der Suche nach Amerika“ ist weit mehr als einfache Unterhaltung und gehört zu den Büchern, die man so schnell nicht wieder vergisst!

Herausgeberportrait:
Marco Cassini und Martina Testa sind begeisterte Leser der jüngeren amerikanischen Literatur. Sie leiten einen kleinen Verlag in Rom, in dem sie junge italienische und amerikanische Autoren veröffentlichen. Auf einem Literaturfestival in Mantua lernten sie Zadie Smith kennen und überzeugten sie bei mehreren Gläsern Rotwein davon, das Vorwort für ihre Anthologie „The Burned Children of America“ („Auf der Suche nach Amerika“) zu schreiben.

Auf der Suche nach Amerika

Marco Cassini und Martina Testa (Hrsg.)
Auf der Suche nach Amerika
19 Storys von den besten Erzählern einer neuen Generation
Aus dem Amerikanischen von Kristian Lutze und Stefan Lux
Goldmann Verlag, München
ISBN 3-442-54206-5
Deutsche Erstausgabe, 1. Auflage 2004, 318 Seiten, Broschur mit Schutzumschlag, Format 11,5 x 18,3 cm.
Unverbindliche Preisangabe: € 9,95 (D) / € k. A. (A) / sFr 17,50

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