Finnisches Requiem
Spannender Krimi um ein internationales Mafia-Kartell
(fkl).
„Als der Besuch von Kommissar Reinhart geplant wurde, hatte man größten
Wert auf Sicherheit gelegt. Seit dem Herbst 2001 achtete man angesichts der
allgegenwärtigen Terrorismusgefahr bei allen Reisen von EU-Kommissaren
darauf. (…) Pastor wusste alles über die Sicherheitsvorkehrungen
und den Ablauf im Museum; das fünfzehnköpfige Exekutionskommando hatte
diese Liquidierung wochenlang vorbereitet. Alles würde funktionieren, das
war so sicher und unausweichlich wie die Wirkung der Schwerkraft.“
Mit dem Mord an dem deutschen EU-Kommissar Reinhart beginnt Taavi Soininvaara
seinen preisgekrönten Kriminalroman „Finnisches Requiem“. Geschickt
verknüpft der finnische Erfolgsautor in seinem Buch die Diskussion um die
Vor- und Nachteile der EU-Osterweiterung mit einer spannenden Geschichte um
ein internationales Mafia-Kartell, dessen Machenschaften sich von Ungarn bis
Finnland, Italien, Spanien und sogar in die USA erstrecken.
Als in Helsinki der hochrangige Politiker Walter Reinhart kaltblütig erschossen
wird, glauben zunächst alle an einen Einzelfall. Um das Attentat schnellstmöglich
aufzuklären, werden die fähigsten Ermittler der finnischen Sicherheitspolizei
Riita Kuurma und Arto Ratamo zu Rate gezogen. Doch ihre intensive Ermittlungsarbeit
fördert kaum brauchbare Ergebnisse zu Tage.
Bald darauf werden zwei weitere EU-Kommissare getötet, und es zeigt sich,
dass Walter Reinhart nur das erste Opfer einer Reihe politischer Morde war,
deren Täter auf diese Weise offenbar die Osterweiterung der EU verhindern
wollen. Die Spuren führen Arto Ratamo bis nach Budapest, wo er das undurchschaubare
Netz sich widersprechender Interessen zu entwirren versucht. Die Hintermänner
der Taten entziehen sich jedoch jedem Zugriff und schon bald ist für den
finnischen Ermittler nicht mehr zu erkennen, wer tatsächlich auf seiner
Seite steht.
Zunächst könnte man fast glauben, das Buch werde langweilig, weil
man von Beginn an den Mörder kennt und Einblick in seine verrückte
Gedankenwelt erhält. Mit jeder Seite und jedem weiteren Ereignis wird jedoch
deutlich, dass auch er nur ein kleines Zahnrad im Getriebe einer viel größeren
Organisation ist, die ihre Mitarbeiter wie Schachfiguren benutzt und selbst
im Hintergrund bleibt.
„Finnisches Requiem“ ist nicht umsonst als „bester Kriminalroman
des Jahres“ mit dem Finnischen Krimipreis ausgezeichnet worden. Das
Buch bietet hochkarätige Spannung vor einem aktuellen politischen Hintergrund,
durch den die Kriminalgeschichte zusätzliche Brisanz erhält. Taavi
Soininvaara versteht es, mit den Emotionen seiner Leser zu spielen, indem er
an ein Thema rührt, das viele persönlich betrifft. Die Angst vor einer
möglicherweise steigenden Kriminalitätsrate durch die EU-Osterweiterung
hat vor einiger Zeit lange Diskussionen ausgelöst, und viele werden sich
bereits eine Meinung gebildet haben.
In Taavi Soininvaaras Roman sind Gegner und Befürworter sowohl auf Ermittlerseite
als auch unter den Kriminellen zu finden. Es ist interessant zu beobachten,
wie aufgrund völlig unterschiedlicher Überzeugungen das gleiche Ziel
verfolgt wird und wie ähnliche Motive zu grundverschiedenen Handlungen
führen können. „Finnisches Requiem“ gewinnt seine Brillanz
durch die beängstigende Nähe zur Realität und das ständige
Infragestellen der unterschiedlichen Positionen.
Eine kleine Schwäche des Buches ist die Übersetzung ins Deutsche von
Peter Uhlmann. An manchen Stellen hat man das Gefühl, dass einige Sätze
etwas umständlich formuliert sind und den normalen Sprachfluss vermissen
lassen. Verwunderlicher Weise wurde außerdem die alte Rechtschreibung
benutzt. Gemessen am Lesevergnügen sind dies jedoch kleine Mängel.
Der Krimi „Finnisches Requiem“ überzeugt durch eine brandaktuelle
Thematik, eine packende Geschichte und sympathische Protagonisten. Mit seinen
beiden Ermittlern Arto Ratamo und Riita Kuurma präsentiert Autor Taavi
Soininvaara dem Leser ein Pärchen, das – anders als viele andere
Krimi-Helden – seine kleinen Macken hat und deshalb besonders menschlich
wirkt.
„Finnisches Requiem“ ist authentisch, spannend und absolut lesenswert!
Autorenportrait:
Taavi Soininvaara, Jahrgang 1966, studierte Jura und hat als Chefanwalt für
bedeutende finnische Unternehmen gearbeitet, bevor er sich 2001 von allen beruflichen
Verpflichtungen befreien ließ, um sich ganz dem Schreiben zu widmen. Seine
ersten beiden Romane um Arto Ratamo waren große Erfolge und wurden verfilmt.
Mit dem preisgekrönten Roman „Finnisches Requiem“ erscheint
erstmals eines seiner Bücher auf deutsch.
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