Anlagen-Porträts
Modellbahn-Faszination
(flk).
Ein altes Phänomen, sicherlich, aber dennoch immer eine Erwähnung
wert: Es geschieht zumeist am Wochenende, wenn sich die Familie um die gedeckte
Kaffeetafel sammeln will, doch der Herr des Hauses auf sich warten lässt
– mitunter sogar sehr lange. Trifft er endlich ein, murmelt er einige
entschuldigende Worte, wobei gar sonderbare Begriffe fallen – von Kupplungsproblemen
ist oft die Rede oder von Kurzschlüssen auf dem großen Außenkreis.
Die geduldig zuhörende Familie aber auch der geneigte Leser wissen wohl,
dass es sich hierbei um Alltägliches aus dem Leben eines Modelleisenbahners
handelt, der – wenn es nach ihm ginge – seinen gesamten Jahresurlaub
im Keller oder auf dem Dachboden bei seinen Schätzen verbringen würde.
Darf er aber meistens nicht.
Der Ratgeber „Anlagen-Porträts“ hat es sich nun zum Ziel gesetzt,
dem Leser einen bunten Querschnitt einiger der schönsten Modellbahnanlagen
vorzustellen. Gezeigt werden Anlagen aller Couleur und Größe, in
den Nenngrößen N bis zur großen Gartenbahn, von raum- bis stockwerkfüllend.
Allen gemein ist nur, dass ihre Erbauer unzählige Stunden liebevoller Bastelarbeit
in ihre Konstruktion steckten, beziehungsweise auch noch heute tun, denn eine
Modellbahnanlage ist ja eigentlich nie völlig fertig.
Autor Georg Kerber widmet jeder der Anlagen mehrere Seiten seines Buches, erzählt
ihre Entstehungsgeschichte, geht auf mögliche Vorbilder bei der großen
Bahn ein und erläutert kurz die Konstruktion des Grundkörpers. Zahlreiche
wirklich schöne Farbfotos und eine Skizze des Grundrisses verdeutlichen
dem Leser den Charakter der jeweiligen Anlage und rücken deren Besonderheiten
ins rechte Licht. So ist beispielsweise eine Anlage der Spurgröße
N komplett im Stile eines Wintermärchens gehalten, kämpfen sich die
kleinen Lokomotiven der Länderbahnzeit durch Schneewehen und ächzen
die zierlichen Bauernhäuschen unter der Last der weißen Pracht. Besonders
gelungen an „Anlagen Porträts“ sind die witzigen Begleittexte,
in denen Georg Kerber die kleinen Details wie beispielsweise die Alltagsszenen
entlang der Strecke kommentiert. „Bloß gut, dass die Diesellok-Ära
begonnen hat. Da wird die Wäsche von Frau Meyer nicht mehr ganz so schmutzig“,
heißt es beispielsweise bei der Betrachtung der fleißigen „Preiser-Frau“
bei der Hausarbeit.
Der Ratgeber glänzt durch seine kompakten Hintergrundinformationen, in
denen auf verwendete Baumaterialien ebenso eingegangen wird wie auch auf das
rollende Material und die Durchführung des alltäglichen Betriebs.
Abgerundet wird „Anlagen-Porträts“ durch ein übersichtliches
Inhaltsverzeichnis, ein Sachregister fehlt jedoch leider völlig.
„Anlagen Porträts“ ist eine Fundgrube für Modellbahner,
bietet Anregungen für die heimische Anlage und macht einfach Lust auf mehr!
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