Als die Zeit im Sterben lag

Krimi zwischen Sylt und Hamburg

Als die Zeit im Sterben lag(mkb). „Später würde ich die Begegnung als das sehen, was sie tatsächlich gewesen war. Der Anfang vom Ende einer Zeit, die zum Sterben verurteilt war.“ – So beginnt Robert Clausens „Als die Zeit im Sterben lag“ und gibt damit schon in den ersten Sätzen den Takt vor, dem der Roman bis zum Schlusssatz getreu folgt. Trotz oder gerade wegen der melancholischen Stimmung des Buches hat der Autor mit pfiffigen Dialogen einen Kontrast geschaffen, der dem ganzen eine Leichtigkeit verleiht, dessen Bann sich der Leser nur schwer entziehen kann.

Schauplatz: Sylt und Hamburg. Hauptakteur: Die Freundschaft zweier Jugendfreunde, deren Wert mit einer Folge an Ereignissen auf den Prüfstand gestellt wird. Philipp Freyberg ist vermögend, lebt in Trennung und trinkt eher ein Glas zu viel als zu wenig. Lenz ist vermögend, ein Muttersöhnchen und verzweifelt verliebt. Von der Mutter über von ihr vorgetretene Pfade befohlen, bricht Lenz plötzlich aus, plant ausgerechnet mit der Prostituierten Varja den großen Befreiungsschlag.


Als die Mutter Philipp um Hilfe bittet, in ihm die einzige Chance sieht, Macht über den Sohn zurückzugewinnen, bricht in Philipp ein Gewissenskonflikt aus. Sein vormaliges Versprechen der freundschaftlichen Solidarität an Lenz bröckelt, er steht vor der schwierigen Entscheidung, den Freund zu verraten und damit vielleicht zu retten oder ihm die Treue zu halten, somit ins Unglück rennen zu lassen. Gefangen zwischen den Fronten, torkelt Philipp zwischen Mutter zu Sohn hin und her, und als eine Leiche auftaucht, sind die Weichen für ein trauriges Schicksal gestellt; „„Wenn Varja etwas passiert, bringe ich sie alle um“, sagte Lenz und mir wurde eiskalt.

Die Zeitsprünge, die Robert Clausen in „Als die Zeit im Sterben lag“ eingebaut hat, wirken niemals verwirrend, springen zwischen Sylt und Hamburg, zwischen Vertrauen und Verlustängsten und schaffen ein stimmiges Bild der Hauptpersonen, lassen keinen Raum für Ungereimtheiten. So wird auch die sich vorsichtig entspinnende Liebesgeschichte zwischen Dorothea und Philipp mit der Brücke, die der Autor in die Vergangenheit schlägt, zum verständlichen Spielball tragischer Verstrickungen, einer Vergangenheit, die niemals aufgearbeitet worden ist. Gekonnt vermittelt der Autor die Emotionen, die durch seine Figuren jagen, wartet am Piek des Spannungspegels mit einem überraschenden, feurigen Ende auf.

„Als die Zeit im Sterben lag“ ist ein Krimi, ein Liebesroman, ein Buch über Freundschaft, Enttäuschung und soziale Vernachlässigung; das eindrucksvolle Werk Robert Clausens, das schnell gelesen aber keinesfalls schnell vergessen ist!

Autorenportrait:
Robert Clausen studierte Volkswirtschaft und Publizistik und hat sieben Jahre in New York gelebt und als Journalist gearbeitet. Seit drei Jahren lebt er wieder in Hamburg oder in dem von seinem Großvater geerbten Haus auf Sylt.

Als die Zeit im Sterben lag

Robert Clausen
Als die Zeit im Sterben lag
Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-596-16302-1
Originalausgabe, 240 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 6,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 12,80

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