Das 1. Buch L.
Biblische Geschichten aus dem Baukasten
(bhs).
Auf den ersten Blick ist „Das 1. Buch L.“ von Brendan Powell Smith
ein Kinderbuch. Auf den zweiten schon nicht mehr – und zu guter Letzt
darf man feststellen: Es ist ein Buch für alle. Bibelfreunden dürfte
das Herz anhand korrekter Vers- und Kapitelangaben höher schlagen, Kindern
wegen der bunten Plastikmännchen.
Auch wenn bis zuletzt vielleicht nicht so ganz klar ist, wie ernsthaft dieses
Buch aufzufassen ist, so ist es doch genüsslich zu „lesen“:
Gut recherchiert für einen vermeintlichen Atheisten die Kapitelangaben
und Verse; ironisch die Einleitung und der Nachspann, von Katharina von Savigny
aus dem Amerikanischen übersetzt. Lässig in der Ich-Form erzählt,
lassen sie vermuten – ein bisschen verrückt sollte man sein, für
einen solchen Einfall: „Ich saß abends gemütlich über
meinem Essen beim Mexikaner um die Ecke, als plötzlich mein Bohnen-Burrito
in Flammen aufging und Gottes Stimme zu mir sprach: Brendan, von heute an wirst
du das heiligste aller Bücher, die Bibel, für mich mit LEGO-Steinen
nachbauen.“ Der studierte Philosoph und Religionswissenschaftler
Brendan Powell Smith machte sich sogleich ans Werk. Dies war die „Erleuchtung“
und der Beginn eines Kultes, der nun von Amerika aus mit „Das 1. Buch
L.“ nach Deutschland schwappt.
Mit dieser Form der biblischen Darstellung gelangt man nicht nur zu neuen Erkenntnissen
über das vermeintliche Aussehen von biblischen Persönlichkeiten, sondern
auch die sehr 147 hochwertigen Fotos sind „anders“: Etwas schrill,
einfach witzig – und endlich eine unterhaltsame Form der Bibel.
Brendan Powell Smith stellt in geschicktester Weise vom Garten Eden bis zu Josef
und seinen Brüdern Bibelsituationen nach, lässt einzelne Köpfe
auf Lego-Platten zu Ertrinkenden der Sintflut werden, skelettiert auseinandergebaute
Lego-Figuren für Sodom und Gomorra – detailfreudig und kreativ werden
Dinge erbaut, die selbst das umfassende Legosortiment nicht hergibt. Ohnehin
ist die Lego-Gruppe weder Sponsor, noch ist Brendan Powell Smiths Werk von ihr
genehmigt oder autorisiert.
Trotzdem: In „Das 1. Buch L.“ wirkt diese biblische Lego-Welt im
Vergleich zu manch sonstigen bildlichen Bibel-Darstellung sehr viel eindrucksvoller,
im wahrsten Sinne des Wortes greifbarer, und es gerät zu einem wunderschönen
und zugleich skurrilen Bilderbuch für Groß und Klein, welches zum
Bibellesen geradezu verführt. Acht Geschichten sind in „Das 1. Buch
L.“ enthalten, für die die Bibelübersetzung von Martin Luther
in der Fassung von 1912 verwendet wurde. 122 biblische Episoden in über
1.600 Einzelbildern hat Smith mittlerweile aus den Noppensteinen nachgebaut
und als Photogalerie ins Internet gestellt. Seine Website ist Kult – nicht
nur in den USA. Wünschenswert, dass auch „Das 1. Buch L.“ zu
einem derartigen Kult gerät. Wert ist es das allemal!
Autorenportrait:
Brendan Powell Smith, 30-jähriger Künstler, lebt in Kalifornien/USA.
Nach dem Studium der Philosophie und Vergleichenden Religionswissenschaft in
Boston arbeitete er als Webdesigner in Silicon Valley. Seit 2000 hat er es sich
zur Aufgabe gemacht, biblische Geschichten mit Lego-Bausteinen nachzubauen.
© Copyright by: Public Dialog Hamburg