Die Macht des Wetters

Wie das Klima die Geschichte verändert

Die Macht des Wetters(tik). Mit dem Stichwort "Klima" lässt sich einiges assoziieren: An erster Stelle wohl das Ozonloch, dann das verrückt spielende Wetter in unseren Breiten, mit heißen Sommern und matschig lauen Wintern. Nach einigem Nachdenken erinnert man sich vielleicht auch an die verheerenden Stürme, die irgendwann in den späten 1990er Jahren mit zerstörerischer Kraft über den US-amerikanischen Süden hinweg zogen, oder "Bob", den wohl bekanntesten Hurrikan aller Zeiten. All diese Phänomene sind schließlich Klima abhängig. Als nächstes wird man sich jedoch auch daran erinnern, dass sie aus einem Klima resultieren, welches wir uns selbst geschaffen haben: Das von Menschenhand global erwärmte Weltklima. Es ließe sich also fragen, inwieweit die zerstörerische Zivilisation das Erdenwetter beeinflusst und aus dem Lot gebracht hat.

Vor diesem Hintergrund, der heute breiter Konsens ist, könnte die Fragestellung des Autors Brian Fagan in seiner anthropologisch orientierten Studie "Die Macht des Wetters" vorschnell als längst vergangenes Problem abgeurteilt werden: Wie beeinflusst das Wetter unsere Zivilisation. Doch beweist das Buch "Die Macht des Wetters" nicht nur den fast gottgleichen Charakter, den das Wetter frühen Hochkulturen gegenüber an den Tag legte. Auch der modernen Menschheit, die sich nicht selten als Herrin über das Klima - im guten, wie im schlechten Sinn - wähnt, wird vorgeführt, wie ihr in manchen Wetterphänomenen doch noch eine letzte verbliebene Schicksalsmacht entgegentritt, die sich nicht kontrollieren, allenfalls meistern lässt.

Brian Fagan interessiert sich für solche Klimaphänomen, die über Jahrtausende hinweg den Menschen in seiner Entwicklung begleiteten und diese - wie er an ausführlichen Beispielen belegt - störten, zurückwarfen und manchmal auch entscheidend voran brachten. Seine Thematik, das von unendlich vielen Faktoren beeinflusste Wetter, kann dabei mit Recht als eines der Forschungsgebiete gelten, die sich bis heute einer umfassenden systematischen Analyse entziehen. Entsprechend schwer muss sich dem Autor die Aufgabe einer klaren, auch für Laien verständlichen Präsentation gestellt haben. Es gelingt ihm jedoch meisterhaft, den aktuellen Forschungsstand zu einem einheitlichen Bild zusammenzufügen, aus dem Amerikanischen von Hubert Pfau übersetzt.

Der erste Teil von "Die Macht des Wetters" widmet sich ausschließlich dieser Darstellung: Mit Hilfe einer Reihe von Abbildungen öffnet sich dem Leser eine Sicht auf das Wetter, die der Komplexität solcher Phänomene wie Monsun oder El Niño auf wissenschaftlicher aber gut verständlicher Basis gerecht wird. Die in schwarzweiß gehaltenen Wetterkarten und Satellitenbilder veranschaulichen dabei in dankenswerter Weise die ansonsten kaum überschaubaren Zusammenhänge.

Im zweiten, umfangreicheren Teil geht Brian Fagan ausführlich auf deren Einfluss auf Entstehung und Niedergang der weltweit bekannten alten Hochkulturen ein. Ägyptische Pharaonenkultur, die lateinamerikanischen Maya oder auch die Moche Indianer erweisen sich als Opfer und Profiteure des Kapriolen schlagenden Weltklimas.

Die große Detailgenauigkeit bei der Beschreibung historischer Zusammenhänge erweitert die Lektüre "Die Macht des Wetters" um eine Reihe interessanter Aspekte, die Kultur und Herrschaftsformen der Ahnen unserer Zivilisation betreffend. Brian Fagan versteht es, mit einer Fülle von Informationen so umzugehen, dass sie sein vermeintlich etwas trockenes Thema zu einer spannenden Reise durch die Weltgeschichte werden lassen und zugleich seinem eigentlichen Thema, "Wie das Klima die Geschichte verändert", ein hohes Maß wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit zugestehen.

Dabei liegt der Fokus gerade nicht auf so populären Schlagworten wie Treibhauseffekt oder Ozonloch, wodurch eine Perspektive auf das Wetter gewonnen wird, die, wie der Autor mit einigen Kapiteln zur aktuellen Lage beweist, einen neuen Ton in die oft hysterische Debatte zur Klimaveränderung bringt. Wohl ist jeder Einzelne angehalten, zu tun, was er kann, dabei sollte aber auch der weite Blick in die Geschichte nicht außer Acht gelassen werden. Denn, was den Umgang mit der Schwankung des Weltklimas betrifft, lässt sich noch vieles aus der Vergangenheit lernen. Auch zu dieser Diskussion ist Brian Fagans Buch "Die Macht des Wetters" ein überzeugender Beitrag!

Autorenportrait:

Brian Fagan ist Professor für Anthropologie an der "University of California" in Santa Barbara und Autor zahlreicher Bücher.

Die Macht des Wetters Brian Fagan

Die Macht des Wetters

Wie das Klima die Geschichte verändert

Aus dem Amerikanischen von Hubert Pfau

Patmos Verlag, Düsseldorf

ISBN 3-491-72445-7

2. Auflage 2002, 278 Seiten, mit zahlreichen s/w-Abbildungen, Klappenbroschur.

Unverbindliche Preisangabe: € 22.- (D) / € 22,70 (A) / sFr 38,60

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