Mit Mörike von Ort zu Ort
Lebensstationen des Dichters in Baden-Württemberg
(emk).
Eduard Mörike ist neben, nicht nach Goethe der bedeutendste Lyriker deutscher
Sprache. Diesen Platz hat ihm die Literaturgeschichte inzwischen eingeräumt.
Zu Eduard Mörikes 200. Geburtstag am 8. September 2004 erscheint nun das
Werk „Mit Mörike von Ort zu Ort“ im Silberburg-Verlag, eine
„geografische Biografie“, die die Lebensstationen des Dichters in
Baden-Württemberg von Ort zu Ort nachzeichnet.
Die Autoren Irene Ferchl und Wilfried Setzler schildern lebendig, angereichert
mit vielen Bildern, Zeichnungen und alten Fotografien kapitelweise zunächst
die Geschichte der Orte, an denen Eduard Mörike weilte. Dann folgt die
Schilderung seines Lebens an diesen Orten. Dabei kommt Eduard Mörike selbst
mit zahlreichen Zitaten aus seinen Briefen, Aufsätzen und Gedichten zu
Wort. Viele der wiedergegebenen Skizzen und Aquarelle stammen ebenfalls von
dem Dichter. Auch Mörikes Zeitgenossen wie Theodor Storm, Ludwig Uhland,
Justinus Kerner, Wilhelm Hartlaub sind an entsprechenden Stellen erwähnt,
beziehungsweise zitiert mit Briefen oder Anekdoten.
Originell ist die Wiedergabe von Mörikes Haushaltungsbuch, das er mit Zeichnungen
und Gedichten illustriert hat. Diese und viele andere Bilder sind optisch reizvoll
in den Text verteilt und machen „Mit Mörike von Ort zu Ort“
zu einem Lese- und Augenschmaus.
Eduard Mörike ist oft umgezogen. Diesem Umstand verdanken wir die zartesten
Liebesbriefe der deutschen Literatur – die nachzulesen die Autoren dringend
empfehlen – und die vielen Schauplätze in diesem Buch.
„Mit Mörike von Ort zu Ort“ ist eine Spurensuche, die chronologisch,
beginnend mit seiner Kindheit in Ludwigsburg, den Lebenslauf des Dichters verfolgt
und sich somit auch als Biografie lesen lässt. Für jeden Schauplatz
sind jeweils die literarischen Werke Mörikes genannt, die dort entstanden:
In Blaubeuren „Die Geschichte von der schönen Lau“ in Pflummern
an der Donau das Gedicht „Frühling lässt sein blaues Band wieder
flattern durch die Lüfte“. – Und darum kann man „Mit
Mörike von Ort zu Ort“ auch als literarischen Reiseführer benutzen.
Irene Ferchl und Wilfried Setzler beschreiben Spaziergänge von Erinnerung
zu Erinnerung. Besonders wertvoll sind die Adressen und Informationen zu Museen
und Ausstellungen am Ende des Buches und die Vorschläge für Wanderungen
auf den Spuren Mörikes. Die Autoren verweisen darüber hinaus im Text
auf das Deutsche Literaturarchiv in Marbach, in dem die umfangreichste Mörike-Sammlung
zu finden ist.
Das Literaturverzeichnis im Anhang ist allerdings gewöhnungsbedürftig,
weil die Vornamen der Autoren zuerst genannt sind. Die „geografische Biografie“
enthält eine Zeittafel, Orts- und Personenregister, Bildnachweise und eine
Karte auf dem Buchinnendeckel.
Als eine Entdeckung für alle Literatur- und Reisefreunde ist „Mit
Mörike von Ort zu Ort“ sehr zu empfehlen!
Autorenportrait:
Irene Ferchl, geboren 1954 am Bodensee, lebt als freie Kulturjournalistin in
Gerlingen.
Wilfried Setzler, geboren 1943 in Pforzheim, leitet das Kulturamt der Universitätsstadt
Tübingen und ist Honorarprofessor an der Fakultät für Geschichte
und Philosophie der Universität Tübingen. Er ist außerdem Autor
des Buches „Hesse
in Tübingen“.
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