Schwarze Schiffe vor Troja
Die Geschichte der Ilias
(pr).
Meergöttin Thetis, die Silberfüßige, und König Peleus bekamen
einen Sohn, den sie Achilleus nannten. Die Götter versprachen ihr, wenn
sie das Kind in einen der Flüsse der Unterwelt tauche, werde das geheiligte
Wasser ihn unverwundbar machen. Doch sie taucht ihn mit dem Kopf voran ins Wasser
und hält ihn dabei an einem Fuß fest, die Finger um die Ferse gelegt.
Zu spät erkennt sie ihren Fehler, dass sie so dem Sohn eine verwundbare
Stelle am Körper lässt. Diese Version der Sage von Achilles wird erst,
abweichend von Homers „Ilias“, in der „Achilleis“ von
Papinius Statius beschrieben. Nach Homer legte Thetis das Kind ins Feuer.
Der bekannten Jugendbuchautorin Rosemary Sutcliff ist mit dem faszinierenden
Buch „Schwarze Schiffe vor Troja“ für Kinder ab elf Jahren
eine bemerkenswerte Nacherzählung der „Ilias“ von Homer gelungen.
Die Autorin beschreibt die Geschichte des Achilles ebenso anschaulich wie die
anderer Figuren aus der griechischen Mythologie, aus dem Englischen von Astrid
von der Borne übersetzt. So auch von der verbotenen Liebe zwischen Helena
und Paris, die letztendlich zur Belagerung der Stadt Troja führt.
Die Erzählung beginnt jedoch mit einer Frucht: Einem goldenen Apfel, der
von der Göttin der Zwietracht für die schönste Göttin bestimmt
ist. Hera, Athene und Aphrodite können sich nicht einigen und fordern den
jungen Paris auf, die Sache zu entscheiden. So bestimmt die Frucht das Schicksal
des trojanischen Prinzen und gleichzeitig das der ganzen Stadt. Paris gibt Aphrodite
den Apfel, da sie ihm die schönste Frau verspricht: Helena. Die ist jedoch
bereits mit Menelaos, dem König von Sparta verheiratet. Paris segelt nach
Griechenland, um die Schöne mit eigenen Augen zu sehen. Wie es das Schicksal
will, verliebt er sich in sie. Als Menelaos abwesend ist, entführt er Helena
und nimmt sich so die Frau, die Aphrodite ihm versprochen hat. Doch der König
von Sparta kann die Schande nicht auf sich sitzen lassen und bittet seinen Bruder
Agamemnon, den Großkönig über alle Könige von Griechenland,
um Hilfe. „Und von Kreta, Argos und Ithaka, vom Festland und den Inseln,
wurden die schwarzen Schiffe zu Wasser gelassen, und die Könige holten
ihre Mannen von den Feldern und vom Fischen,( …) denn sie mussten (…)
Helena zurück holen und Rache nehmen an Troja“. Der Untergang
der Stadt war damit besiegelt.
Die farbigen Zeichnungen von Alan Lee, der ein Faible für die Mythologie
hat, machen das Buch „Schwarze Schiffe vor Troja“ zu einem illustren
Lesevergnügen. Er stellt die Menschen und Götter so wahrhaftig dar,
dass der trojanische Krieg und seine Gestalten lebendig zu werden scheinen.
Eindrucksvoll zeigen seine Abbildungen, wie Menschen und Götter damals
im antiken Griechenland ausgesehen haben könnten.
Alan Lees zeichnerische Präzision bestimmter Details ist genauso reizvoll
wie in dem Buch „Die Rückkehr
des Odysseus“, das er, ebenfalls in Zusammenarbeit mit Autorin
Rosemary Sutcliff, gestaltete. Wer den gesamten Sagenkreises der Illias und
der Odyssee von Rosemary Sutcliff ohne Illustrationen lesen möchte, dem
sei „Troja und die Rückkehr
des Odysseus“ ans Herz gelegt.
„Schwarze Schiffe vor Troja“, die leicht verständliche Nacherzählung
der „Ilias“, eröffnet besonders jungen Lesern eine Möglichkeit,
die griechische Mythologie zu lesen. Illustrator Alan Lee lässt durch seine
wunderbaren Zeichnungen das Buch zum beeindruckenden Leseerlebnis werden.
Autorenportrait:
Rosemary Sutcliff, bekannte englische Jugendbuchautorin, wurde 1920 in England
geboren und starb 1992. Ihre Bücher sind in viele Sprachen übersetzt
und mehrfach ausgezeichnet worden. 1975 erhielt sie den Orden des British Empire
für ihren Verdienst um die Jugendliteratur. „Schwarze Schiffe vor
Troja“ wurde mit der „Kate Greenaway Medaille“ ausgezeichnet,
die höchste Auszeichnung für illustrierte Kinderbücher.
Illustratorenportrait:
Alan Lee, bekannt für seine künstlerische Vorliebe für Mythologie
und Fantasy, wurde 1986 mit dem „Smarties Innovation Prize“ ausgezeichnet.
Er illustrierte unter anderem die Jubiläumsausgabe von J.R.R. Tolkiens
„The Lord of the rings“.
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