Dance
Tanzen und andere Leidenschaften
(ini).
Tanzen, Bühne, Ballett – welches Mädchen träumt nicht in
einem bestimmten Alter davon, eine berühmte Primaballerina zu werden? In
Nortrud Boge-Erlis Roman „Dance“ ist es erstaunlicherweise kein
Mädchen, die diesen Traum verfolgt, sondern ein Junge. Maja und ihr Bruder
Sebastian sind talentierte Tänzer. Gemeinsam trainieren sie auf dem eigens
dafür ausgebauten Dachboden ihres Elternhauses für die Aufnahmeprüfung
der Ballettakademie. Während Sebastian verbissen arbeitet, kommen Maja
immer wieder Zweifel: Soll sie wirklich ihre ganze Freizeit opfern, um zu tanzen?
Was wird mit ihren Freunden? Was ist mit ihrer zweiten großen Leidenschaft,
der Choreografie?
Als ihre Clique in die Ski-Freizeit fährt, beschließt sie, dieses
Mal ihre Freunde in den Vordergrund zu stellen. Gegen alle Widerstände
von Sebastian und ihren Eltern geht sie Skilaufen. Auch dem emotionalen Druck
ihres Bruders hält sie stand. Doch da kommt es zur Katastrophe: Bei einem
Zusammenstoß bricht sie sich das Schienbein. Zur Untätigkeit verurteilt,
studiert sie mit den anderen einen Tanz ein. Unterdessen übt Sebastian
mit seinem Freund Joel zu Hause weiter für die Prüfung. Aber auch
dabei läuft nicht alles wie geplant, Eifersüchteleien belasten das
Training. Als Maja nach Hause zurückkommt, hat sie sich verändert...
.
Nortrud Boge-Erli hat sich ein schwer erreichbares Ziel gesetzt: Einen Jugendroman
für Mädchen und für Jungen ab zwölf Jahren zu schreiben.
Leider ist ihr das nicht ganz gelungen. Die Figuren wirken häufig zu wenig
lebensecht, die Dialoge hölzern – so stellen sich Erwachsene die
Gespräche zwischen Jugendlichen vor. Zusammen mit dem für ein „Jungen-Buch“
ohnehin schon sperrigen Thema, erreicht sie einen Teil ihrer Adressaten nicht.
Das ist schade, denn ihre Idee ist gut. Nortrud Boge-Erli erzählt eine
Emanzipationsgeschichte und davon, dass man Träume auch aufgeben können
muss, wenn man erkennt, dass man ihnen entwachsen ist. Dieser Lernprozess wird
in Jugendbüchern heute selten thematisiert; dort geht es, gemäß
dem Trend, zumeist um Fantasy-Stoffe, Liebe oder Leben im Cyberspace. Deshalb
wäre „Dance“ viele Leser zu wünschen, die über die
Schwächen des Buches hinwegsehen, um mit Maja über Ziele und Träume
nachzudenken!
Autorenportrait:
Nortrud Boge-Erli, geboren 1943 in Ungarn, aufgewachsen in Ravensburg, lebt
heute bei Düsseldorf. Sie studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Pädagogik.
Danach arbeitete sie als Lehrerin und war in der Jugendarbeit tätig. Seit
über zehn Jahren schreibt sie Kinder- und Jugendbücher, aber auch
Liedtexte und Kurzgeschichten.
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