Pippi & der König
Auf den Spuren von Efraim Langstrumpf
(akg).
Eigentlich suchte Autor Joakim Langer bloß eine geeignete Lektüre
zum Einschlafen. Möglichst langweilig sollte sie sein, ohne spannende Nebenaspekte,
die ihn womöglich wieder aufregen würde. Ein Zeitungsartikel der „Neuen
Schwedischen Geschichte“ erschien ihm da genau das Richtige – und
hielt ihn die ganze Nacht wach. Denn was er hier entdeckte, war der wohl erstaunlichste
Fund seines Lebens: Es war Pippi Langstrumpfs Vater höchstpersönlich!
Bereits wenige Wochen nach missglückter Einschlaflektüre brechen Joakim
Langer und Autorin Hélena Regius samt Reisegruppe auf die Insel Tabar
in Neuguinea auf, auf der sie die Nachfahren von Pippis Vater alias Carl Pettersson
ausfindig machen. Eine Südseereise, wie man sie sich als Nordeuropäer
vorstellt – mit Korallenriffen, farbenprächtigen Inseln und gastfreundlichen
Einheimischen. Wo denen etliche fest davon überzeugt sind, mit dem schwedischen
Königshaus verwandt zu sein. Schließlich heißt der schwedische
König auch Carl, wie ihr einstiger Häuptling... .
Die unglaubliche Lebensgeschichte des Südseekönigs Carl Pettersson
tauchte in den 1930er Jahren oft in den schwedischen Zeitungen auf und muss
Kinderbuchautorin Astrid Lindgren zu Pippis viel bewundertem Königsvater
inspiriert haben. Zu viele Gemeinsamkeiten tun sich zwischen Efraim Langstrumpf
und Carl Pettersson auf: Da ist die von Pippi geerbte körperliche Stärke,
durch die Menschen und Tiere leichthändig in die Luft gehoben werden, die
Güte, die ihnen die Sympathie anderer einbringt und nicht zuletzt die äußeren
Umstände – denn welcher Europäer ist schon König einer
Südseeinsel und bringt kofferweise Gold nach Hause?
In detaillierten, oft tagebuchartigen Aufzeichnungen beschreiben die Autoren
Joakim Langer und Hélena Regius in ihrem Buch „Pippi & der
König“ den gestrandeten Seemann, der sich mit den Inseleinwohnern
anfreundet, mit der Häuptlingstochter neun Kinder bekommt und eine Plantage
aufbaut. Zu ihrer Erleichterung unterscheidet sich Carl Petterssons Einstellung
sehr von der anderer Plantagenbesitzer: Statt die Einheimischen wie Sklaven
zu behandeln und auszubeuten, bemüht er sich um eine faires Miteinander.
Sein Leben dokumentieren Joakim Langer und Hélena Regius durch zahlreiche
Schwarzweißfotografien, auf denen Carl Pettersson auch mit seiner einheimischen
Frau und ihren Kindern in Schwedentrachten zu sehen sind. Fotos, die sich in
Schweden bereits in den 1930er Jahren großer Beliebtheit erfreuten.
Mit dem Tod von Carl Pettersson 1937 endet das aus dem Schwedischen von Nike
Karen Müller übersetzte Werk „Pippi & der König“
jedoch nicht. Stattdessen beschreiben die Autoren Joakim Langer und Hélena
Regius auch ihre exotischen Eindrücke der Südseeinsel und die Lebenswege,
die seine Kinder und Kindeskinder – viele von ihnen schwarz mit roten
Haaren – eingeschlagen haben.
„Bereits als ich klein war, träumte ich davon, zu weit entfernten
und ungewöhnlichen Orten zu reisen“, schildert Autor Joakim
Langer sein Fernweh. Ein Wunsch, der sich in „Pippi & der König“
zu einem äußerst spannenden und lesenswerten Buch erfüllt hat.
Autorenportrait:
Joakim Langer, Sohn eines schwedischen Autorenpaares, las als Jugendlicher gern
berühmte Seefahrer-Abenteuer – und „Pippi Langstrumpf“.
Nach vielen Jahren als Diskjockey, Stand-up-Comedian und Entertainer arbeitet
er seit 1992 in einem Jugendzentrum.
Hélena Regius ist Sozialanthropologin und promovierte in Cambridge. Ihr
Spezialgebiet ist Papua-Neuguinea, wo sie mehrere Jahre lebte. Seit1992 arbeitet
sie für das „Ethnographische Museum“ und das „Weltkulturmuseum“
in Stockholm.
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