Sturmfieber
Eine mörderische Jagd nach Naturgewalten
(bhs).
In Oklahoma, dem Land der Wirbelstürme, sind es nicht nur Meteorologen,
die den Tornados hinterherjagen, sondern auch Einheimische. Sie suchen im Stillstand
des Alltags nach einem Kick, einem Adrenalinstoß und dem Abenteuer. Ein
Wissen, mit dem Polizeichef Charlie Grover durchaus vertraut ist. Trotzdem erschüttert
es ihn, als er sich ausgerechnet in eine junge Dame verliebt, die diesem Hobby
frönt. Zu allem Überfluss wird er auch noch mit Erinnerungen an seinen
Vater konfrontiert, der selbst immer wieder dem „Sturmfieber“ erlag
und darüber oft seine familiären Pflichten vernachlässigte.
Zu diesen zwiespältigen Gefühlen und Kindheitstrauma kommt der Hauptplot:
Eine Serie von Todesfällen. Ein Wirbelsturm hat die Kleinstadt Promise
heimgesucht und fast vollständig verwüstet. Charlie Grover wusste,
welche Zerstörungskraft Tornados entfalten können und dieser hier
hatte erbarmungslos gewütet: zerborstene Gasleitungen, eingestürzte
Häuserwände, verwüstete Straßenzüge. Aber was ist
mit den drei Leichen auf der Farm der Peppers? Sind sie nur scheinbar dem Unwetter
zum Opfer gefallen? Nutzt ein Serientäter die Gunst der Stunde, um seine
Morde im Schatten des Unwetters zu begehen? Im Laufe seiner Ermittlungen kommt
Charlie Grover ein entsetzlicher Verdacht und zu allem Überfluss findet
er eine kurze Nachricht seiner von ihm derzeit doch arg vernachlässigten
Tochter: „Bin auf Sturmjagd“.
Einige etwas brutal ausfallende Szenen fallen in „Sturmfieber“ von
Autorin Alice Blanchard etwas aus dem Rahmen. Dennoch ist dieser Roman weit
über dem üblichen Kriminal- oder Thriller-Niveau: Die Charaktere sind
sehr komplex, spannend und interessant dargestellt und werden überzeugend
geschildert, aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein übersetzt. So
findet der Leser sich nicht nur in den Gefühlen von Polizeichef Grover
wieder, der mit sich selbst im Unreinen und als alleinerziehender Vater mit
einer pubertierenden Tochter heftig überfordert ist, sondern gar in seiner
angeknacksten Psyche. Der souveräne Aufbau der Handlung besticht, und die
Autorin Alice Blanchard hat hervorragend recherchiert: Sie nutzt Hintergründe
zur Bekämpfung der Stürme genauso wie den Schrecken, den sie verbreiten
und paart dies mit dem Grauen, das der Killer hinterlässt, geschickt für
den Aufbau des Spannungsbogens. Dabei lässt sie den Leser an ihren Erkenntnissen
über Tornados teilhaben, ohne dabei ins Sachliche abzudriften. Tief auch
der Einblick in die „Gemeinschaft“ der Storm-Chaser: Immer auf der
Suche nach dem „perfekten“ Sturm.
Nicht nur der Titel und die Beschreibung der aufziehenden Stürme sind von
großer Geschwindigkeit: Alice Blanchard steigert das Tempo naturgewaltig
vom ersten Anzeichen bis hin zum Unausweichlichen, in dem kein Entkommen mehr
bleibt. Auch nicht dem Leser: „Sturmfieber“ packt, fasziniert, fesselt
gewaltig wie ein Sturm – und verursacht definitives Lesefieber!
Autorenportrait:
Alice Blanchard wuchs in Connecticut auf und studierte in Boston Literatur und
Film. Nach einem Erzählungsband, der mit dem Anne Porter Prize ausgezeichnet
wurde, erschien ihr Roman „Die Gesichter der Wahrheit“. Der Erstling
war nicht nur ein großer internationaler Erfolg, sondern wurde ebenfalls
mit etlichen Preisen bedacht und von der New York Times Book Review als eines
der bemerkenswertesten Bücher des Jahres 1999 ausgezeichnet. „Sturmfieber“,
Originaltitel „The Breathtaker“, ist ihr zweiter Roman. Sie lebt
in Los Angeles.
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Alice Blanchard
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