Mythos Meer
Geschichten – Legenden – Tatsachen
(fkl).
Mit dem Slogan „Sommer, Sonne, Strand und Meer“ versuchten die Reiseveranstalter
jahrelang Touristen in die Feriengebiete entlang der Küsten zu locken.
Nicht selten versprachen sie klares, türkis-blaues Wasser, bei dessen beruhigendem
Rauschen man sich hervorragend entspannen könne. So schön diese Vorstellung
auch sein mag, sie ist nur einer der vielfältigen Aspekte, die das Meer
für den Menschen so anziehend machen: Es gilt als die Wiege allen Lebens,
bietet zahlreichen wundersamen Kreaturen einen Lebensraum, ist eine bedeutende
Nahrungsquelle und doch so unberechenbar, dass es schon unzähligen Menschen
und Tieren den Tod brachte. Diese geheimnisvolle Ambivalenz und wilde Romantik
machen das Meer so faszinierend.
In ihrem Buch „Mythos Meer“ nähern sich die Autoren Monika
Rößiger und Claus-Peter Lieckfeld diesem spannenden Thema auf eindrucksvolle
Weise, indem sie versuchen, die gesamte Komplexität greifbar zu machen
und neben wissenschaftlich belegten Fakten auch auf Mythen und Legenden eingehen.
Die einzelnen Kapitel sind dabei vier großen Themenkomplexen zugeordnet:
„Der Blaue Planet“ beschäftigt sich mit dem Meer im Leben der
Menschen. Unzählige Male haben sie versucht es zu berechnen, zu zähmen
und es sich nutzbar zu machen und waren nur in den seltensten Fällen erfolgreich.
Von der Entstehung der Erde über die Erforschung der Ozeane durch die Schifffahrt,
den Riffen und Wellen als Schicksalspunkt vieler Seefahrer, bis hin zum Surfen
und Tauchen werden hier verschiedene Themen aufgegriffen, die Mensch und Meer
verbinden.
Aber das Meer ist auch Lebensraum. „Die Kreaturen“, die im, unter
oder am Wasser leben, werden mit ihren jeweiligen Besonderheiten ausführlich
vorgestellt. Dazu gehören in erster Linie gefährliche Haie, bedrohte
Wale und seltsame Tiefseebewohner, aber auch Quallen, Pinguine, Robben, Seepferdchen,
Vögel und nicht zuletzt Fabelwesen.
Weitere Geheimnisse bergen „Die Schätze“ der Meere. Wahre Naturparadiese,
der unerschöpfliche Reichtum an seltenen, bisher unentdeckten Fischen sowie
Gold- und Porzellanladungen aus gesunkenen Schiffen machen die Ozeane zu einer
Schatztruhe ganz besonderer Art.
Zudem ranken sich viele „Mythen, Märchen und Legenden“ um das
Meer. Kap Horn, der Fliegende Holländer und das Bermuda-Dreieck sind nur
einige von ihnen.
„Mythos Meer“ kombiniert wissenschaftlich belegte Fakten, die ohne
moderne Technik nie hätten erforscht werden können, mit Jahrhunderte
alten Legenden. Interessante Thesen werden ausführlich erläutert und
durch Expertenaussagen belegt. Gleichzeitig verweisen die Autoren häufig
auf Sagen der griechischen Antike, zitieren Seemannslieder, Gedichte und Mythen.
Viele Fragen werden fachkundig beantwortet, aber es werden auch bewusst neue
aufgeworfen, um dem Meer nichts von seiner Anziehungskraft zu nehmen und zum
Nachdenken anzuregen.
Kompetent wird der Leser durch Themengebiete aus Erdkunde, Biologie, Religion,
Kultur und Geschichte gleitet, ohne dass er sich belehrt fühlt. „Mythos
Meer“ versteht es, die Vielfalt wissenschaftlicher Erkenntnisse darzustellen
und diese unterhaltsam zu verpacken. Da stört es auch nicht, dass einige
Worte im Text der Autoren teilweise etwas pathetisch geraten sind.
Der Leser bekommt einen Eindruck von den unendlichen Facetten der Ozeane und
fühlt sich von diesem unfassbaren Element zugleich abgestoßen und
angezogen.
Das Buch „Mythos Meer“ weiß zu fesseln, indem es Herrlichkeit
und Grausamkeit direkt nebeneinander stellt und auf diese Weise die Ambivalenz
des Meeres hervorhebt. Unterstrichen wird diese Wirkung durch beeindruckende
Fotos sowie Abbildungen alter Gemälde, Zeichnungen und Stiche. Das handliche
Format ermöglicht es außerdem, das Buch mit ans Meer zu nehmen.
In „Mythos Meer“ sind viele schöne, schaurige und einfach faszinierende
Dinge zusammengetragen, die in ihrer Vielfalt genauso überraschen, wie
das Meer selbst – eine gute Idee, mitreißend umgesetzt in ein spannendes
Buch, das zum Schmökern einlädt!
Autorenportrait:
Monika Rößiger, Biologin
und Wissenschaftsjournalistin in Hamburg, entdeckte die Anziehungskraft des
Meeres schon in ihrer Kindheit an Nord- und Ostsee. Zum Tauchen bevorzugt sie
allerdings die farbenprächtigen Korallenriffe der Tropen. Zwei Jahre arbeitete
sie als Wissenschaftsredakteurin bei „mare“.
Claus-Peter Lieckfeld, Jahrgang 1948, geriet als Redakteur für Horst Sterns
„natur“ auf die Tier- und Pflanzenschiene. Seither schreibt er für
„GEO“, „mare“, „Merian“, „Die Zeit“
und andere über die belebte Umwelt. Er ist außerdem Autor des Buches
„Mythos Berge“.
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