Gebrauchsanweisung für Amerika
Kompaktes Überlebenswissen für Urlauber und Auswanderer
(gjk).
Amerika – hinter diesem Ausdruck versteckt sich mittlerweile nicht mehr
der 1492 entdeckte Kontinent, sondern die Vereinigten Staaten, kurz die USA.
Mit diesem Begriff wiederum assoziiert ein Bürger des Alten Europa bestimmte
kulturelle und gesellschaftliche Eigenarten, und diese Palette reicht bei weitem
nicht nur von Konsum bis Kreditkarte. Doch was ist an diesen Vorurteilen wahr?
Und worauf sollte sich ein Amerika-Reisender oder gar einer, der in jener Ferne
mehrere Jahre verbringen möchte, tatsächlich einstellen? Mit viel
Humor erzählt Paul Watzlawick, der seinerseits vor 40 Jahren in die Neue
Welt auswanderte, in welch prekäre Situationen ein unschuldiger „Nicht-Amerikaner“
geraten kann, wenn Kulturunterschiede zu Kommunikationskluften werden.
Zwar ist wohl jeder bei Antritt seiner Reise vor der gewöhnungsbedürftigen
Aussprache des Englischen gewarnt worden. Doch abgesehen von dieser kleinen
Hürde, sollte man auch wissen, welche Wörter überhaupt salonfähig
sind und welche lieber vermieden oder, falls unvermeidbar, umschrieben werden
sollten. Paul Watzlawick rät: „Wenn Sie schon wirklich glauben,
Schwitzen erwähnen zu müssen, dann empfehle ich, das ob seines lateinischen
Ursprungs salonfähigere Wort „perspire“ und nur ja nicht „sweat“
zu benützen.“ Diese Einschränkung wird aber sofort außer
Kraft gesetzt, sobald es sich um einen umgangssprachlichen Ausdruck handelt,
der eine andere Bedeutung annimmt: „Die lapidare Bemerkung „no
sweat“, in ihrer Bedeutung von „Macht nichts“ oder „Es
war ein Vergnügen“ (als Antwort auf Dank für einen erwiesenen
Gefallen), ist dagegen durchaus akzeptabel.“
Bei den sprachlichen Unterschieden kann es offensichtlich schon einmal happig
werden, geschweige denn von gängigen Situationen im Alltag. Hier gelten
ebenfalls eigene Regeln, an denen Nicht-Eingeweihte geschwind scheitern können.
So mancher wird es sich mit einer Dame verscherzen, wenn er in ein Lokal zuerst
eintritt, um ihr die Tür aufzuhalten. „Dort gebietet die Höflichkeitsregel,
dass der Mann der Dame nur vorgreift, die Türe öffnet und offenhält,
sie aber zuerst hineingehen lässt.“ Andererseits gilt es nicht
als unhöflich, bei Feierlichkeiten und formellen Anlässen, die Hände
in die Hosentaschen zu zwängen und sie lediglich wieder herauszuholen,
um jemandem die Hand zu schütteln. Außerdem wird die Beleuchtung
in Restaurants aus Gründen der Eleganz so dunkel wie möglich gehalten,
und das dortige Zeitsystem, das den Tag in zwei Hälften teilt, eine „a.m.“
und eine „p.m.“, birgt ebenfalls einige Tücken.
Unwissende werden schnell an ihre Grenzen stoßen, doch wer Paul Watzlawicks
„Gebrauchsanweisung für Amerika“ eingehend studiert hat, wird
bei der Landung im fernen Amerika nicht nur auf alle Eventualitäten gewappnet
sein, sondern auch eine äußerst angenehme Lektüre hinter sich
haben. Magi Wechsler ergänzt den Lesespaß mit sieben witzigen Karikaturen
von typischen Alltagssituationen und amerikanischen Ureigenschaften.
Für diejenigen, die sich den Herausforderungen der Neuen Welt stellen möchten,
ist die „Gebrauchsanweisung für Amerika“ ein Muss, für
alle anderen ein erstklassiges Lesevergnügen!
Autorenportrait:
Paul Watzlawick, geboren 1921 in Villach/Kärnten, studierte Philosophie
und Sprachen. Psychotherapeutische Ausbildung am C. G. Jung-Institut in Zürich.
1960 war er Professor für Psychotherapie in El Salvador; seit 1960 ist
er Forschungsbeauftragter am Mental Research Institute in Palo Alto/Kalifornien.
Außerdem lehrte er an der Stanford University.
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