Gebrauchsanweisung für Griechenland

Die alternative Landeskunde

Gebrauchsanweisung für Griechenland(gjk). In Griechenland funktioniert vieles anders, ob im Straßenverkehr oder im allgemeinen Sprachgebrauch spielt dabei keine große Rolle. Martin Pristls „Gebrauchsanweisung für Griechenland“ wird somit nicht nur das kulturelle Verständnis des deutschen Griechenlandbesuchers weiten, sondern auch seine „Überlebenschancen“ im Land der Götter erheblich erhöhen. Die Insider-Tipps werden durch Kostas Mitropoulos’ äußerst humorvolle Schwarzweiß-Karikaturen wunderbar ergänzt, auf denen die Lebenseinstellung der Griechen im Alltagsleben illustriert wird.


Zunächst hätten wir Athen, Hauptstadt und Metropole: Jeder Autofahrer hat seine eigenen Verkehrsregeln, geparkt wird dort, wo es gerade passt, und ebenso kann sich der Fußgänger überall die Freiheit nehmen, eine Straße zu überqueren, wie es ihm gerade gefällt. Das Leben pulsiert in Athens zahlreichen Cafés, Freiluftkinos und auf den Straßenmärkten. Vor allem für junge Menschen bedeutet das Freiheit und eine Menge an Möglichkeiten, die sich ihnen auf dem Land überhaupt nicht bietet. Und abgesehen von Athen ist „das übrige Griechenland, die andere Hälfte, zweifellos Provinz und dörfliche Atmosphäre.“ Dort regieren starre familiäre Strukturen und auf Großvaters „Das war noch nie so“ ist im Gegensatz zu Athener Verhältnissen („Papa, das ist heute so...“) immer noch Verlass. Fazit: „Athen ist fantastisch! Einfach grauenvoll!


Jüngste Errungenschaften, wie der Beitritt zur EU, erklärt Martin Pristl in seiner „Gebrauchsanweisung für Griechenland“ ebenso wie die längst anerkannten und nicht zu leugnenden kulturellen Eroberungen. Darunter fällt zum Beispiel die Überzeugung der Griechen, „die älteste bedeutende Sprache Europas“ zu sprechen. Doch inwieweit das heutige Neugriechisch mit den weisen Worten Sokrates’ und Platons zusammenhängt, ist wiederum eine andere Geschichte. Dabei wurden doch etliche Anstrengungen unternommen, um dieser Sprache ein bedeutendes Gewicht zu verleihen: Zum Beispiel durch Homers Griff zur Feder oder den späteren Weltbestseller unter dem Titel „Neues Testament“. Dass heutzutage daraus eine Sprache geworden ist, in der das eigentliche Wort für „morgen“ besser mit „demnächst“, wenn nicht gleich mit „irgendwann“ übersetzt werden sollte, während logischerweise „übermorgen“ gleichbedeutend mit „niemals“ ist, dies liegt mit größter Wahrscheinlichkeit an dem sorglosen Gemüt der Griechen, die sich immer sicher sind, dass es irgendwie schon gehen wird. Und bis es soweit ist, dass es schon irgendwie geht, sollte sich keiner den Kopf zerbrechen.


Bei solchen lebensnahen Beispielen wird mit Sicherheit in jedem Leser eine grenzenlose Begeisterung für Griechenland geweckt, denn Martin Pristls „Gebrauchsanweisung für Griechenland“ ist weit mehr als eine Anleitung zur korrekten Benutzung dieses rätselhaften Kulturproduktes Hellas: Es ist eine humorvolle, intelligente und vor allem turbulente Reise durch das griechische Dasein. Wer schon einmal dort war, dem wird bei der Lektüre von „Gebrauchsanweisung für Griechenland“ hier und da ein Licht aufgehen, und wer es bisher noch nicht gewagt hat, sich auf griechisches Terrain zu trauen, wird es kaum mehr erwarten können, dieses charmante Drunter und Drüber hautnah zu erleben!

Autorenportrait:
Martin Pristl, geboren 1968 in Bamberg, ist Journalist und Reisebuchautor. Der Griechenland-Fan hat 1991 sein Lieblingsland zu seiner zweiten Heimat gemacht und mehrere Insider-Führer über Griechenland geschrieben.

Gebrauchsanweisung für Griechenland

Martin Pristl
Gebrauchsanweisung für Griechenland
Mit Illustrationen von Kostas Mitropoulos
Piper Verlag, München
ISBN 3-492-27503-6
2. Auflage 2003, 190 Seiten, mit 16 s/w-Abbildungen, Klappenbroschur mit Integralbindung.
Unverbindliche Preisangabe: € 12,90 (D) / € k. A. (A) / sFr 23,50

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