Glitzerbarbie
Die Fortsetzung von „Fremd küssen“ beansprucht wieder die Lachmuskulatur
(mkb).
Wenn Steffi von Wolff den Stift hervorholt und mit flotter Feder ihre Ich-Erzählerin
Carolin Schatz skizziert, kann sich der Leser auf Chaos und heilloses Durcheinander
gefasst machen. Auch in ihrem zweiten Roman „Glitzerbarbie“, der
Fortsetzung von „Fremd
küssen“, lässt sie keinen Kelch an Caro vorbeiziehen.
So endet die romantische Kreuzfahrt über die Weltmeere für Carolin
und Marius statt Hula-Hula tanzend auf Hawaii in Robinson Crusoes Fußstapfen
auf einer einsamen Insel. Zwar schmelzen mangels Gelegenheit die Pfunde der
Antiheldin ab, dafür aber legt sich eine Stressglocke über sie und
ihre Lebensliebe: Marius offenbart in der Krisensituation ganz neue Qualitäten,
die nicht besonders anziehend auf Caro wirken. Nachdem sie sich dann gegenseitig
eine Weile kräftig auf die Nerven gegangen sind, taucht am Horizont die
Erlösung auf: Ein Segelschiff hält auf sie zu, und über die Reling
springt Carolins Erzfeind Roland. Ohne Atem zu holen, streut er Salz in Caros
Wunden – die nebenbei gesagt splitternackt mit schickem Sonnenbrand ein
einsames Empfangskomitee bildet – und lässt sich erbarmungslos über
die Körperfülle der Gestrandeten aus, hinterlässt mit jedem Seitenhieb
einen blauen Flecken auf ihrer Seele.
Im Zuge der kleineren und größeren Katastrophen, die Caro im Laufe
der Heimreise ereilen, bietet Sylvester, Retter Nummer zwei, ihr die Moderation
einer Talkshow an, welche sie annimmt und sie prompt berühmt macht. Aber
bekanntlich ist Ruhm und Erfolg ein zweischneidiges Schwert; Carolins Freunde
wenden sich von ihr ab und als i-Tüpfelchen wird der eitrige Zahn eines
Mitarbeiters zum Wendepunkt in ihrem Liebesleben: „„Gleich,
ja, ja, ja, gleich!“, schreit Ferdinand. (...) Dann bekommt er den schlimmen
Zahn zu fassen. Felix kreischt, als hätte er zehn Megaorgasmen auf einmal.
Wir alle stöhnen aus Solidarität mit.“ Ein Zuschauer taucht
auf, der aus dem Ausschnitt eines engagierten Zahnziehprozess der Partygemeinschaft
eigene Schlüsse zieht. „In der Tür steht Marius mit einem
riesigen Blumenstrauß. Er sieht mich fassungslos an. Alle sind schlagartig
still. Selbst Felix hört auf zu kreischen. „Das war es dann wohl“,
sagt Marius, dreht sich um und geht.“ Noch im Schockzustand lässt
sich Caro auf eine neue Beziehung ein, reitet sich heiter von einem Fettnäpfchen
ins nächste, um dann kurz vor der ultimativen Katastrophe wieder Bewusstsein
zu erlangen – und es kommt ganz anders als geglaubt... .
Carolin Schatz verkörpert die Steigerung zu jedem Tiefschlag, und der Gedanke,
dass dieses schriftstellerische Werk autobiographische Züge der Autorin
Steffi von Wolff aufweisen könnte, wäre Anlass genug, ein wenig mehr
über sich selber zu lachen. Lachen ist nämlich gesund, soll gar heilend
wirken – man kann also davon ausgehen, dass „Glitzerbarbie“
demnächst in therapeutischen Kreisen hoch gehandelt wird.
„Glitzerbarbie“ ist ohne Frage ein weiterer Anschlag auf die Lachmuskeln,
der in keinem Haushalt fehlen sollte!
Autorenportrait:
Stephanie von Wolff, geboren 1966, arbeitet als Redakteurin, Moderatorin, Sprecherin,
freie Autorin und schreibt auch Comedy. Sie wuchs in Hessen auf und lebt heute
mit Mann und Sohn in Hamburg. Gleich mit ihrem ersten Roman „Fremd
küssen“ landete sie einen Bestseller.
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