Olympiastadt Athen
Ein Sport- und Reiseführer
(hpe).
Zeus als Begründer der Olympischen Spiele und die Götter als Athleten
– so wollen es die griechischen Sagen. Wer nun tatsächlich auf die
Idee zu dem Kräftemessen kam, ist nicht überliefert. Alles, was zu
dem Thema Olympia in Athen zu recherchieren war, hat Autor Torsten Haselbauer
in seinem Sport- und Reiseführer „Olympiastadt Athen“ zusammen
getragen. Doch er beschränkt sich nicht nur darauf, geschichtliche Daten
in ganze Sätzen zu fassen. Die Vorstellung aller Sportstätten der
anstehenden Spiele und ein detaillierter Blick auf die Lebenssituation im Athen
des 21. Jahrhunderts runden das farbenfroh illustrierte Buch ab.
„Olympiastadt Athen“ lässt sich im Prinzip in drei etwa gleich
große Abschnitte unterteilen: Im ersten Drittel beschäftigt sich
Torsten Haselbauer mit der olympischen Vergangenheit. Von der ersten schriftlichen
Erwähnung im Jahr 776 v. Chr., über die originären Wettkämpfe
wie Stadionlauf und Ringen bis hin zu den schon damals im Zuge der Spiele eingeleiteten
Verbesserungen in der Infrastruktur (wie die Einrichtung von Wasserversorgung
und Abfallsystem) lässt er keine Wünsche offen.
Der zweite Teil behandelt die neuzeitlichen Spiele, angefangen bei ihrer Einführung
durch Pierre de Coubertin im Jahre 1896. Es ergeben sich „erstaunliche“
Parallelen zur heutigen Zeit, wenn Torsten Haselbauer feststellt, dass die Sportstätten
auch damals erst in letzter Minute fertiggestellt wurden. Besonders bemerkenswert
sind die Ausführungen zu den Zwischenspielen von 1906: Obwohl in keiner
offiziellen Statistik erwähnt, hatten sie eine große Auswirkung auf
die weitere olympische Geschichte, denn erstmals campierten die Sportler im
Olympischen Dorf. Außerdem konnten sich von da an zumindest die ersten
Drei einer jeden Disziplin über Gold, Silber oder Bronze freuen. Vorher
wurden nur die jeweiligen Sieger geehrt. Sehr hilfreich für alle, die sich
auf einen Besuch der Sommerspiele vorbereiten, ist die Darstellung des olympischen
Verkehrsnetzes und der nach Wettbewerben geordnete Tagesplan.
Der dritte Abschnitt gleicht am ehesten den handelsüblichen Städteführern,
zeichnet sich aber durch das große Gespür für die Stadt und
ihre Bewohner aus, das Torsten Haselbauer während seines mittlerweile drei
Jahre dauernden Aufenthalts in der Metropole erworben hat. Kaum eine Beschreibung
einer Sehenswürdigkeit oder Restaurant-Tipp ohne die Gewohnheiten der griechischen
„Eingeborenen“ einzuflechten.
Allen drei Sequenzen ist die starke Illustrierung des Fotografen Andreas Neumeier
gemein. Sie und das permanente Einstreuen von Infokästen und Grafiken fördern
das Lesevergnügen und lassen keine Langeweile aufkommen. Die Textqualität
ist in Ordnung. Auffällig ist, dass der Autor das Stilmittel der Anführungszeichen
etwas zu häufig verwendet. Was wohl zur Auflockerung des Buches gedacht
war, wirkt so manchmal unbeholfen.
Nichtsdestotrotz überwiegen die positiven Aspekte bei weitem. Torsten Haselbauer
hat mit „Olympiastadt Athen“ den ehrgeizigen Versuch unternommen,
Geschichtsbuch und Reiseführer in einem zu schreiben, und er ist ihm geglückt.
Da die Olympischen Sommerspiele 2004 nur einen kleinen Teil des Buches ausmachen,
lohnt sich der Kauf auch, wenn man Athen zu einem späteren Zeitpunkt einen
Besuch abstatten will!
Autorenportrait:
Torsten Haselbauer, geboren 1964 in Gelsenkirchen, Politologe und Sportjournalist,
war einige Jahre Pressereferent des Landes-Sportbundes Nordrhein-Westfalen.
Seit zwei Jahren lebt er als freier Sportjournalist in Athen und schreibt u.
a. für die „FAZ“ und die „Financial Times Deutschland“.
Fotografenportrait:
Andreas Neumeier, geboren 1966 in München, Fotograf und Reisejournalist,
leitet seit 1986 die Fotoagentur „ANE Edition“ mit Büros in
München und Athen.
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