Warum der Wein korkt
und andere Weingeschichten
(bhs).
Wieder ein Weinbuch. Nicht schon wieder ein Weinbuch. Vermutlich staubig-kenntnisreich,
belehrend und knochentrocken? Falsch. Der erste Blick, der zweite, der Griff
an den Bauch. Dieser bebt.
Selten ein so köstliches, herrliches und genussreiches Sachbuch gelesen,
welches eines nicht ist: Sachlich. Lehrreich, ja, unterhaltsam, amüsant
und von Stil geprägt. Stil im Sinne vom Thema aber vor allem auch im Sinne
der Umsetzung. Die erweiterte Neuauflage von „Warum der Wein korkt“
von Markus Del Monego wurde nicht umsonst als „Bestes Wein-Literatur-Buch
der Welt 2003“ mit dem Gourmand World Cookbook Award ausgezeichnet.
Wein als Kultgetränk, als Zeichen von Stil und Noblesse, Lebensgefühl
und Genuss. Als Insel inmitten des hektischen Alltags. Doch so viel über
den Wein auch berichtet wird: Viel davon ist mehr Schein als Sein. Markus Del
Monego, der aus Südbaden stammende Weltmeister der Sommeliers, bietet das
ganze Sein. Wein ist sein Hobby, seine Leidenschaft, sein Beruf und seine Berufung
– er will die Menschen für dieses faszinierende Thema begeistern.
Dies tut er auf gleiche Art, wie alles begann: Er schockt, ist unkonventionell
und agiert nach seiner Überzeugung. Als Markus Del Monego als erster und
bisher einziger deutscher Sommelier mit 32 Jahren Weltmeister aller Sommeliers
wurde, waren die Franzosen geschockt. Er hatte ihnen den dauerhaft gesichert
scheinenden Titel „geklaut“.
Heute ist Markus Del Monego ständig auf allen Erdteilen unterwegs. Bei
seinen unzähligen Besuchen von Mouton Rothschild bis Mondavi & Co.
führt er stets einige flüssige Botschafter – Weine aus seiner
deutschen Heimat – mit im Gepäck. Auch über den Wolken sorgt
er als Berater der Lufthansa dafür, dass die Fluggäste mit den edelsten
Tropfen verwöhnt werden. Doch obwohl er täglich mit den besten und
teuersten Weinen der Welt umgeht, meint er, dass ein guter Wein nicht unbedingt
teuer sein müsse. „Jeder Wein, der einem schmeckt, ist gut –
vorausgesetzt, er ist sauber gemacht und mit Sorgfalt und Engagement hergestellt.“
Markus Del Monego erzählt die großen und kleinen Geschichten rund
um den Wein, die in den Werken der Weinliteratur keine Erwähnung finden.
Er hat sie auf seinen Reisen in die großen und kleinen, in die alten und
neuen Weinbaugebiete dieser Welt gehört – manchmal wurden sie ihm
natürlich auch mit einem Augenzwinkern erzählt. Hintergründe,
amüsante, kurzweilige, charmante Anekdoten finden sich rund um das Thema
Wein – und Trinkkultur in seinem „Warum der Wein korkt“ wieder.
Unbekanntes, Kurioses, Historisches, Skurriles, Erotisches und Spannendes wird
vom Autoren, dem übrigens einzigen deutschen Weltmeister aller Sommeliers,
präsentiert.
Warum wurde Madame Pompadour erst durch den Champagner zur Frau? Weshalb erfand
die Witwe Veuve Cliquot das Rüttelpult, warum ist Riesling besser als Viagra?
Und was hat es mit der Riesling-Rente auf sich? Humorig ist er, intelligenten
Witz hat er, dieser Weinkenner. Und Markus Del Monego liefert bei allen kleinen
Geschichten stets interessante und ernsthafte Aussagen verdaulich verpackt anbei.
Warum wurden die Mönche des Mittelalters älter als die Nonnen zu dieser
Zeit? Zu ihren Malzeiten tranken die Mönche regelmäßig Wein
und damit neben dem Alkohol gleichzeitig ein antiseptisches Getränk. Da
der Wein als Aphrodisiakum angesehen wurde, durften die Nonnen sich lediglich
des im wahrsten Sinne des Wortes „stinknormalen“ Wassers bedienen
– und somit der darin enthaltenen infektiösen Keime...
Warum war Tokajer, berühmtester und bedeutendster Wein Ungarns, der unumstrittene
Liebling der gekrönten Häupter? Vielleicht liefert Markus Del Monego
in seinem Buch die wirkliche Erklärung: „Die großartigen
Weine werden in einem strengen Ausleseverfahren geerntet. Beere für Beere
wird von fleißigen Frauenhänden in bis zu zehn Durchgängen einzeln
gepflückt. Und nur Frauenhände können dies, sagt man in Tokaj.“
Diese Geschichten ergänzt Markus Del Monego mit Trinksitten, Tipps, wie
man mit Magenbitter (ja, auch der findet sich in diesem Weinführer) und
Tequila stilvoll verhält, mit vielen Hintergrundinformationen.
Weinkenner wissen: Wein ist nicht gleich Wein. Doch am Preis alleine kann man
die Qualität nicht erkennen. Wie gesund ist Rotwein? Auch Etiketten, Lagerung
und Verschlüsse vergisst Markus Del Monego nicht. Die 52 Geschichten in
„Warum der Wein korkt“ werden auf jeweils ein bis zwei Seiten dargestellt
und rufen nicht selten einen „Aha-Effekt“ hervor. Sie eignen sich
nicht nur zur vergnüglichen Lektüre, als kleiner Ohrenschmaus während
einer Weinprobe oder einfach „so zwischendurch“. Wissen wird hier
nicht knochentrocken, sondern mit lockerem Sprachstil, der nicht nur von Genuss
redet, sondern der beim Lesen bereits selbigen weckt einfach bereichernd und
lustvoll vermittelt.
„Warum der Wein korkt“ ist Genuss pur, sprachlich wie inhaltlich!
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