Zapfen ab
Der Weinführer, der reinen Wein einschenkt
(bhs).
Zapfenstreich für die Bewunderung des Otto-Normalverbrauchers: Lauschten
wir einst gebannt den Ausführungen jedes Gourmets und Weinkenners, die
als „Herren der Sinne“ stets mit feiner Nase zwischen Fusel und
Prämierungswein zu unterscheiden wussten, so hat das jetzt mit „Zapfen
ab – Der Weinführer, der reinen Wein einschenkt“ von Markus
Matzner ein Ende.
Autor Markus Matzner ging der Frage nach, was einen vermeintlichen Weinguru
von uns Normalsterblichen eigentlich unterscheidet. Die Antwort ist fast erschütternd,
vor allem auch ernüchternd: Verkostungen der Weinelite bringen in erster
Linie eines – Geld. Ein prämierter Wein, ein hochgelobter Rebensaft,
und schon läuft die Werbung von allein. Gern wird dabei übersehen,
dass Bewertungen sehr different sein können, alles andere als einheitlich
sind und nicht einmal gesamtheitlichen Richtlinien unterliegen. Das noch gepaart
mit einer gewissen Selbstgefälligkeit „der Könige der Weinkeller“,
ergibt das kritische Ergebnis von Markus Matzner: Sollte man sich auf die Bewertungen
sogenannter Experten verlassen? Nein, so Markus Matzner. Ein gesunder Kenntnisstand,
ein kritischer Blick und ein sensibler Gaumen können durchaus dafür
sorgen, seine ganz persönlichen Prämierungen vorzunehmen.
Basierend auf einer neuen Degustationsmethode, die nachvollziehbar und zumindest im Ansatz objektiv ist, könne jeder, der über Nase und Gaumen verfügt, selbst zum „Weinexperten“ avancieren und ein Urteil fällen. Und damit wird plötzlich der Unterschied zwischen beiläufigem Mögen und bewusstem Genuss offen-kundig und prägend. Denn auch Weingurus kochen nur mit Wasser.
Unterhaltsam und locker die Sprache des Autoren, der von seinem Umfeld zu Beginn
des Projektes zunächst mitleidig belächelt und später für
verrückt erklärt wurde, ein solches Buch schreiben zu wollen. Gut,
dass er es dennoch getan hat!
„Die Gurus und Zampanos“, „Die neue 100er-Methode“,
„Etikettenschwindel“ und viele Tipps, Trends und Smalltalk-Infos
finden sich genauso in „Zapfen ab“, wie amüsante Anekdoten
und bereicherndes Wissen. Viele Erkenntnisse machen dieses Buch zu einer Grundlage,
auf die jeder aufbauen kann, um selbst zu jemandem zu werden, der sich auskennt.
So bietet „Zapfen ab“ dem Leser nicht nur die Möglichkeit,
eigenes Wissen aufzubauen, kritische Blicke auf die Weingurus nicht nur werfen,
sondern dies auch begründen zu können; „Zapfen ab“ macht
Mut, wieder vermehrt seinen eigenen Sinnen zu trauen, anstatt den „Feinschmecker“
zu zitieren, weil ein gewisser Kenner kenntnisreich gesagt hat... .
Geschmackvoll übrigens auch die Schwarzweiß-Fotos von Sascha Felix:
Understatement, Purismus – gepaart mit einem guten Geschmack rundet er
das Werk von Markus Matzner ab, welches erfrischend, statt vollmundig ist, in
jedem Fall aber vor echten Genuss birgt.
„Zapfen ab“ ist ein höchst vergnügliches Buch über
den Wein und seine Szene, ein anregendes Weinbrevier und schließlich sogar
eine Einführung, wie auch der „normale Leser“ zum Weinfachmann
werden kann, mit allen Sinnen und dem richtigen – eigenen – Geschmack!
Autorenportrait:
Markus Matzner, geboren 1964, ist Redaktor und TV-Journalist bei der Sendung
„Quer“ des Schweizer Fernsehens DRS. Davor studierte er an der Universität
Zürich Publizistik und Psychologie und war Mitherausgeber des schweizerischen
Psychologiemagazins „Intra“. Seit bald zehn Jahren widmet er sich
geraume Zeit dem Thema „Wein“, arbeitete als Journalist für
verschiedene Magazine und ist einer der Gründer des Zürcher „Wine
Tasting Clubs (WTC)“, in dessen Rahmen die im Buch beschriebene Degustationsmethode
entwickelt wurde.
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