Mythos Modelleisenbahn – Dem Spiel auf der Spur
Die Geschichte des Hauses Märklin von 1859 bis heute
(fkl).
Modelleisenbahnen sind ein Symbol für die technische Revolution seit Ende
des 19. Jahrhunderts und setzen dem Mythos Eisenbahn ein Denkmal im Miniaturformat.
Entscheidende Impulse für das Aufkommen der Modelleisenbahnen lieferte
die Göppinger Familie Märklin, deren heutiges gleichnamiges Großunternehmen
aus einem kleinen Betrieb zur Fertigung von Metallspielwaren entstand. In dem
opulenten Bildband „Mythos Modelleisenbahn – Dem Spiel auf der Spur“
wird die Geschichte des Hauses „Märklin“ von den Anfängen
1859 bis heute noch einmal nachvollzogen. Auf 584 größtenteils farbigen
Abbildungen begleitet von einem ausführlichen Text, eingeteilt in verschiedene
Abschnitte, entfaltet sich vor den Augen des Lesers die faszinierende Geschichte
des Traditionsbetriebes.
„Die mühevollen Jahre“, als Theodor Friedrich Wilhelm Märklin
als Flaschnermeister sein Geld mit der Herstellung von Metallspielwaren verdiente,
ließen noch nicht erahnen, welcher Erfolg dem Familienbetrieb zukünftig
zuteil werden sollte. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes musste Caroline
Märklin das Unternehmen allein weiterführen. Erst 1888 kamen ihr die
Söhne Carl und Eugen zu Hilfe und gründeten eine offene Handelsgesellschaft.
„Die erste Systemeisenbahn“ entstand bereits 1891 und schon bald
wurde die „Normung der Spurweiten“ durch „Märklin“
vorgegeben. „Das Sortiment der Märklin-Spielwaren“ war jedoch
nicht allein durch Modelleisenbahnen bestimmt. Um den Betrieb rentabel gestalten
zu können, wurden ebenfalls Puppenküchen, Roller und „Miniaturautos
aus Göppingen“ verkauft. Mehr und mehr wurden aber die kleinen Bahnen
zum Aushängeschild der Firma. Es entstanden echte Klassiker wie „Die
Liliput-Eisenbahn“, „Der Stuttgarter“, „Die Minex“
und „Die Mini-Club“.
Auch nach den beiden Weltkriegen haben die Modelleisenbahnen nichts von ihrer
Attraktivität verloren und sind bis heute vielfach überarbeitet und
technisch weiterentwickelt worden. Eine der neuesten Errungenschaften ist „Das
Märklin Digital-System“. „Insider, Profis und Fans“ sind
gleichermaßen begeistert von den vielen Möglichkeiten, die ihnen
Modelleisenbahnen heute bereits bieten. Die „Wege in die Zukunft“
stehen zwar noch offen, aber angesichts der mehr als 100-jährigen Geschichte
darf man auf weitere Innovationen hoffen.
Der großformatige Bildband „Mythos Modelleisenbahn – Dem Spiel
auf der Spur“ liefert zahlreiche Informationen rund um die Entstehungsgeschichte
der Modelleisenbahn und stellt die verschiedenen Reihen und Modelle aus dem
Hause „Märklin“ ausführlich vor. In den kompetenten Texten
von Hans Zschaler, Torsten Berndt, Ilona Eckert, Thomas Hornung, Thomas Rietig
und Christian Zellweger werden die wichtigsten und kuriosesten Ereignisse der
langen Firmengeschichte präsentiert.
Als Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag überzeugt das von Götz Adriani
und Roland Gaugele herausgegebene Buch äußerlich mit schönem
Design, dem auch die innere Gestaltung in nichts nachsteht: Am oberen Rand jeder
Seite markiert ein Zeitstrahl das jeweils wichtigste Jahr, das im Text angesprochen
wird. Allerdings werden die Themen nicht in chronologischer Reihenfolge abgehandelt,
so dass es vorkommt, dass nach 1954 wieder bei 1907 begonnen wird und nach 2001
plötzlich 1920 kommt. Die eigentlich gute Idee, dem Leser mit dem Zeitstrahl
eine Möglichkeit zur Orientierung zu bieten, wurde etwas ungeschickt umgesetzt,
weil sie der Ordnung des Buches nach Themenkomplexen widerspricht und den Leser
verwirrt. Leider bleibt es ebenfalls nicht aus, dass doppelseitige Bilder an
manchen Stellen den Textfluss unglücklich unterbrechen und man erst vier
Seiten später weiter lesen kann.
Besonders ansprechend sind die alten Fotos, Lithografien und Werbeanzeigen aus
den Anfangszeiten des Betriebes, die den Schöpfungsdrang rund um die Jahrhundertwende
eindrucksvoll präsentieren. Ihre besondere Vielfalt ermöglicht eine
interessante Reise durch die Zeit. Der überwiegende Teil der zahlreichen
Farbfotos aber stellt die verschiedenen Miniatureisenbahnen aus dem Hause „Märklin“
vor. Neben den Modellen des beginnenden 20. Jahrhunderts sind auch der Metallbaukasten
aus der Zeit um 1930 und die nach heutigen Vorbildern gestalteten Modelleisenbahnen
abgebildet.
„Mythos Modelleisenbahn – Dem Spiel auf der Spur“ ist ein
Standardwerk, das für jeden Liebhaber interessante Informationen bereithält
und mit wunderbaren Bildern zu überzeugen weiß. Jeder Sammler wird
mit diesem umfangreichen Bildband seine Freude haben!
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