Zu Gast bei Gustav Klimt
Ein faszinierender Einblick in das Leben eines Ausnahmekünstlers
(pr).
Gustav Klimt (1862-1918) – Künstler, Genie und doch immer „enfant
terrible“ der Wiener Kunstszene – ist der Inbegriff des Wiener Jugendstils.
Wenig ist allerdings über die Person selbst bekannt, so existiert zum Beispiel
kein einziges ernsthaftes Selbstbildnis des Malers. „Ich bin nicht
extra interessant.“, sagte er über sich selbst. Ob dies nun
stimmt oder nicht, darüber können sich die Leser des Buches „Zu
Gast bei Gustav Klimt“ selbst ein Bild machen. Autor Joachim Nagel und
Fotografin Isolde Ohlbaum schufen dieses Gesamtkunstwerk, das eine spannende
Mischung aus Biografie, Portrait des Wiens zurzeit der Jahrhundertwende, Kunstband
und Kochbuch in einem ist.
Joachim Nagel unterteilte er sein Buch in thematisch beschränkte Kapitel,
die in sich wiederum chronologisch geordnet sind und jeweils einen anderen Aspekt
aus dem Leben des Künstlers aufgreifen. Unter anderem „Zu Hause in
der Wiener Luft“, „Salondamen“ oder „Sommerfrische“
heißen die Abschnitte. In die biographischen Betrachtungen mischt Joachim
Nagel immer wieder unerwartete Aspekte: Viel schreibt er über Lebensgefühl
und -stil der gehobenen Gesellschaft im Wien um die Jahrhundertwende. Auch Auszüge
aus der Korrespondenz von Gustav Klimt, vorwiegend mit Emilie Flöge, sind
immer wieder eingestreut und bieten einen unverfälschten Blick auf das
Naturell des Genies.
Emilie Flöge, lebenslange Gefährtin und Muse, ist ein eigenes Kapitel
mit dem Namen „Gustav und Emilie“ gewidmet, in dem ausführlich
über ihr Leben und ihr Verhältnis zu Gustav Klimt berichtet wird.
Joachim Nagels Stil ist leicht verständlich und flüssig zu lesen.
Er führt den Leser durch die Geschichten, als würde er einen guten
Freund an die Hand nehmen und ihm Klimts Welt zeigen. Sehr lebensnah und bewegend
erzählt er aus dem Leben eines großen Mannes und weiß damit
zu faszinieren. Augenzeugenberichte sowie niedergeschriebene Meinungen und Äußerungen
über den Künstler sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des biographischen
Teils von „Zu Gast bei Gustav Klimt“. Diese zeigen oft widersprüchliche
Meinungen zu seiner Person und seinen Werken. Der Leser erhält das Bild
eines lebensfrohen und genießerischen Menschen, der offensichtlich Zeit
seines Lebens polarisierte. Allerdings war er immer bereit, sich seinen Kritikern
zu stellen und auch mit jungen Künstlern ernsthaft zu diskutieren.
40 Kochrezepte bieten einen abwechslungsreichen Einblick in die Wiener Küche
von damals, dennoch sind viele der Speisen auch heute noch sehr beliebt. Traditionelles
und Ausgefallenes zeigen die Vielfalt einer kulinarischen Welt, die auch Gustav
Klimt zu schätzen wusste. In vielen Abschnitten des Buches wird über
ihn als Genussmensch berichtet, der sowohl für exquisite als auch für
gutbürgerliche Küche zu begeistern war. Ausgesprochen vielfältig
präsentieren sich die Rezepte, vom klassischen Wiener Schnitzel bis zum
gebratenen Fogosch (Zander). Allerdings sind Anfänger von den recht anspruchsvollen
Erläuterungen wohl überfordert, so dass nur wirkliche (Hobby-)Köche
ihre Freude mit diesen Kreationen haben werden.
Zahlreiche Abbildungen von Gustav Klimts Werken ergänzen die vorliegenden
Texte und erläutern sein Schaffen und auch sein Leben. In den Bildunterschriften
wird kurz über Bedeutung und Entstehung des Werkes informiert, manche Gemälde
werden im Text ausführlich interpretiert. Zudem hat Fotografin Isolde Ohlbaum
stimmungsvolle Fotografien von Landschaft, Häusern und von den in den Rezepten
vorgestellten Speisen erstellt. Eine weitere wunderbare Ergänzung des Textes,
die viel zu dessen Verständnis beiträgt. Zusätzlich sind zahlreiche
historische Fotos zu sehen und vermitteln einen Eindruck der Wiener Eleganz
und des Flairs dieser Zeit.
Im Anhang befinden sich ein Verzeichnis der Rezepte, ein „Kleines Glossar
zur Wiener Küche“, ein Personenregister sowie eine Übersicht
auf die biographischen Daten Gustav Klimts.
„Zu Gast bei Gustav Klimt“ ist ein wunderschöner Bildband,
der aufgrund seiner Vielfalt für nahezu jeden Leser etwas bietet: Kunstkenner,
Klimt-Fans, Genießer kulinarischer Köstlichkeiten und Geschichtsinteressierte
werden in diesem Werk etwas für sich finden; selbst derjenige, der „nur“
guten Lesestoff sucht, wird mit diesem überaus gelungenen Gesamtkunstwerk
bestens bedient!
Autorenportrait:
Joachim Nagel ist Philologe und arbeitet als Autor, Lektor und Übersetzer.
Der Gourmet aus Passion lebt in München.
Fotografenportrait:
Isolde Ohlbaum hat sich mit Porträts der bedeutendsten Schriftsteller –
zu sehen in dem Bildband „Autoren,
Autoren“ – sowie mit stimmungsvollen Aufnahmen der
schönsten Friedhöfe einen Namen gemacht. Für ihre Kalender und
Autorenporträts wurde sie 1994 mit dem begehrten „Kodak-Fotokalender-Preis“
ausgezeichnet.
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