Live!
Ein Fall für Kostas Charitos
(twi).
Autor Petros Markaris hat mit seiner Romanfigur Kostas Charitos einen Polizisten
entworfen, der teils an seiner Ehefrau, teils an seinen Kollegen verzweifelt.
Die Ehefrau wird zur Übermutter, nachdem er mit einem Lungendurchschuss
im Krankenhaus liegt, seine Kollegen trachten ihm nach seinem Job als Leiter
der Kriminalpolizei. Als sich dann der Bauunternehmer Favieros spektakulär
im Fernsehen vor laufender Kamera erschießt, beschließt Kostas Charitos
seinen Genesungsurlaub zu beenden und Ermittlungen anzustellen.
Diese Ermittlungen führen ihn in die Zeit der griechischen Militärdiktatur
und in den kommunistischen Widerstand der damaligen Zeit. Warum erschießt
sich ein Baumogul, der gerade am Projekt seines Lebens arbeitet – das
Olympische Dorf für die Spiele 2004 – vor laufender Kamera? Die Spur
führt hinab in die Verstrickungen ehemals aufrechter Kämpfer für
die kommunistische Sache gegen die Militärjunta, in wirtschaftlichen Aufstieg
und politische Macht. Doch es bleibt nicht bei einem Selbstmord, noch zwei weitere
folgen, ebenso spektakulär wie schrecklich, und zwei Morde sind ebenfalls
noch aufzuklären, zu denen sich eine nationale Gruppierung bekennt, die
auch die Verantwortung für die Selbstmorde übernimmt. Doch so einfach
ist es nicht, weder die Mafia noch die Nationalen sind an der Misere schuld,
der Auslöser und Motor der Taten ist unscheinbar und offenbart sich erst
am Ende des Romans „Live!“, die Verstrickungen werden allerdings
schon ganz zu Anfang immer deutlicher.
Die Figur des Kommissars Kostas Charitos ist spannend und humorvoll zugleich
in Szene gesetzt, aus dem Neugriechischen von Michaela Prinzinger übersetzt.
Die Seitenhiebe des Autors auf Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Journalismus
sind deutlich zu spüren. Kritisch setzt sich Autor Petros Markaris mit
den Themen unserer Zeit auseinander und überspannt dabei die Kluft zwischen
den einzelnen Bereichen der Gesellschaft.
„Live!“ ist für Liebhaber der Krimiromane ebenso geeignet,
wie für Fans von Athen und Großstadtkriminalität. Die sozialkritischen
Anmerkungen in diesem Buch gehen allerdings uns alle an, da das, was hier beschreiben
wird, überall geschehen könnte. „Live!“ ist also ein Roman
mit gewissem Wirklichkeitsbezug.
Autorenportrait:
Petros Markaris, geboren 1937 in Istanbul, studierte Volkswirtschaft, bevor
er zu schreiben begann. Er ist Verfasser von Theaterstücken, Schöpfer
einer beliebten griechischen Fernsehserie, Übersetzer von Brecht und vielen
anderen deutschen Dramatikern, und er ist Co-Autor des Filmemachers Theo Angelopoulos.
Er lebt in Athen.
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