Geschichte der griechischen Literatur
1.200 Jahre Literaturgeschichte, ihre Autoren, Gattungen und Werke
(tik).
Nicht zuletzt seit Hollywood die Welt der großen und kleinen Mythen für
sich entdeckt hat, ist auch die griechische Literatur wieder ins Blickfeld einer
breiteren Öffentlichkeit geraten. Doch Troja ist nicht alles! Die Schriftsteller
der Antike schufen einen schier unerschöpflichen Schatz an Geschichten
und Figuren, der über Jahrtausende hinweg, und – wie nicht nur Hollywood
beweist – bis zum heutigen Tag, Künstlern aller Art Zitatenfundus
und Inspirationsquelle war. Die Auseinandersetzung mit den sogenannten „Alten“
bedarf also nicht eines abstrakten wissenschaftlichen Interesses, sondern könnte
mit einigem Recht auch als Gebot der Stunde bezeichnet werden. In seiner „Geschichte
der griechischen Literatur“ liefert Autor Thomas Paulsen hierzu einen
kompakten aber äußerst informativen Abriss der wichtigsten griechischen
Schriftsteller und ihrer Werke, den sich nicht nur Literaturstudenten gelegentlich
vornehmen sollten.
Und natürlich stand am Anfang Troja: Homers Epen Ilias und Odyssee bilden
den Auftakt. In chronologischer Reihenfolge werden alsdann die großen
Dichter mit ihren wichtigsten Werken angeführt und erläutert. Dabei
verfährt der Autor grob dreigleisig. Zuerst erfolgt die zeitliche Einordnung
mit einem kurzen Abriss der Biographie des Schriftstellers und der gesellschaftlichen
und politischen Umstände seiner Zeit, dann eine informativ gebündelte
Zusammenfassung der Theorie vorherrschender literarischer Gattungen. So werden
etwa im Anschluss an Homer und die auf seinen Werken basierende frühe Lyrik
die „Großen Drei“, Aischylos, Sophokles und Euripides, behandelt,
die von 525 bis etwa 400 v. Chr. bei dem jährlichen Tragödienagon,
einem Schauspielwettkampf, die wichtigsten Favoriten auf den Sieg waren. Nebenbei
erläutert Thomas Paulsen die Struktur der klassischen Tragödie und
weitere Merkmale in erster Linie aristotelischer Tragödientheorie. Den
dritten Teil jeder Abhandlung macht eine Inhaltsangabe herausragender Werke
mit Ausblicken auf gängige Interpretationsmuster auf. So lässt sich
beim Lesen zugleich das Wissen über griechische Mythologie auffrischen
und Verständnis für die großen Zusammenhänge der oft kaum
zu erblickenden Vielfalt ihrer Erzählungen gewinnen. So geht es weiter
über Formen der Geschichtsschreibung und philosophischen Literatur bis
in die später Kaiserzeit. Hier kam der Roman als literarische Gattung auf,
und die politische Rhetorik wurde gepflegt.
Die „Geschichte der Griechischen Literatur“ ist ein spannendes Kapitel
der Kulturgeschichte, das beweist Thomas Paulsen. Man muss sein Buch aber nicht
an einem Stück verschlingen, auch wenn dies durchaus möglich wäre.
Dank des handlichen Formats und der übersichtlichen Gestaltung mit einem
alphabetischen Namensregister lässt es sich auch wunderbar als Nachschlagewerk
verwenden – eine gelungene Einführung und interessante Anregung für
die Auseinandersetzung mit den „Großen Alten“!
Autorenportrait:
Thomas Paulsen wurde 1959 in Konstanz geboren. Er schloss sein Studium in den
Fächern Griechisch und Latein an der dortigen Universität 1985 ab
und wechselte an die Ruhr-Universität Bochum. 1992 wurde er eben dort mit
einer Dissertation über den Roman des Heliodor promoviert. Seit 1999 ist
er Hochschuldozent an der Ruhr-Universität Bochum.
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