Das teuflische Buch

Roman über die tödlichen Wirkungen von Gruselgeschichten

Das teuflische Buch(jaf). Etwas sehr, sehr Beunruhigendes muss Moritz Limroth geschehen sein. Das merkt man sofort. Er liest ein seltsames Buch, muss Schlaftabletten nehmen, um zu Ruhe zu kommen, und dann habe „alles“ damit begonnen, dass er viel zu spät aus Kassel losgefahren ist.


Von der ersten Seite an ist damit die Neugierde des Lesers geschürt; und nur zu geschickt versteht es Autor Wolfram Cosmus, diese auf jeder einzelnen der 300 Seiten seines Werkes „Das teuflische Buch“ am Zündeln zu halten: Wohldosiert und häppchenweise breitet er fortan die krude Geschichte jener rätselhaften Begegnung aus, die dem Versicherungsexperten Moritz Limroth widerfährt: Eines regnerischen Nachts nimmt dieser eine junge, hübsche Anhalterin in seinem Wagen mit. Er leiht der bis auf die Knochen durchnässten Frau seinen Mantel und vergisst, ihn sich zurückgeben zu lassen. Das will er am nächsten Tag nachholen, schließlich hat sie ihm seine Adresse gegeben. Fröhlich marschiert Moritz Limroth auf sein Vorhaben zu – doch vor ihrer Wohnung angekommen, erfährt er von ihrer Mutter, dass Annette bereits seit Jahren tot ist. Irritiert sucht er ihr Grab auf, wo er schließlich seinen Mantel wiederfindet – mit einem Buch in der Tasche, das – so stellt sich bald heraus – mörderische Kräfte entfalten kann.


Wenn „Das teuflische Buch“ eine große Qualität hat, dann ist es sein raffiniertes Spiel mit Nervenkitzel und Wissbegier; immer ist der Autor dem Leser einen Schritt voraus, er führt und begleitet den Leser: Von der ersten bis zur schließlich wahrhaft überraschenden letzten Seite ist das Buch spannend bis ins Mark. Doch darin erschöpft sich leider auch schon die nennenswertes Lob verdienende Facette des Buches: Denn bereits jenes stilistisches Merkmal, den Leser unentwegt persönlich einzubeziehen, ja anzusprechen, als handele es sich um eine Zwiesprache zwischen Lesendem und Autor, ist zwar hilfreich beim Fesseln des Lesers, wirkt jedoch allzu schnell abgegriffen und fade. Gleiches ist zu behaupten von der Sprache: Einfach und zielgerichtet, mit wenig Raum für Fantasie und Einfallsreichtum. Die immer wieder in den Vordergrund geschobene Frage nach Vorbestimmung oder Zufall als Ordnungsfaktor im menschlichen Leben – einschließlich des sämtliche Kausalitäten auf den Kopf stellenden Endes – wirkt ebenfalls eher störend als inspirierend. Denn ansonsten paddelt das Buch eher an der Oberfläche: Über die Hauptfigur ist außer einigen Äußerlichkeiten so gut wie gar nichts zu erfahren, schon gar nicht, weshalb Moritz Limroth die Fähigkeit besitzt, eine rege, gegenseitige Kommunikation mit Spiegeln zu führen: Auch die Konstruktion der Geschichte um die „untote Annette“, die Herkunft des Buches und den Verstrickungen von Traum und Realität bleibt stellenweise in punkto Logik und Stringenz brüchig und wenig schlüssig.


Alles in allem ist zu sagen: Mit dem „teuflischen Buch“ sind zwei bis drei nette Abende zu verbringen. Länger anhaltende Wirkungen kann es leider nicht entfalten.

Autorenportrait:
Wolfram Cosmus wurde 1940 in Cottbus geboren. Nach Stationen in Schweden und Ulm lebt er jetzt in Iserlohn. Er ist in zweiter Ehe glücklich verheiratet und hat zwei Söhne. Der gelernte Zahntechnikermeister und passionierte Bergsteiger konnte sich den Lebenstraum vom Schreiben erfüllen, nachdem er sich aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte.

Das teuflische Buch

Wolfram Cosmus
Das teuflische Buch
Scherz Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 3-502-51971-4
287 Seiten, Taschenbuch.
Unverbindliche Preisangabe: € 8,90 (D) / € k. A. (A) / sFr k. A.

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