Vier Tage währt die Nacht

Zehn Poeten versammeln sich 1817 zu einem literarischen Treffen mit Todesfolge

Vier Tage währt die Nacht(mkb). Zehn bedeutende Poeten versammeln sich 1817 zu einem literarischen Treffen auf einer Burg im schottischen Hochland, suchen den kreativen Austausch mit ihren Mitstreitern. Was als harmloser Wettstreit beginnt, endet in einer schaurigen Mordserie.


Nach einem opulenten Abendmahl und einer umfangreichen Schlossführung stürzt ein Mitglied mit der Zugbrücke in die tödlichen Tiefen des Burggrabens. Für die verbliebenen Literaten ist nunmehr der Fluchtweg abgeschnitten und sie sehen sich mit einem Wahnsinnigen konfrontiert, der scheinbar wahllos seine Opfer bestialisch aus ihrer Mitte reißt. Die Nerven der Eingeschlossenen liegen blank. Jeder Anschlag erschüttert zunehmend das gegenseitige Vertrauen der Verbliebenen, belastet die ohnehin angespannte Atmosphäre. Der Gesundheitszustand des Gastgebers baut unter der Last drastisch ab, bis er kaum mehr imstande ist, die Mahlzeiten zu sich zu nehmen.


Die Voraussetzungen für die Liebe, die sich zwischen dem Ich-Erzähler Jonathan Lloyd und Nightingale Dubois in diesen Wirren entfacht, könnten schlechter nicht sein und als Nightingale selbst auf dem dünnen Pfad des Todes wandert, droht ihrem Schicksal ein schreckliches Ende.


Man erzählt sich, dass die Autorin von „Vier Tage währt die Nacht“, Dorothea S. Baltenstein, bereits im Alter von 30 Jahren an einer Überdosis Schlaftabletten verstorben ist. Den Nachfahren hinterließ sie ihr trauriges Werk in Form eines verwitterten Manuskriptes, welches 100 Jahre später von Michael Schmid herausgegeben wurde. So zumindest die Version des Eichborn Verlages, der „Vier Tage währt die Nacht“ erstmals veröffentlichte. Kritiker bejubelten das Werk der Verstorbenen, bedauerten ihren frühen Tod und trauerten um die vielen, ungeschriebenen Werke. Ein „Stern“-Journalist jedoch zweifelte diese Version an und enttarnte nach hartnäckigen Recherchen die Legende als Lüge: Das Geheimnis um einen Lehrer und seine vier Schülerinnen, die gemeinsam einen Roman verfasst hatten, war gelüftet.


Im Rahmen eines Schulprojektes namens „Pegasus-Projekt“ war unter der Leitung des Lehrers Michael Schmid ein Thriller entstanden, der anfangs lediglich dazu gedient hatte, in den Schülern historisches Interesse zu wecken und sie zu eigenständigen Recherchen zu bewegen. Das Resultat war die Rohfassung eines Romans, der Potential hatte. Der Lehrer und vier Schülerinnen schlossen sich zusammen, und in unzähligen Donnerstagssitzungen entstand ein umfangreicher Kriminalroman, der bald eine begeisterte Leserschaft finden sollte. Bis dahin lag aber noch ein holpriger Weg. Nachdem Michael Schmid den Roman auf eigene Kosten unter dem Titel „Pegasus“ in rotes Leinen gebunden und in nur zwanzig Minuten über die Schulbänke verkauft hatte, fasste der Lehrer Mut und bot „Pegasus“ größeren Verlagen an. Sechzig Umschläge mit Standartabsagen kamen zurück, dann endlich ein Anruf: Der Eichborn Verlag bot ihm einen Vertrag an, stellte eine Bedingung: Eine ominöse Figur aus einem vergangenen Jahrhundert sollte als Verfasserin des Romans auftreten. So nahm das Schicksal seinen Lauf, bis schließlich die wahren Autoren durch die List des „Stern“-Reporters endlich die Lorbeeren für ihr Werk in Empfang nehmen durften.

Die Schreibweise von „Vier Tage währt die Nacht“ ist dem Zeitalter der Romantik angepasst, spielt nicht nur in einem vergangenen Jahrhundert, sondern liest sich auch so. Das kann in den ersten Seiten eher zäh und ungewohnt wirken, verleiht dem Roman aber, neben einer bis in die Perfektion ausgefeilten Geschichte, das Flair des 19ten Jahrhunderts.

Dem Lob der Kritiker über „Vier Tage währt die Nacht“ schließe ich mich ohne Zögern an: Hut ab vor so viel Mut und Arbeitseinsatz, die uns diesen wunderbaren Krimi schenkten. Unbedingt lesenswert!

Autorenportrait:
Dorothea S. Baltenstein, geboren um 1890 in Schlesien, lebte in der Nähe von Kattowitz. Durch Erbschaft und die Wirren der Vertreibung aus Schlesien 1944/45 geriet das Manuskript nach Jena und von dort in die Hände des Herausgebers Michael Schmid – so zumindest die Legende des Eichborn Verlags, bis die Presse die Wahrheit ans Licht brachte: Vier Berliner Schülerinnen haben den Roman gemeinsam mit ihrem Lehrer Michael Schmid geschrieben.

Vier Tage währt die Nacht

Dorothea S. Baltenstein
Vier Tage währt die Nacht
Herausgegeben und bearbeitet von Michael Schmid
Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek
ISBN 3-499-23497-1
638 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 9,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 18,10

Buch bestellen.

 

Vier Tage währt die Nacht

Dorothea S. Baltenstein
Vier Tage währt die Nacht
Herausgegeben und bearbeitet von Michael Schmid
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-8218-0456-4
638 Seiten, Hardcover gebunden.
Unverbindliche Preisangabe: € 19,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 36.-

Buch bestellen.

© Copyright by: Public Dialog Hamburg

www.literaturtipp.com

Impressum