Artemis Fowl – Die Rache
Band 4 der Fantasyreihe um den Meisterdieb
(flk).
Es beginnt alles sehr mysteriös im Fantasythriller „Artemis Fowl
– Die Rache“ von Eoin Colfer: In der Argon-Klinik, einem Hospital
für Besserbetuchte, dämmert seit einem Jahr ein Patient unter strengster
Bewachung vor sich hin. Es ist die Koboldin Opal Koboi, die wegen Hochverrats
gegen das Erdland angeklagt ist, sich aber momentan in einem Zustand vollständiger
Bewusstlosigkeit befindet. Oder etwa nicht? Plötzlich geht nämlich
alles ganz schnell: Zwei Zwerge setzen die Stromversorgung aus und den Wachmann
außer Gefecht und tauschen den gefährlichsten Gefangenen des Landes
gegen einen perfekten Klon aus. Ehe noch irgendjemand etwas gemerkt hat, haben
die beiden mit ihrer „Fracht“ die Klinik verlassen, und das Unheil
nimmt seinen Lauf.
Auf der Erde dagegen ahnt der junge Artemis Fowl, seines Zeichens jüngster
Meisterdieb der Geschichte, von dem, was da auf ihn zukommt, nichts. Während
er gerade im Begriff ist, ein ominöses Gemälde aus dem Safe einer
Münchener Bank zu stehlen, hat Opal Koboi ihre Rachepläne bis zur
Perfektion vorangetrieben. Alle, die sich damals gegen ihren Putsch gestellt
hatten und für ihr Scheitern verantwortlich waren, sollen sterben. Langsam
und qualvoll. Als erster muss Commander Root von der ZUP, der Polizeieinheit
Erdlands, dran glauben. Bei einem fingierten Einsatz in einem Tunnel wird er
durch eine gewaltige Explosion getötet. Das perfide daran: Für die
Kollegen an den Monitoren sieht es so aus, als ob seine Kollegin und Vertraute,
Commander Holly, die tödlichen Schüsse abgefeuert hat. Sie steht jetzt
also auf der Fahndungsliste, und das, obwohl sie als einzige von Kobois Flucht
weiß und das nächste Opfer kennt: Artemis. Während der gerade
seinen neuesten Fang inspiziert, ahnt er nicht, dass eine Rakete mit den Zielkoordinaten
des gestohlenen Bildes Kurs auf ihn genommen hat… .
Der vierte Band der Artemis-Fowl-Reihe steht ganz im Zeichen der Vergeltung
und Abrechnung, daher auch sein Name: „Die Rache“. Opal Koboi will
außer Rache aber noch viel mehr: Eine gewaltige Sprengung an der Erdoberfläche
und ein Abrutschen ganzer Sedimentschichten sollen große Teile des Erdlandes
vernichten und gleichzeitig dessen Existenz den Menschen offenbaren. Diese sollen
dann – so das Kalkül der eiskalten Wichtelin – das Erdvolk
vernichten, all die Trolle, Gnome und Feen auslöschen oder versklaven.
Sie selbst will sich dann in Menschengestalt und mit Hilfe ihrer magischen Kräfte
zur Herrscherin dieser neuen Welt aufschwingen. Die einzigen, die diesen Plan
noch verhindern können, sind Commander Holly sowie Artemis Fowl und sein
Freund und Leibwächter Hunter. Das Dumme ist nur, dass die beiden letzteren
gar nichts mehr wissen von der Existenz der unterirdischen Parallelwelt, haben
sie doch, seit sie sie das letzte Mal verlassen haben, eine Gedächtnislöschung
verpasst bekommen.
Wie zuvor in den drei Bänden „Artemis
Fowl“, „Artemis
Fowl – Die Verschwörung“ und „Artemis
Fowl – Der Geheimcode“ springen auch in „Artemis
Fowl – Die Rache“ allerlei bunte und sonderbare Gestalten mit High-Tech-Spielzeug
durch die Handlung. Zwerge verputzen tonnenweise Gesteine und scheiden sie unter
ohren- und nasenbetäubenden Flatulenzwolken wieder aus, Feen müssen
sich gegen gemeingefährliche Trolle erwehren und mittendrin der kleine
Besserwisser Artemis Fowl, dessen Intelligenz und Pfiffigkeit den Mitgliedern
der Rettungseinheit ein ums andere Mal das Leben rettet. Was an Eoin Colfers
Büchern dieser Reihe immer wieder begeistert, ist die Lässigkeit,
mit der es dem Autor gelingt, zwei so unterschiedliche Genres wie Fantasy und
Agententhriller miteinander zu kombinieren. All die Bewohner von Erdland mögen
zwar vielleicht so aussehen, als kämen sie direkt aus der mystischen Fabelwelt
„Mittelerde“ der „Herr der Ringe“-Trilogie, in ihrem
Denken und Handeln sind sie aber zutiefst menschlich. Es gibt unter ihnen die
idealistischen Kämpfer für Recht und Sicherheit, wie die tapferen
Polizei-Commander Root und Holly, den gefräßigen Dummschwätzer
Mulch Diggums, aber ebenso auch die garstigen Koboldzwillinge und ihre Herrin,
die größenwahnsinnige und paranoide Opal Koboi.
Man merkt es Eoin Colfer richtig an, welchen Spaß er dabei hatte, mit
seiner kleinen unterirdischen Fantasiewelt ein Zerrbild der großen Welt
dort oben mit all ihren Macken und Eigenheiten zu erfinden. Besonders hervorzuheben
in diesem, von Claudia Feldmann aus dem Englischen übersetzten Band „Artemis
Fowl – Die Rache“ ist die charakterliche Entwicklung, die der junge
Artemis Fowl durchmacht. Er muss im Verlaufe dieser Handlung realisieren, dass
Geld und Ruhm alleine nicht alles sein können, dass es noch andere Werte
wie Freundschaft und Vertrauen gibt, für die zu kämpfen sich lohnt.
Und dass es Momente gibt, in denen er einfach nur lieber wieder zu Hause bei
seinen Eltern wäre. Doch nicht so ungewöhnlich für einen Jungen
von gerade mal 14 Jahren.
„Artemis Fowl – Die Rache“ ist ein spannender und äußerst
kurzweiliger Roman, an dem auch jugendliche und erwachsene Leser ihre Freude
haben werden, die bisher noch nichts von der Existenz von Erdland gehört
hatten!
Autorenportrait:
Eoin Colfer lebt mit seiner Frau und den beiden Söhnen in Wexford, Irland.
Er war Lehrer und hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet,
ehe er als Schriftsteller für junge Leser erfolgreich wurde. Seine Artemis-Fowl-Serie
erscheint in 34 Ländern, in England wurden 1 Million Bücher verkauft,
in den USA 2,5 Millionen. Er wurde für sein Werk mit dem „Children’s
Book Award“, dem wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Englands, und
2004 für „Artemis
Fowl“ mit dem „Deutschen Bücherpreis“ ausgezeichnet.
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